Gladbeck: Wenn türkische Haltung sich als hartnäckig erweist

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Gladbeck: Wenn türkische Haltung sich als hartnäckig erweist

Juli 03, 2016 - 20:58
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Weil von insgesamt 46 Ratsmitgliedern von Gladbeck 3 Türkischstämmige ihre Haltung zur Armenier-Resolution nicht verbergen, werden sie nun angefeindet und unter Druck gesetzt. Der Rat erklärt, die Entscheidung des Bundestages beruhe auf Grundsätzen die in keinster Weise zu beanstanden seien. Ein Treppenwitz der Weltgeschichte?

Gladbeck / TP - Der Papst kann unfehlbar sein, der Bundestag aber nicht und 46 Ratsmitglieder von Gladbeck erst recht nicht. Dennoch wird gerade der Eindruck erweckt, man sei unfehlbar, die Türken im Land und türkischstämmige Ratsmitglieder in Gladbeck seien im Unrecht und hätten die demokratische Grund- und Werteordnung bedroht - mit Kritik versteht sich. Ein Treppenwitz der Stadtgeschichte in Gladbeck? Mittlerweile liest sich das in den Anträgen und Beschlüssen des Rates von Gladbeck so wie Mord und Totschlag und das hat auch einen Grund. Die "Störenfriede" der gleichgeschaltenen Doktrin sollen herausgemobbt werden. Grund: Die Forderung Metins an die Türkei, eine vorhandene doppelte Staatsbürgerschaft der elf türkischstämmigen Abgeordneten abzuerkennen. Gab es solche ähnlichen Forderungen gegenüber Türken nicht schon aus dem Bundeskanzleramt?

In ähnlicher Weise drückten viele Ratsmitglieder ihre Empörung aus, auch drei Mitglieder mit türkischen Wurzeln. „Blinder Nationalismus, plumper Populismus und fanatische Religiösität waren oft Ursache für Kriege“, mahnt Berat Arici (SPD). Er berichtet, dass Freunde für ihre Meinung zum Völkermord an den Armeniern („längst überfällige Erklärung“) beschimpft und mit Gewalt bedroht worden seien.

Ratsmitglieder fordern Mehmet Metin zum Rücktritt auf | WAZ.de 

Es geht um die Armenier-Resolution, die vom Bundestag am 2. Juni angenommen wurde und seither für hitzige Debatten sorgt. Auf der einen Seite Türken und Türkischstämmige, die die Entscheidung in Frage stellen und mit ihrer Kritik nicht zurückhalten. Auf der anderen Seite Befürworter, die den Bundestag vor den verbalenen Schmähungen in Schutz nehmen wollen und jedes Mittel legitim finden, die Gegner des Bundestags-Resolution mundtot zu machen. 

Einen Höhepunkt dieser Meinungsverschiedenheiten die landauf, landab für weiteren Zündstoff sorgt, war im Gladbecker Rathaus zu beobachten. Mehmet Metin, Ratsmitglied der Stadt Gladbeck soll zurücktreten. Metin hatte in sozialen Netzwerken die Entscheidung des Bundestages scharf verurteilt und auch hart kritisiert. Damit war er zwar nicht alleine, 3 weitere Ratsmitglieder türkischer Abstammung hatten ähnliche Ansichten vertreten, doch Metin ist seitdem das Ziel des gesamten Rates. Zwar gibt es weitere türkischstämmige Ratsmitglieder, einer davon hat die Gunst der Stunde ausgenutzt und teilt gegenwärtig gegen Metin aus.

Auch Müzeyyen Dreessen (CDU) berichtet, dass Gladbecker mit türkischem Pass Repressalien befürchteten, wenn sie offen ihre Meinung sagen würden. Zu Metin, der behauptet, Zuspruch aus der türkischen Community zu erhalten, sagt sie: „Ich distanziere mich ausdrücklich von Ihren Beleidigungen und spreche damit vielen türkischen Menschen aus der Seele“. Ayhan Askin (SPD) betont, dass der Vorfall zeige, wie wichtig die Integration sei.

Ratsmitglieder fordern Mehmet Metin zum Rücktritt auf | WAZ.de

Ein schwarzer Tag für Gladbeck, schreibt ein User unter dem Facebook-Account von Mehmet Metin, nicht zu Unrecht, denn diese Debatte hat das Klima nicht nur in Gladbeck wie die Armenier-Resolution vergiftet, sondern nachhaltig aufgezeigt, wer welche Interressen vertritt. Ein anderer User der einen Beitrag geteilt hat meint hierzu: "Eine Selbstverpflichtung der Ratsmitglieder die erneuert wird, nur weil die Armenier-Resolution von machen nicht geteilt wird? Das ist so als würde dich deine Frau nach jedem Streit jedesmal daran erinnern wollen, wer Herr im Haus ist. Nein danke!" Tatsächlich, ein Treppenwitz der Gladbecker Stadtgeschichte...

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