Syrien: PYD führt getötete FSA-Kämpfer vor

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Syrien: PYD führt getötete FSA-Kämpfer vor

April 28, 2016 - 21:36
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Im Nordwesten Syriens wurden nach einem Gefecht zwischen Rebelleneinheiten der Freien Syrischen Armee und YPG-Einheiten mehrere Dutzend Kämpfer getötet. Die Leichen der getöteten FSA-Kämpfer wurden durch den politischen Arm der PYD in Afrin der Bevölkerung vorgeführt.

Afrin/TP - Fragwürdige Szenen spielten sich am Donnerstag auf den Straßen von Afrin ab. Ein LKW mit einem Tieflader fuhr in Begleitung eines Konvois und Schaulustiger durch die von der PYD besetzten Stadt Afrin, im Nordwesten des Landes im Gouvernement Aleppo. Auf dem Tieflader selbst etwa 60 getötete Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA). Der Konvoi wurde von jubelnden Einwohnern der mehrheitlich von Kurden bevölkerten Stadt empfangen.

Zwischen der YPG, dem bewaffneten Arm der kurdischen "Partei der Demokratischen Union" (PYD) sowie syrischen Rebelleneinheiten der FSA soll es laut Meldung im Norden der syrischen Stadt Tall Rifaat seit Mittwoch zu Kampfhandlungen gekommen sein. Über 60 getötete Rebellenmilizen wurden durch die YPG/PYD in die Stadt Afrin mit einem LKW transportiert und anschließend in den Straßen vorgeführt. Schaulustige begleiteten den Konvoi, Menschen schossen vor dem offenen Leichentransport Selfies und veröffentlichten es zahlreich in sozialen Netzwerken. Laut Meldungen wurden bei den Kämpfen mehr als 80 Rebellen getötet.

Unter den getöteten Kämpfern der FSA sollen laut Meldung der syrischen Basnews sowie einer syrischen Beobachtungstelle, Mitglieder der islamistisch-salafistischen Rebellenmiliz Ahrar al-Sham, der gemäßigten Islamistenmiliz Al-Sham Brigade, der turkmenischen Sultan Murad Brigade und der kurdischen Liwa Ahfad Saladin sein. Im Verlauf des syrischen Bürgerkriegs übernahm im Juni 2012 die kurdische Partei PYD die Kontrolle über Afrin. Sunnitische, turkmenische und kurdische Milizen werfen der PYD seit langem vor, nicht die Interessen der Syrer zu verfolgen, sondern einen Staat auszurufen und sich von Syrien abzuspalten. Ausserdem versuche die PYD laut der FSA, angestammte Einwohner anderer Minderheiten oder Bevölkerungsteile zu vertreiben oder zu massakrieren. Die Freie Syrische Armee (FSA) ist eine besonders von einem Teil der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit Syriens getragene bewaffnete Oppositionsgruppe, wird aber auch von turkmenischen, kurdischen und arabischen Milizen unterstützt.

Laut einer Meldung der Menschenrechtsorganisationen Kurdwatch soll die YPG erneut Minderjährige rekrutiert haben. Anfang April 2016 sollen die Volksverteidigungseinheiten (YPG) der Partei der Demokratischen Union (PYD) den sechzehnjährigen Alan Fayiz Daqori rekrutiert haben. Er stammt aus dem zwischen ʿAmuda und al‑Qamischli liegenden Dorf Briva. Mehrere Gesuche der Familie, den Jugendlichen zurückkehren zu lassen oder ihn treffen zu können, wurden abgelehnt. Die YPG begründete diese Entscheidung damit, dass Daqori sich der YPG freiwillig angeschlossen habe. Recherchen der Familie zufolge befindet er sich derzeit in einem Ausbildungslager der YPG nahe ad‑Darbasiya. Das "Europäischen Zentrums für Kurdischen Studien" hatte die "Partei der Demokratischen Union" (PYD) in Nordsyrien erst vor zwei Wochen dazu aufgerufen, die Zwangsrekrutierung sowie den Einsatz von Kindersoldaten zu unterlassen. Die Aktion wurde auch von Mitgliedern des EU-Parlaments unterstützt.

In einer weiteren Meldung wirft man der PYD ausserdem Einschüchterung von Oppositionsgruppen und Parteien vor. Am 23. April 2016 sollen Mitarbeiter des Asayiş, des Sicherheitsdienstes der Partei der Demokratischen Union (PYD), die Parteibüros der Kurdischen Einheitspartei in Syrien (Yekîtî) sowie der Demokratischen Partei Kurdistans – Syrien (PDK‑S) in Tall Tamr versiegelt haben. In Al-Qahtaniya wurden bei einer Demonstration von PYD-Sympathisanten der Kurdische Nationalrat, darunter die Demokratische Partei Kurdistans–Syrien (PDK‑S) und die Kurdische Einheitspartei in Syrien (Yekîtî) als Verräter bezeichnet. Seit längerem herrscht in den PYD-besetzten Gebieten eine regelrechte Hetzjagd gegen Oppositionelle sowie Medien.

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