TGB zieht nach Mazyek-Vergleich nach - Muslimisches Forum kontert

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TGB zieht nach Mazyek-Vergleich nach - Muslimisches Forum kontert

April 21, 2016 - 23:18
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Die Äußerungen aus der "Alternative für Deutschland" (AfD) über die Unvereinbarkeit von Islam und Grundgesetz riefen entsprechende Empörung hervor. Jetzt zieht nach dem Zentralratsvorsitzenden der Muslime, Aiman Mazyek, auch die Türkische Gemeinde zu Berlin nach. Nur das "Muslimische Forum in Deutschland" legt sich quer.

Berlin/TP - Der Zentralrat der Muslime hatte die Äußerungen der AfD scharf kritisiert und den gegenwärtigen Kurs mit "Hitler-Deutschland" verglichen. Das erste mal nach Hitler-Deutschland gebe es wieder eine Partei, die eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiere, sagte der Vorsitzende Aiman Mazyek. Unterstützt wird dieses vernichtende Urteil des Zentralrats der Muslime nun auch von der Türkischen Gemeinde zu Berlin. In einer Stellungnahme bezeichnete die Berliner Gemeinde die Äußerungen als absurd und fern jeglicher Realität.

Wir haben lange überlegt, ob wir zu diesem Thema eine Stellungnahme abgeben. Denn die Erklärungen der AfD sind absurd und fern der Realität. Nicht der Islam, sondern ihre Äußerungen sind nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.
Es ist allgemein, auch für einfach Denkende bekannt, dass jede Religion politisch-ideologisch missbraucht werden kann. Die Geschichte der Kreuzzüge lehrt uns, dass auch die abendländisch-christliche Religion nicht davon verschont blieb. Nicht anders verhält es sich mit den Menschen, die den Islam für ihre Propaganda benutzen.

Die AfD verkenne die Realität, wenn sie die in Deutschland lebenden 4,5 Millionen Muslime mit populistischen Äußerungen diskretiere. Sie würden seit jeher friedliche mit der Mehrheitsgesellschaft seit über 55 Jahren zusammenleben. Die Mehrheitsgesellschaft müsse vielmehr zeigen, ob sie eine bessere Zukunft im Interesse Deutschlands gemeinsam mit den Muslimen anstrebe, so die TGB.

Unterdessen erhebt ein Gründungsmitglied des "Muslimischen Forums Deutschland" Einspruch gegen die Äußerungen von Aiman Mazyek und stellt den Vertretungsanspruch des Zentralrats der Muslime in Frage. In einem Interview erklärte das Gründungsmitglied und ZDF-Redakteur Abdul-Ahmad Rashid, das er sich von den Äußerungen Aiman Mazyeks distanziere. Der Zentralrat spreche längst nicht mehr für alle Muslime in Deutschland.

Abdul-Ahmad Rashid, Mouhanad Khorchide, Erdal Toprakyaran, Handan Aksünger, Lamya Kaddor, Marwan Abou Taam, Ralph Ghadban, Abderrahmane Ammar, Güner Yasemin Balci, Aladdin Sarhan, Cigdem Toprak und Ali Yildiz sind die Gründungsmitglieder des "Muslimischen Forums Deutschland", die mit der Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) ins Leben gerufen wurde.

"Einzigartig ist die ethnische und religiöse Vielfalt des Forums. So zählen neben Sunniten und Schiiten auch Aleviten, Yeziden und christliche Unterstützer zu den Teilnehmern des Forums. Sie treten für Demokratie und Menschenrechte ein und möchten der Mehrzahl der in Deutschland lebenden und bisher nicht vertretenen Muslime Gehör verschaffen", heißt es in der KAS zu der Neugründung, die vor genau einem Jahr erfolgte. Aber seither hat das Forum nicht nur Startschwierigkeiten, sie ist entgegen der Zuversicht der Gründer, weit davon entfernt, die Schicht anzusprechen, die sie im Visier hat. Die jungen Muslime. Und die sind nicht leicht zu überzeugen, zumal unter den Gründungsmitgliedern "Persönlichkeiten" auftauchen, die in der Vergangenheit kein gutes Wort über den Islam oder die Muslime im Land übrig hatten. Ein weiterer Grund dürften die hochgesteckten Ziele sein, sich als Muslime in Deutschland zu präsentieren, ohne "wenn und aber" zur Demokratie und Menschenrechten zu bekennen. Irgendwie scheint diese Selbstdarstellung bei vielen die Fragen aufzuwerfen, ob man denn den "anderen" Muslimen und Verbänden die Eigenschaften abspricht.

Aber vielleicht kommt der Konter des Gründungsmitglieds Rashid nicht von ungefähr. Vor knapp einem Jahr hatte Aiman Mazyek nicht viele Worte für die Neugründung gefunden, nur das: "Wenn die Konrad-Adenauer-Stiftung beabsichtigt hat, hier eine Religionsgemeinschaft zu gründen, ist das bar jedes deutschen Rechtsverständnisses“, sagt der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek. Über die Nähe zur KAS, die wiederum eine Nähe zur CDU hat, ist man im "Muslimischen Forum Deutschland" wohl selbst nicht so glücklich. Kurz nach der Veröffentlichung der Internetseite löschte man alle Hinweise, die die KAS betreffen. Nur auf der Internetseite der KAS ist noch zu erkennen, wessen Geiste das Forum entsprang - zumindest wittern Kritiker diese Vermutung.

Man muss aber nicht soweit ausholen. Das Forum selbst ist so bunt wie das Repertoire der Gründungsmitglieder selbst, die an den Muslime, dem Islam, den Migranten kein gutes Haar übrig ließen. Ein Ali Yildiz (Christlich-Alevitischer Freundeskreis der CDU) war so frei, sich als Redner für das „Erster Großer Konservativen Kongress“ am 7. Mai 2011 in Berlin zur Verfügung zu stellen - inmitten eines konservativen Blocks, dessen Redner und Unterstützer der "Aktion Linkstrend stoppen" keinen Hehl daraus machten, wie sie zu einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft gegenüber stehen. Da fragt man sich schon, wie es mit dem Humanismus und Demokratieverständnis der Gründungsmitglieder selbst steht.

Es wird aber noch bunter...  die Journalistin Güner Balci, die 2011 zusammen mit dem ehemaligen Berliner Finanzsenator und selbsternannten Migrationsforscher Thilo Sarrazin in Begleitung eines Kamerateams nach Berlin-Kreuzberg loszog, um in einer Expedition "In die Höhle des Löwen" zu begeben. Wer die Journalistin kennt, weiß, dass die Beiträge einen dermaßen reißerischen Reportagestil haben, dass die deutschfeindliche Schulklasse in Berlin mit vorgehaltener Kamera in Zusammenhang mit dem Engagement des Forums für "das friedliche Zusammenleben" geradezu lächerlich wirkt. Das Projekt eines deutschen Islam wird tatsächlich eine sehr lange Zeit in Anspruch nehmen, zumindest zwei Generationen, damit diese Vorkommnisse vergessen werden.

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