Syrische Christen stehen unter dem Druck der "Kurdifizierung"

Lesezeit
1 Minute
Gelesen zu

Syrische Christen stehen unter dem Druck der "Kurdifizierung"

Februar 15, 2016 - 09:04
Kategorie:
0 Kommentare

Nur wenige syrische Christen wagen es, die anhaltende "Kurdifizierung" zu erwähnen, sie sogar öffentlich zu verurteilen. Hilfe können Sie nur noch von Exil-Syrern erwarten.

Die Anschuldigungen der christlichen Syrer wiegen schwer, seit bei einem Feuergefecht in der nordsyrischen Stadt Qamishli ein Milizionär der aramäischen Schutzeinheit "Sootoro" durch YPG-Kämpfer getötet und weitere verletzt wurden. Der Vorfall ereignete sich am 11. Januar in der syrischen Grenzstadt Qamishli gegenüber der türkischen Grenzstadt Nusaybin. Laut unterschiedlichen Meldungen hatte eine YPG-Einheit an einem Checkpoint vor dem überwiegend von Christen bewohnten Viertel al-Wusta unerwartet das Feuer auf die wachhabenden Milizionäre eröffnet und dabei einen aramäischen Milizionär getötet. Bei dem Vorfall wurden weitere christliche Milizionäre der Schutzeinheit "Sootoro" verletzt. 

Der Vorfall reiht sich in eine Kette von mehreren Angriffen gegen überwiegend von Christen bewohnten Gebiete. Erst kurz zuvor hatte ein Bombenanschlag im selben Viertel 13 Christen das Leben gekostet, woraufhin ein Checkpoint errichtet wurde. Die kurdischen Volkseinheiten (YPG) forderten jedoch die christlichen Milizionäre auf, den Checkpoint aufzugeben. Seitdem ist die Lage angespannt, nicht zuletzt auch durch eine Mitteilung von 16 christlichen Organisationen, in der die Kurdifizierung des Nordosten Syriens durch den politischen Arm der YPG, der PYD, verurteilt wird. Auch andere Ethnien in dieser Region berichten derweil von angriffen auf Sie, darunter Araber und Turkmenen.

Laut ihren Angaben ist die gewaltsame Auflösung von Schutzeinheiten, die Vertreibung sowie Zerstörung bzw. Inbesitznahme von Eigentum an der Tagesordnung. Begründet werden solche Aktionen u.a. mit einem Gesetz der kurdischen Übergangsregierung der PYD. Darin wird geregelt, wie die kurdische Selbstverwaltung Grundeigentum, Barvermögen und Fahrzeuge von geflohenen Syrern auf dem Gebiet der Selbstverwaltung unter ihre Kontrolle bringt. Angeblich geht es in dem Gesetz darum, diese Vermögen unter Schutz zu stellen. In Wahrheit, so berichtet u.a. Kurdwatch, gehe es darum, Eigentum zu sichern und unter kurdische Verwaltung zu bringen. Die geflohenen Syrer hätten kaum Chancen, nach ihrer Rückkehr je an ihr Hab und Gut heranzukommen, da eine Klausel nur sehr kurze Karenzzeiten anerkenne. So fiele das Eigentum an priviligierte Kurden.

Oppositionskräfte in Syrien beklagen zudem eine verschärfte Gangart der PYD gegenüber Journalisten, darunter die Zensur von Nachrichten bis hin zu Entführung, Folter und Ermordung von Journalisten, die über Vorfälle in Zusammenhang mit der YPG bzw. PYD berichten. Genauso ergeht es aber auch oppositionellen Gruppen und Parteien. Sie würden an ihrer Arbeit gehindert, Mitarbeiter, Aktivisten oder Politiker entführt, gefoltert oder gar getötet werden. 

Die im Westen als staatenlose Volk betrachteten Kurden erhalten zudem mehr mediale Aufmerksamkeit, zumal sie als wertvolle Verbündete des Westens gegen die ISIS verklärt wurden, beklagt u.a. der aramäische Verband in Deutschland. Christliche Organisationen aus Syrien aber auch Exil-Syrer in Europa betrachten die Strategie der kurdischen PYD als anhaltende Kurdifizierung des Nordosten Syriens. 

Werbeanzeige