PKK in Syrien in Aufruhr: Ist Bahoz Erdal tot?

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PKK in Syrien in Aufruhr: Ist Bahoz Erdal tot?

Juli 10, 2016 - 15:23
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In Qamischli im Nordosten Syriens ist die Partei der Demokratischen Union (PYD) in Aufruhr. Mehr als 100 Personen wurden seit Freitagabend bei Razzien in und um Qamischli im Kanton Cizire verhaftet, nach dem eine syrische Rebellenbrigade den Tod von Bahoz Erdal meldete.

Nusaybin / TP - Im Gouvernement al-Hasaka im Nordosten Syriens nahe der türkischen Grenze ist laut Augenzeugenberichten die Lage beunruhigend, nach dem die Rebellenbrigade Tal Hamis in einem Bekennerschreiben erklärte, den Führungsmitglied der PKK aus Syrien mit dem Kampfnamen "Bahoz Erdal" getötet zu haben. Seit dieser Meldung am Freitag soll im Gouvernement al-Hasaka aber vor allem in der Grenzstadt Qamischli die Partei der Demokratischen Union (PYD) mit Hilfe ihrer "Asayis" unter der Führung der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) mehrere Dutzend Personen verhaftet haben. Türkische Medien gehen davon aus, dass die Verhaftungswelle in Qamischli ein Indiz dafür ist, dass die Tötungsmeldung der Wahrheit entspricht. Indes hat die YPG die Meldung von Freitag dementiert. Bahoz Erdal sei weiterhin im Einsatz, hieß es in einer ersten Mitteilung.

Laut der Meldung der Rebellengruppe Tal Hamis Brigade am Freitag, die der Sprecher der Gruppe Halid el Hasekavi am Samstag erneut bekräftigt hat, wurde Bahoz Erdal in der Nähe von Qamischli zusammen mit 8 weiteren Begleitern Freitag früh getötet. Hasekavi veröffentlichte hierzu eine Videosequenz, in der mehrere Fahrzeuge zu sehen sind, von denen einer explodiert. Darin soll sich auch das Führungsmitglied der PKK befunden haben. Die Rebellengruppe war bislang im Gebiet um Tal Hamis nach 2014 unauffällig oder inaktiv. Vor 2013 lieferte sich die Brigade Tal Hamis heftige Kämpfe mit der IS und der YPG. Der YPG unter dem politischen Arm der PYD warf die Gruppe vor, in arabischen und turkmenischen Siedlungsgebieten eine verbrannte Erde zu hinterlassen und so zu entvölkern. Ausserdem warf die Rebellengruppe die aus der Region Tal Hamis stammt, der YPG vor, mit dem Assad-Regime zusammen zu arbeiten. Erst Anfang 2014 war eine Offensive der YPG in Richtung Tal Hamis im Süden von Qamischli gescheitert. Beobachter aus Syrien berichteten, dass die YPG auf erheblichen Widerstand der örtlichen Bevölkerung, darunter der Tal Hamis Brigade gestoßen sei.

In türkischen Medien geht man inzwischen davon aus, dass die Tötung Bahoz Erdals nicht nur das Werk der Brigade ist, sondern der türkische Geheimdienst involviert sein könnte. Dem türkischen Geheimdienst MIT wurde in der Vergangenheit der Vorwurf gemacht, im In- wie Ausland nicht effektiv zu sein. Nach grundlegenden Veränderungen im Führungsstab in den letzten 2 Jahren, so vermuten Experten, könnte die Tötung Bahoz Erdals ein erstes Indiz dafür sein, dass die MIT ihre Aufgaben wieder wahrnimmt. Ende 2015 hatte die türkische Regierung die MIT ermächtigt, die drei Führungsmitglieder der PKK Tod oder lebendig zu fassen. Ausserdem wurde ein Maßnahmepaket verabschiedet, in der u.a. hohe Belohnungen für Informationen oder Hinweise zu PKK-Mitgliedern ausgesprochen wurden. Bislang wurden solche Aufträge der Regierung an die MIT nicht offiziell verlautbart. 

Bahoz Erdal der unter dem bürgerlichen Namen Fehman Hüseyin aus Syrien stammt, gilt trotz interner Streitigkeiten mit Duran Kalkan und Murat Karayilan zur Top-Führungsriege der PKK. Erdal gilt auch als der militantere der drei PKK-Führungsmitglieder. Ihm wird zugeschrieben, die militante kurdische Terrororganisation TAK gegründet zu haben, die für zahlreiche Terroranschläge in der Türkei verantwortlich gemacht wird. Ausserdem soll Erdal für die Entführung der drei Deutschen Begrsteiger verantwortlich sein, die Mitte 2008 in der Nähe des Berg Ararats von einem Kommando der PKK verschleppt und 2 Wochen lang festgehalten wurden.

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