Türkische Gemeinde Berlin fordert unabhängige Bewertung

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Türkische Gemeinde Berlin fordert unabhängige Bewertung

März 25, 2016 - 23:38
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Die Türkische Gemeinde zu Berlin will mit einer Online-Petition den Deutschen Bundestag dazu aufrufen, die Geschehnisse von 1915 im Osmanischen Reich neutralen Stellen und Historikern zu überlassen.

Berlin/TP - Wie im Vorjahr richtet sich der Appell des Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde zu Berlin (TGB e.V.) erneut gegen die politische Vereinnahmung der Geschehnisse von 1915 im Osmanischen Reich. Jedes Jahr wird am 24. April an den angeblichen Völkermord der Armenier nicht nur in vereinzelten Gesellschaftsschichten, sondern auch politischen Kreisen daran gedacht. Dagegen sprich sich der Vorsitzende Bekir Yilmaz aus und fordert den Bundestag in einer neu angestoßenen Online-Petition auf, die Historiker beurteilen zu lassen, was während des Ersten Weltkriegs im Osmanischen Reich wirklich passierte. 

Die TGB hatte bereits 2015 an einer Gegendemonstration in der Nähe der Siegessäule teilgenommen, wo u.a. auch die DITIB Berlin, das Talat Pasa Komitee, das Koordinationszentrum der Aserbaidschaner in Deutschland e.V. und die UETD aufgerufen hatten. Die Türkische Gemeinde Deutschland hatte sich dagegen ausgesprochen und die Teilnahme verweigert.

In einem Monat, also am 24. April jährt sich laut armenischer Lesart der "Völkermord" an den Armeniern im Osmanischen Reich zum 100´ten male. Für Armenier ein denkbar großer Jahrestag. Jedoch, laut türkischer Lesart befand sich das Osmanische Reich mitten im Ersten Weltkrieg, als sie eine überwiegende Mehrheit der Armenier im Reich in Richtung Syrien verschickte, andere von sich aus flohen und dritte, die in den Reihen der Allierten kämpften. 

Die Debatten im Bundestag haben eine neue Qualität erhalten, nach dem während des EU-Türkei-Gipfels die Grünen zusammen mit der Fraktion eine entsprechende Erklärung zu den Geschehnissen vorerst in die Schublade legten. Mit einer Kampfansage hatte der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir den Entwurf der Erklärung und die Verabschiedung durch das Parlament noch vor dem 24. April angekündigt, jedoch erneut vertagen lassen, nach dem bekannt wurde, dass der EU-Türkei-Gipfel ohne Ergebnisse beendet wurde. Kritiker werfen dem Bundestag deshalb vor, das Urteil aus politischem Opportunismus heraus verzögern zu wollen. Bereits im Vorjahr scheiterte der Entwurf zur "Anerkennung des ersten Völkermords des Jahrhunderts" am politischen Durchsetzungswillen. Daher ruft der Vorsitzende der TGB die Bürger jetzt erneut auf, diesem Treiben ein Ende zu bereiten und die Geschichte durch Historiker selbst beurteilen zu lassen.

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