Türkische Gemeinde Berlin bekommt Unterstützung aus Köln

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Türkische Gemeinde Berlin bekommt Unterstützung aus Köln

April 04, 2016 - 23:43
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Die Beratung des Antrags der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vor dem Parlament über die Erinnerung und Gedenken an den angeblichen Völkermord an den Armeniern vor 101 Jahren, die auch beim zweiten Anlauf scheiterte, hatte die Türkische Gemeinde zu Berlin auf den Plan gerufen, eine Petition einzurichten. Jetzt hat sich auch Köln gegen den Antrag positioniert.

Köln/TP - Nach dem bereits aus Berlin Kritik gegen den Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN laut geäussert wurde, hat sich auch Köln positioniert und kritisiert ebenfalls den Antrag. Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hatte Ende Februar wie schon im Vorjahr im zweiten Anlauf versucht, vor dem Parlament über die Erinnerung und Gedenken an den angeblichen Völkermord an den Armeniern vor 101 Jahren zu debattieren und eine Annahme des Antrags durchzusetzen. Der Versuch scheiterte, auch weil im Hintergrund noch der EU-Türkei Gipfel im vollen Gange war.

Kurz danach hatte sich die Türkische Gemeinde zu Berlin (TGB) unter dem Vorsitz von Bekir Yilmaz zu Wort gemeldet und den Versuch der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN scharf verurteilt. Yilmaz forderte zugleich in einer Online-Petition die Bundesregierung auf, die historische Aufarbeitung internationalen Historikern zu überlassen und nicht innerpolitisch zu instrumentalisieren. 

Im Kern fordert der Berliner Vorsitzende Bekir, dass die Aufstellung einer Historikerkommission aus internationalen Historikern zwingend erforderlich ist, die den Sachverhalt gemeinsam erörtern. Aus einer Presseerklärung der TGB geht auch hervor, dass das türkische Volk seiner Verantwortung gerecht werde, wenn ein entsprechendes Ergebnis einer unabhängigen Komission vorlege.

Die Kritik und das anstoßen einer Petition hatte in Berlin für heftige Debatten gesorgt. In der BZ wurde Yilmaz unterstellt, er würde die Geschichte verleugnen und den Türken damit keinen Gefallen tun. Jetzt hat sich aber aus Köln ein Zusammenschluss von türkischen Vereinigungen zu Wort gemeldet, die den Versuch der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ebenfalls scharf verurteilen. Der Sprecher der "Plattform der Türkischen Vereine in Köln u. Umgebung" (KTDP) teilte mit, man habe den Antrag mit bedauern zur Kenntnis genommen und sehe darin eine einseitige und fehlerhafte Darstellung der Ereignisse. Der Zusammenschluss der aus ADD Atatürk Kultur- und Bildungszentrum Köln und Umgebung e.V., ATIB Union der Türkisch – Islamischen Kulturvereine Köln e.V., DITIB Islamische Religionsgemeinschaft NRW e.V., IGMG Islamische Gemeinschaft Milli Görüs e.V., TGB Türkische Jugendvereinigung Köln e.V., Türk-ÜniD Türkischer Studenten und Akademikerverein e.V., UETD Union of European Turkish Democrats-Köln e.V., USaP Akademisyenler Platformu e.V. und Dein Köln e.V. besteht, steht damit mit der Türkischen Gemeinde zu Berlin auf einem gemeinsamen Nenner.

Der Antrag werde nicht nur die deutsch-türkischen Freundschaft belasten so der Sprecher der KTDP, sondern auch keinen Beitrag zur Klärung der Ereignisse der Vergangenheit bringen. Man wünsche sich laut der Pressemitteilung einen gemeinsamen Konsens und keine konstruierte innerdeutsche Debatte. Ausserdem verurteilt man die Behandlung der armenischen Frage im schulischen Unterricht. Es sei völlig inakzeptabel, dass die türkischen SchülerInnen sich bei diesem Thema dadurch diskriminiert und ausgegrenzt fühlen.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland hatte im vergangenem Jahr mitgeteilt, dass der Begriff Völkermord ein juristischer Begriff sei und bislang noch immer kein Urteil eines internationalen Gerichtshofes, welcher diesen abschließend festgestellt hat, vorliege. Was die historische Bewertung angeht, plädiert auch die Türkische Gemeinde in Deutschland dafür, dass eine von allen Seiten akzeptierte unabhängige Historikerkommission sich der Sache widmet und für alle überzeugende Ergebnisse vorlegt, wonach alle Beteiligte sich richten.
 

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