Warburg: Polizei-Einsatz in Flüchtlingsheim eskaliert

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Warburg: Polizei-Einsatz in Flüchtlingsheim eskaliert

März 19, 2016 - 01:25
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Die grandiose Idee, eine mutmaßlich sexuell belästigte Alleinerziehende syrische Frau aus dem Flüchtlingsheim zu verlegen war bereits mit der Entscheidung durch die Stadt zum scheitern verurteilt.

Dortmund/TP - Das WDR-Magazin Westpol ist nach eigenen Recherchen auf einen Polizeieinsatz vom 9. März im nordrheinwestpfälischen Warburg-Dössel gestoßen, bei der die Polizei mit verbalen und körperlichen Zugriff eine alleinerziehende syrische Mutter mit drei Kindern aus einem kommunalen Flüchtlingsheim zu verlegen versuchte. 

Der Einsatz soll laut WDR mit einem Handy aufgenommen worden sein, in der zu sehen ist, wie ein Polizist erst verbal droht und dabei sagt: "Wenn sie nicht mitkommt, leg ich sie in Ketten und zerre sie raus. Ist mir scheiß egal. Ich habe keine Zeit und keine Lust. Ich bin auch nicht ihr Freund ...., ist mir auch scheißegal, ob da ein Kind ist, das packe ich auch in Ketten." Gleichzeitig ist zu sehen, wie ein weiterer Beamte den 12-jährigen Sohn festhält und der andere Beamte die Mutter umstößt. Laut Westpol sollen mehrere Augenzeugen den Vorfall bestätigt haben. Anschließend wird die Mutter mit den drei Kindern in den Mannschaftswagen gezerrt und in ein anderes Flüchtlingsheim gebracht.

Laut der Staatsanwaltschaft Paderborn, wurde die syrische Mutter im Flüchtlingsheim wohl von einem Mitbewohner sexuell belästigt. So jedenfalls die Aussage der syrischen Frau. Die Stadt entschied daraufhin, die Familie in ein anderes Flüchtlingsunterkunft einzuquartieren. Aber entgegen der Erwartung, dass der mutmaßliche Täter, der damit beschuldigt wird, in einen anderen Ort zu bringen, entscheidet sich die Stadt Warburg, die Familie zu verlegen. Es kommt dann was kommen muss. Die Familie will nicht verlegt werden, der Streit darum eskaliert und die hinzugezogenen Polizeibeamten haben weder die Lage, noch sich selbst unter Kontrolle.

Die Staatsanwaltschaft Paderborn hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und prüft, ob und inwieweit den am Einsatz beteiligten Polizisten ein strafrechtlicher Vorwurf zu machen ist. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) teilte unterdessen mit: "Nichts wird unter den Teppich gekehrt." Jäger fügte hinzu: "Die in dem Video dokumentierten verbalen Entgleisungen sind nicht akzeptabel." Es sei Aufgabe jedes Polizisten, "auch in problematischen Einsatzsituationen stets die Lage und sich selbst im Griff zu haben".

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