Türkei an die EU: „Wir sind hier nicht auf dem Bazar!"

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Türkei an die EU: „Wir sind hier nicht auf dem Bazar!"

Oktober 17, 2015 - 20:22
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Kaum war der Flüchtlingsgipfel in Brüssel letzte Woche vorüber, da meldeten bereits die ersten europäischen Medien, mit der Türkei wäre eine Grundsatzentscheidung in der Flüchtlingsfrage unter Dach und Fach.

Die Ernüchterung kam schnell, erreichte aber noch nicht alle. Nur für wen, darüber streiten sich die Geister. Der Gartenlaubenbesitzer, der es mit der Angst zu tun bekommt und schon mal NATO-Stacheldraht bestellt hat, bevor die türkischen Drahtwerke in Berlin die Produktion einstellen?! Oder die Bundesregierung, die jetzt schon überlegt, welche Bunkerstätte man vor dem Galgen bewaffnetem Lnychmob aufsucht, wenn die Kacke am dampfen  ist?!

Kaum war der Flüchtlingsgipfel in Brüssel letzte Woche im Beisein des türkischen Staatspräsidenten Erdogan beendet, da waren bereits erste europäische Medien dabei, die Fortschritte über die Flüchtlingskrise euphorisch mitzuteilen. Im Gleichklang erklärten fast alle Medien, es habe eine Einigung gegeben. Zahlen wurden genannt, mögliche Erleichterungen der EU gegenüber der Türkei erläutert und vor allem, wann diese greifen werden, müssen, sollten. Am besten noch gestern; diesen Eindruck konnte man jedenfalls gewinnen, auch durch die Befürworter Seehofer und Konsorten, die sich der konjukturellen Lage sehr schnell anpassen konnten.

Staatpräsident Erdogan, der in der Türkei angekommen, seine Eindrücke über den 4-stündigen Marathongipfel wiedergab, muss wohl geahnt haben, was Zahlen und Zugeständnisse in der gegenwärtigen Situation für eine Bedeutung in der türkischen Gesellschaft haben. Sehen wir es so: die "konjukturelle" Lage hat sich grundlegend verändert. Es gab da mal vor kurzem eine Türkei, die ein Spielball der EU war. Was hatten die Türken nicht alles auszubaden! Der "erste Genozid des Jahrhunderts" war nicht die Akte "Herero" sondern "Armenier". Es spielte dabei keine Rolle, welche Akte zuerst erstellt wurde, sondern wer das Sagen hatte. Jetzt stellen wir mit Erstaunen fest,  wie der Bundestag eine brandaktuelle Bundestagsresolution einfach so mal ad acta legt. Keine Sorge, die Resolution wird irgendwann dennoch kommen, nur nicht jetzt in dieser heiklen Ära, in der Deutschland und Europa sich nun befinden. Sollte es sich wiedererwarten stabilisieren, wird diese Resolution zur Armenier-Frage erneut zur Entscheidung dem Bundestag vorgelegt werden und sicherlich nicht einfach mal so in einer Schublade landen. 

Da fragt man sich insgeheim, welchen Wert denn diese Resolution zu einem wirklich tragischen Ereignis haben könnte! Als ein Armenophiler müsste man dem Bundestag für so eine Entscheidung in den allerwertesten treten. Aber diejenigen nehmen alles was politisch instrumentallisiert werden kann mit Handkuss, was auch nach mehr als 100 Jahren verständlich ist. 
Zurück zum Thema: Erdogan, angekommen in Ankara, teilte die Sorgen und Nöte der EU mit den türkischen Medien; als ob die es nicht schon zuvor erahnen konnten. Kurz danach kamen schon die ersten Kommentare: „Wir sind hier nicht auf dem Bazar!", "Gebt Ihnen € 3 Milliarden und die Flüchtlinge mit" oder "Unverschämtheit - Sachleistungen gegen Flüchtlinge?".

Sie werden mir zustimmen, dass das Feilschen uns im Blut liegt, aber geschenkt wollen wir nun auch nix. Lieber halten wir uns an Paulus von Tarsus, der sagte: "Geben ist seliger denn Nehmen". Und da wir ja noch in Sachen Demokratie, Menschenrechte und EU-Sozialisation noch einiges aufholen müssen - darüber klärt uns die EU-Gemeinschaft ja kostenlos und verbindlich auf - erklären fast alle türkischen Medien einhellig:  "Er hat es euch allen gezeigt, daß man also arbeiten müsse und die Schwachen aufnehmen und gedenken an das Wort des HERRN Jesus". Nun, erschwerend kommt auch noch hinzu, wenn man die Islamdebatte und diesen Satz in Zusammenhang bringen will und in Deutschland nahezu perfekt beherrscht, dass unser Gott ja laut manch eines Kritikers oder Kirchenklerikers, Allah und Gott nicht das selbe sind. Deshalb überlässt die Türkei der christlichen Wertegemeinschaft, wie sie an das Wort Jesus gedenken wollen. Was versprach einst Helmut Kohl?  Die „geistig-moralischen Wende“!  Vielleicht mit der Neubesetzung der Krippen mit Flüchtlingen, da ja Weihnachten vor der Tür steht?

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