Keilschrift-Tafeln belegen: Frauenrechte bereits 2.000 v.Chr.

Lesezeit
2 Minuten
Gelesen zu

Keilschrift-Tafeln belegen: Frauenrechte bereits 2.000 v.Chr.

März 08, 2016 - 21:36
Kategorie:
0 Kommentare

Es ist die Zeit der assyrischen Handelskolonien mit dem Zentrum Karum-Kanesch in Kültepe, in der Nähe der heutigen inneranatolischen Stadt Kayseri, in der Frauenrechte fest verankert sind. Das belegen schriftliche Quellen auf Tontafeln.

Um 2.000 v. Chr. setzt mit assyrischen Quellen erstmals eine schriftliche Überlieferung ein, eine rudimentäre Verwaltung wird erkennbar, die Städte erreichten erhebliche Ausdehnungen. Assyrische Handelskolonien entstehen, darunter das Zentrum Karum Kanesch in Kültepe, Nahe der Stadt Kayseri. 

Das Zentrum Kanesch ist aber bereits 3.000 v. Chr. ein Siedlungsgebiet der frühen Bronzezeit; insgesamt 14 Siedlungsschichten haben türkische Archäologen nach nunmehr 65 Jahren bei Ausgrabungen offen gelegt. Darunter Fundamente von Tempeln, Palästen und Wohnbereichen. Unterhalb des Stadthügels liegt die assyrische Handelskolonie Karum. Eine zentrale Stelle des assyrischen Handels, in der Esel-Karwanen Zinn, Textilien und Luxusgüter importieren, Gold, Silber und Kupfer exportieren. Davon berichten mehr als 10.000 altassyrische Keilschrifttafeln, die ältesten schriftlichen Zeugnisse Alt-Anatoliens, die man im archäologischen Museum in Kayseri bewundern kann.

Die Vor- und Frühgeschichte gibt aber nicht nur belegbare Hinweise auf assyrische Frauenrechte, auch vereinzelte Turkvölker, die bereits 3.000 V. Chr. in Anatolien siedelten, sollen diese Rechte innehaben. Historische Urkunden, z.B. Orchon-Inschriften belegen die Hochschätzung und Freiheiten der Frau bei den Turkvölkern, die im Gegensatz zu Heute am öffentlichen Leben teilnahm und für das soziale und politische Leben wichtig war. Sie hatte nicht nur innerhalb, sondern ausserhalb der Familie Bedeutung, weil sie einen gleichberechtigten Anteil an der Machtausübung und in der Gesellschaft besaß. So wurden etwa weibliche Götter verehrt, es gab keinen Brautpreis und die Frau hatte ein Scheidungsrecht. Das assyrische Recht aber zeigt insbesondere wegen ihrer Vielzahl an aufgefundenen Tontafeln anschaulich dar, wie dieses Frauenrecht auch gelebt und rechtlich durchgesetzt wurde.

Ab 1950 v. Chr. an werden diese Denkstrukturen durch patriarchalische Strukturen durch das Hethiterreich über 1.000 Jahr lang allmählich ersetzt und ausgelebt. Als Familienoberhaupt tritt der Mann ein und hat das sagen über Brautpreis und Aussteuer, Frauenraub ist in der Gesellschaft bekannt. In diesen Strukturen ist die unverheiratete Frau unter der Vormundtschaft des Vaters und nach der Heirat unter der des Ehemannes. Eine Strafe an der Ehefrau bedeutete zumeist auch eine vollstreckte Strafe am Ehemann und Vater der Braut. Nach altem Rechtsystem war ausserehelicher Geschlechtsverkehr als Straftat begriffen und dessen Bestrafung dem Stammesvorsteher oder Privatpersonen überlassen. Quellen legen nahe, dass bei den Hunnen, den Göktürken und den Mongolen der aussereheliche Geschlechtsverker mit dem Tod bestraft wurde. Nach mongolischem Recht konnte die Todesstrafe nur verhängt werden, wenn der aussereheliche Geschlechtsverkehr auf frischer Tat ertappt wurde oder ein Geständnis vorlag.

In Anatolien des 10. Jahrhunderts v. Chr. bis zum 9. Jh. n. Chr. zeigen zu dieser Zeit letztmals matriarchalische Familienstrukturen. Andere Quellen vermuten die Autorität beim Patriarchen, berufen sich auf Inschriften aus dem 8. Jahrhundert, die die gleichberechtigte Stellung der Frau hinsichtlich der Führung von Stämmen darlegen. Bevor die Turkvölker die islamische Religion mit großer Mehrheit im 10. Jhr. annahmen und nach Anatolien auswanderten, lebten sie meist als Nomaden in Mittelasien und hatten ihr eigenes Recht. 

Die Geschichte Anatoliens, so weit sie durch Fossilien der Gattung Homo oder durch steinzeitliche Werkzeugfunde belegt werden kann, reicht mehr als eine Million Jahre zurück. So wurde in vorzeitlichen Ablagerungen des Flusses Gediz das bislang älteste, sicher datierte Steinzeitwerkzeug auf türkischem Boden entdeckt, ein rund 1,2 Millionen Jahre altes bearbeitetes Fragment. Diesen frühen Bewohnern – in der Fachwelt werden sie meist als Homo erectus bezeichnet – folgten später die Neandertaler und schließlich der anatomisch moderne Mensch (Homo sapiens). Dessen frühe Jäger-und-Sammler-Kulturen verschwanden vor rund 12.000 Jahren.

Werbeanzeige