Muslimisches Forum Deutschland - Vielfalt statt Muslime?

Lesezeit
3 Minuten
Gelesen zu

Muslimisches Forum Deutschland - Vielfalt statt Muslime?

Oktober 04, 2015 - 00:23
Kategorie:
0 Kommentare

Die deutsche Denkfabrik der CDU ist wieder einmal der Initiator einer "muslimischen" Vereinigung, die unverkennbar islamophob meinungsbildende Unterstützer, darunter auch Gründungsmitglieder hat.

Das "Muslimische Forum Deutschland", eine eierlegende Vollmichsau, ist in Berlin unter der Obhut der KAS (Konrad-Adenauer Stiftung) gegründet worden. Der markige Kern dieses Forums besteht aus "Muslimen", Jeziden und Christen, darunter Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster. Korchide hatte 2010 vom Koordinierungsrat der Muslime, die religionsverfassungsrechtlich unverzichtbare Lehrerlaubnis erteilt bekommen, jedoch später einen irreparablen Zerwürfnis herbeigeführt und ist seitdem, so heißt es in einem Schreiben des Koordinierungsrates, für das Amt nicht tragbar. Die Gründe nannte u.a. der türkische Islamverband DITIB. Korchide habe das Vertrauen der Mitglieder des Rates missbraucht, so die DITIB.

Lamya Kaddor,  eine deutsche muslimische Religionspädagogin, Islamwissenschaftlerin und Autorin syrischer Herkunft, ist die nächste im Bunde. Am 27. Mai 2010 gründete Kaddor in Köln zusammen mit einigen anderen Muslimen den Liberal-Islamischen Bund, die sich, wie auch der Muslimische Forum Deutschland, als eine Alternative zu den bestehenden Islamverbänden sieht, und vor allem auch als bessere Muslime verstehen.

Als nächstes ist Güner Yasemin Balci, Journalistin und Autorin, erwähnenswert. Balci fordert u.a. die migrantischen Verbände auf, mehr zu tun, um den Rassismus im Alltag vorzubeugen. Sie müssten mit der Politik zusammen arbeiten, so Balci. Das sie mit "schonungslosen" Romanen und Zeichnungen aus dem Migrantenmillieu, zusammen mit Thilo Sarrazin dazu beigetragen hat, diesen Rassismus zu beflügeln, erwähnt sie natürlich mit keiner Silbe. Es sollte keinen erstaunen, dass gerade sie in diesem Forum mitwirkt.

Selbtsverständlich tritt auch Cigdem Toprak, immer wieder stark betont selbstbekennende Aleviten, in die selben Fußstapfen, wie Güner Balci, wenn auch nicht so vehement. Die Journalistin hat sich so in ziemlich vielen Lettern verewigen können, wie Güner Balci, und kann "Rassisten" magisch anziehen. Wie sie das als Humanistin macht, ist wohl ihr Geheimnis, denn die muslimische Gesellschaft in Deutschland ist bislang nicht dahinter gekommen, weshalb die "Rassisten" so viel Zuspruch und Lob aussprechen, wenn Cigdem Toprak erneut geschrieben hat.

Damit aber nicht genug: auch die selbstbekennende Yezidin und Journalistin Düzen Tekkal, ist im Bunde des Muslimischen Forums. Was sie als Yezidin einbringen wird, ist noch nicht konkretisiert worden. Es würde uns aber wohl überraschen, wenn in einem Yezidischen Forum, Muslime den Yeziden erklären, wie der Islam zu verstehen und verstanden werden muss. Das gilt im übrigen und vor allem für Ali Yildiz, Jurist und Sprecher des Christlich-Alevitischen Freundeskreis der CDU. Ihm gebührt die größte Aufmerksamkeit, da er sich wiederholt als nicht-muslimisch outete und dies auch mehrmals unterstrich. Das alleine würde aber innerhalb der muslimischen Gesellschaft kein Raunen hervorrufen. Eher der Versuch, die hetzerischen, rassistischen Aussagen einer Madlen Vartian zu relativieren und erst gar nicht verurteilen zu wollen. Die ehemals zweite Pressesprecherin der CAF, Madlen Vartian, hatte sunnitische Muslime wie auch Türken, Kurden und Araber als ein "Pack" bezeichnet, die, wo auch immer sie auftreten würden, kein Gras wachse.

Alles in allem, die Akademiker ausgenommen, setzt sich dieses Sammelsurium aus einem Kern, dessen Etablierung eines Islamverständnisses erst gar nicht eintreten konnte, weil die Voraussetzungen abgeschafft, die Grundwerte der Verfassung eines muslimischen Individuums ständig in Frage gestellt, die Lebenswirklichkeit mit biegen und brechen umgedeutet wurde. Kurz: dieses Sammelsurium es erst soweit gebracht hat, dass die Muslime ständig um ihre Rechte besorgt sind.

Besonderes Augenmerk verdient dabei der Grundgedanke dieses Forum, die über eine Weiterentwicklung "des Islams" sinnieren. Es ist schon erstaunlich, dass diese Gruppe den Islam als solches schon personalisiert haben, sprich daraus schon das Islamtum ausrufen, ein Pendant wie Judentum, Christentum... Das irrwitzige daran ist aber vor allem, dass diese "Muslime" die 1400-jährige Geschichte des Islams in 30 Jahren verstanden haben und besser umsetzen werden. All die Muslime zuvor, die den Islam zu verstehen versuchten, ihr Wissen weitergaben, sind null und nichtig. Vor allem aber die Punkte die man angehen bzw. als Sinnbild des "besseren Islams" benutzt, sind hochkarätige Sprengsätze in dieser schon von Islamophoben durchtränkten Gesellschaft. Es wird auch dadurch nicht besser, dass man die Religion von der Politik getrennt sehen will, aber genau von dieser maßgeblich unterstützt wird. In Wahrheit geht es nur um den Versuch, den bislang erzielten Fortschritt des Koordinierungsrates der Muslime zu untergraben. Denn der Staat hat in dieser Funktion gegenüber dem Koordinierungsrat an Glaubwürdigkeit verloren. 

Zur Zeit bezeichnen sie sich als Muslimisches Forum. Nicht-Muslime in Deutschland sind zu Recht verwirrt und verängstigt, weil jetzt, als ob die zig muslimischen Verbände, die innerhalb der Islamkonferenz ihre Rechte einforderten und ihre Pflichten unter Eid abgaben, gegenüber der Politik nicht genug geleistet hätten, auch noch Konkurrenz bekommen. Gefördert durch den KAS, gesponsert durch die CDU, unterstützt durch Nicht-Muslime und angeblich "richtige Muslime", wird es bestimmt neue Akzente innerhalb der Diskussion um den Islam und um die Muslime setzen.

 

Werbeanzeige