Türkische Kriegsspiele? Audioaufnahmen über Syrien-Einsatz

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Türkische Kriegsspiele? Audioaufnahmen über Syrien-Einsatz

April 18, 2016 - 19:41
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Laut einem Bericht des Focus-Magazins, soll die Türkei Pläne erörtert haben, um einen Kriegseinsatz in Syrien zu provozieren. Das Audiomitschnitt, das erstmals im März 2014 in Youtube-Kanal veröffentlicht wurde, war kurz nach Erscheinen in der Türkei nicht mehr erreichbar. Die Regierung hatte den Youtube-Kanal in der Türkei zur Löschung der Inhalte gedrängt.

Ankara/TP - Ein Audiomitschnitt zwischen dem damaligen türkischen Aussenminister Davutoglu, Geheimdienstdirektor Hakan Fidan, dem stellvertretenden Generalstabschef Yasar Güler, Generalsekretär Feridun Sinirlioglu, erregt die politische Landschaft in Deutschland. Der Verteidigungspolitische Sprecher der SPD Rainer Arnold fordert sogar eine Aufklärung dessen durch die NATO. 

"Wenn sich bestätigt, dass er (Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan) sich damit auch nur beschäftigt hat, kann er für uns kein verlässlicher Partner mehr sein“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS). „Die Nato müsste dann mit Deutschland neu über den Sinn des Einsatzes an der Grenze zu Syrien nachdenken.“

Auch der Grünen-Aussenpolitiker Omid Nouripour sprach von einer absurden Vorstellung, deutsche Soldaten in die Türkei zu entsenden, während die türkische Regierung "verschwörische" Pläne schmiedet.

Doch der Audiomittschnitt entpuppt sich bei näherem hinhören als eine Erörterung der Lage im Zuge der Sicherung des Grabs von Suleiman Schah - höchstwahrscheinlich fand das Gespräch zwischen den Regierungsvertretern noch am 23. April 2014 statt, nach dem am 13. März 2014 die DAESH (Islamischer Staat) nach Kämpfen mit oppositionellen Milizen die Oberhand über umliegende Dörfer der Grabanlage erlangte und ein Memorandum veröffentlichte, in der der Abzug der türkischen Streitkräfte aus der Grabanlage gefordert wurde. Am selben Abend überquerte eine Militäreinheit die türkisch-syrische Grenze in Richtung Grabanlage. Auftrag der Militäreinheit: den Schutz der Anlage gegen die DAESH zu gewährleisten, in der zu der Zeit an die 28 türkische Soldaten zur Bewachung der Grabanlage abgestellt waren.

Das Grab liegt im heutigen Nordsyrien. Die ursprüngliche Position bei der Burg Qal'at Dscha'bar wurde 1974 bei einem Stauseeprojekt der Tabqa-Talsperre überflutet und das Grab deshalb rund 100 km nach Norden verlegt. Seit dem Vertrag von Ankara von 1921 war das Areal des Grabes bis 2015 unter türkischer Kontrolle. Das Gebiet und das Grab von Sulaiman Schah wurde rund um die Uhr von türkischen Soldaten bewacht und geschützt.

Im Bürgerkrieg in Syrien drohte die DAESH mit der Zerstörung des Grabes, was für die Türkei Grund gewesen wäre, in den Krieg einzugreifen. Am 23. April 2014 überquerte ein türkischer Militärkonvoi bestehend aus 300 Soldaten, sechs Panzern und mehreren gepanzerten Fahrzeugen die syrische Grenze, um das Grab zu schützen. Begründet mit dem Druck der DAESH-Miliz hatte die Türkei dann in der Nacht zum 22. Februar 2015 eigene Soldaten damit beauftragt, das Grabmal räumen zu lassen, um die sterblichen Überreste in den Ort Eschme innerhalb Syriens zu bringen. Die Grabanlage wurde von den Soldaten selbst zerstört.

In dem Audiomitschnitt wird u.a. erörtert, ob ein Eingreifen mit Panzern (um den DAESH-Vormarsch zu unterbinden) von Syrien und der Welt als Kriegseinsatz verstanden werden könnte. Darüber hinaus geht aus dem Gespräch auch deutlich hervor, dass die türk. Regierung darüber debattiert, wie man die oppositionellen Kräfte im Kampf gegen die DAESH unterstützt. Während eine Partei der Gesprächsrunde sich für Waffen und Munition ausspricht, erklärt eine andere Partei, es werde vor allem an Munition benötigt. Der damalige Aussenminister Davutoglu sieht dagegen eine verpasste Chance, die Oppositionskräfte zu einer Einheit zu bewegen. Der Geheimdienstchef Fidan erklärt desweiteren, das bereits über 2.000 LKW´s mit Material verschickt wurden (an die Oppositions-Milizen). 

Der Geheimdienstchef Fidan erklärt dabei auch, dass der Einsatz der türkischen Armee in Syrien auch eine Vorausplanung und eine entsprechende Koordination aller Kräfte erfordert (höchstwahrscheinlich wurde wegen dieser gravierenden Mängel der Einmarsch-Plan aufgegeben, stattdessen die Räumung der Grabanlage im Februar 2015 veranlasst). Ausserdem müsse auch klar sein, dass die Türkei ihre Grenze zu Syrien nicht mehr schützen könne und ein Einsatz in Syrien auch zu Terroranschlägen im innern führen könnte (DAESH). Darüber hinaus wird der Vormarsch der DAESH bis an die türkische Grenze als eine besondere Gefahr für die äussere wie innere Sicherheit gesehen.

In dem Gespräch erörtert Fidan auch, dass die Rechtfertigung für einen militärischen Einmarsch (Grabanlage) auch von ihm veranlasst werden könnte. Ausserdem werden auch die Gespräche mit den USA erörtert, die angeblich die Türkei darüber aufklären, dass die Grenz- und Staatssicherheit in den Händen der Türkei alleine liegen würde, dass die von der Türkei vorgeschlagene Flugverbotszone von den "Amerikanern" wieder "eingestampft" wurde. Man sei aber bislang nicht fähig gewesen, auch weil die Koordination zwischen den Ministerien, Militär und Geheimdienst nicht in dem Maße zum tragen komme. Dabei werden auch die Vorjahre erwähnt, in der die Türkei geradezu zur Untätigkeit gezwungen worden sei. Zu der Zeit Anfang 2014 wartete der Westen auf "Befehl" des US-amerikanischen Präsidenten Obama, um einen Militäreinsatz zu starten. Der Westen hatte bereits alle Vorbereitungen getroffen, um eine Intervention in Syrien zu beginnen.

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