PKK-nahe Gruppe bekennt sich mit Fotomontage zum Terroranschlag

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PKK-nahe Gruppe bekennt sich mit Fotomontage zum Terroranschlag

Februar 19, 2016 - 23:49
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Die PKK-nahe kurdische Terrorzelle TAK hat sich in ihrer Internetseite zum Autobombenanschlag bekannt, verwendet aber unerklärlicherweise eine Fotomontage zum Selbstmordattentäter.

Ankara / TP - Der PKK-Ableger TAK (Freiheitsfalken Kurdistan) hat sich zwar in einer heute auf ihrer Internetpräsenz veröffentlichten Erklärung, zum Autobombenanschlag in Ankara bekannt, verwendet aber wie aus türkischen Kreisen zu erfahren ist, unerklärlicherweise eine Fotomontage mit dem Abbild des angeblichen Selbstmordattentäters. Die Fotomontage auf der Internetpräsenz der TAK wurde bekannt, nachdem ein türkischer Staatsangehöriger sich auf dem Bild der Erklärung der TAK widererkannte. Wie Sicherheitskreise daraufhin mitteilten, habe man die Fotomontage ebenfalls bemerkt. Experten befürchten, dass die TAK den Terroranschlag in Ankara aus taktischen Gründen für sich vereinnahmt, um Imageschaden an der PKK und PYD, aber insbesondere von der YPG abzuwenden. Die YPG wird seit der Rückeroberung von Ain al-Arab (Kobane) und zurückdrängen des Islamischen Staates (ISIS) aus Teilen Nordsyriens, vom Westen bevorzugt als Verbündeter Partner angesehen und mit Waffen beliefert.

Türkische Sicherheitskreise hatten einen Tag nach dem Terroranschlag unter Berufung auf unumstößliche Informationen und Beweise den Terroranschlag dem bewaffneten Arm der syrischen "Partei der Demokratischen Union" PYD, der YPG zugeordnet. Die türkische Regierung warf daraufhin der YPG als ausführende Gewalt und der PYD sowie der Terrororganisation PKK als übergeordnete Organe vor, den Terrorakt  angeordnet zu haben. Noch am späten Mittwochabend widersprachen die PYD sowie die PKK energisch. Jedoch gab am Donnerstag das PKK-Gründungsmitglied Cemil Bayik in einem Interview gegenüber der kurdischen Nachrichtenagentur FNA bekannt, das es unter Umständen eine Rache- und Vergeltungsaktion junger radikalisierter Kurden sein könnte. Am heutigen Tag bekannte sich dann die TAK zum Terroranschlag von Mittwoch. 
Die TAK selbst weisen darauf hin, dass sie sich aus ehemaligen Mitgliedern der PKK sowie jungen Kurden rekrutieren. Die Vorgehensweise der militanten HPG halten die TAK für nicht weitgehend genug. Als übergeordnete Organisation hat die Terrororganisation PKK im Wandel der Zeit Ableger organisiert und gegründet. Die offiziellen Organe werden dabei unter einem Dach, der KCK (Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistan), vereint. Ableger sind u.a. die PYD die im Jahre 2003 auf Beschluss der PKK gegründet wurde und in Syrien politisch aktiv ist. Zum Schutz dieser Gebiete gründete die PYD selbst am 26. Oktober 2011 die Volksverteidigungseinheiten (YPG). Die PJAK (Partei für ein Freies Leben in Kurdistan) ist ein weiterer Ableger der PKK, die im Iran aktiv ist und 2004 gegründet wurde. Darüber hinaus wurde auch die HPG (Volksverteidigungskräfte) von der PKK durch die Umbenennung der "Volksbefreiungsarmee Kurdistans" gegründet. Die jüngsten Organisationen der PKK sind die TAK und seit der Wiederaufnahme von Friedensgesprächen im Jahre 2013 durch die Türkei, die YDG-H (Patriotisch revolutionäre Jugendbewegung) die in den südöstlichen Städten der Türkei organisiert und bewaffnet wurden, gegenwärtig ganze Stadtviertel vermimen, Bombenanschläge verüben und die Staatsmacht bei der Wiederherstellung der Ordnung angreifen.

Diese Organisationsstruktur erlaubt es der Mutterorganisation PKK, radikale Ziele über die militanten Organisationstrukturen, politische Ziele über progressive Parteien verfolgen zu lassen. So kann die PKK mehrere Vorteile vereinen. Erfolge können von der Mutterorganisation vereinnahmt und politisch wie gesellschaftlich instrumentalisiert werden. Hingegen werden Negativschlagzeilen über Ableger im Kern von sich gewiesen, jede Mitschuld als autonome Handlung der jeweiligen Organisationsstruktur abgetan oder strikt jede Mitverantwortung von sich gewiesen. 

Besonders die TAK passt in das Portfolio der PKK, denn ihre Anschlagsziele gelten insbesondere dem Tourismus, dem wichtigsten Wirtschaftszweig der Türkei. Ausserdem kann die PKK einen Imageschaden von vornherein ausschließen, da ein Terroranschlag konsequenterweise auch Zivilisten, aber möglicherweise auch westliche Touristen treffen kann, wie es in der Vergangenheit mehrmals vorkam.
 

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