Die Türkei reagiert auf NATO-Warnung

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Die Türkei reagiert auf NATO-Warnung

Februar 19, 2016 - 16:38
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Auf das Signal der NATO-Verbündeten, im Falle einer von der Türkei provozierten militärischen Auseinandersetzung mit Russland keinen Beistand leisten zu wollen sowie die Warnung der USA in Zusammenhang mit der YPG, wird von der Türkei empfindlich aufgenommen. Die Gegenreaktion bleibt nicht aus.

Nach dem der luxemburgische Aussenminister Asselborn stellvertretend für andere NATO-Länder die Türkei vor einer militärischen Eskalation mit Russland gewarnt hat, versteht man den Grund nicht, liegen in Ankara die Nerven blank. Asselborn hatte die Türkei darin indirekt gewarnt, bei einer von ihr provozierten militärischen Eskalation mit Russland den Beistand der NATO zu versagen. Die Türkei befindet sich mit ihrer Haltung gegenüber der PYD und ihrem bewaffneten Arm YPG zusehends isoliert. Das gilt auch innerhalb der NATO, deren Mitglied sie ist. Die syrischen Kurden werden als wichtiger Partner im Kampf gegen die Terrorgruppe IS angesehen.

Die stellvertretend ausgesprochene Warnung wird in Ankara perplex aufgenommen. Ihrer Meinung nach gebe es keinen Grund anzunehmen, die Türkei würde Pläne für eine militärische Eskalation mit Russland verfolgen und der Kampf gegen den Islamistischen Staat ist nach Meinung der Türkei auch ohne die YPG möglich, die innerhalb der syrischen Oppositionskräfte als vergleichbar kleine Kraft angesehen wird.

Die Erklärung durch den luxemburgischen Aussenminister folgt nur einen Tag nach einem Pressetermin im Weißen Haus, bei der John Kirby, Pressesprecher des US-Außenministeriums, der Türkei mitteilte, die kurdische Volksverteidigungseinheit YPG weiterhin zu unterstützen. Das türkische Aussenministerium sowie Ministerpräsident Davutoglu hatten die USA eindringlich aufgefordert, die Unterstützung der YPG zu unterlassen und sie wie die PKK als Gründerorganisation der YPG entsprechend terroristisch zu bezeichnen. 

Staatspräsident Erdogan gab hierzu am heutigen späten Nachmittag eine Erklärung ab. Darin bezeichnete Erdogan die Reaktionen der EU und USA gegenüber der PKK sowie ihrer Schwesterorganisation YPG ambivalent sowie als unglücklich und zutiefst beunruhigend. "Die Verweigerungshaltung uns in dieser Situation nicht verstehen zu wollen, verletzt uns immer mehr. Sie werden von uns mit Informationen darüber geradezu überflutet. Z.B. eine PKK die in Europa als terroristisch eingestuft, aber keineswegs als solche bezeichnet wird" sagte Erdogan weiter und fügte hinzu, das er demnächst ein Telefongespräch mit US-Präsident Obama führen werde. In diesem Zusamenhang erwähnte Erdogan, den Pressesprecher des Aussenministeriums überhaupt nicht beachten zu wollen.

Die Lage wird durch ein Interview des Chefberater des Staatspräsidenten nicht gerade entschärft. Laut Chefberater Seref Malkoc werde inzwischen in betracht gezogen, den türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik in Adana für NATO-Kräfte zu schließen. Der Militärflughafen gilt als die größte NATO-Airbase der Region. Die USA führen über diese Airbase seit vergangenen Sommer zusammen mit britischen und französischen Geschwadern Kampfeinsätze in Syrien und im Irak aus. Auch die Bundeswehr ist im Rahmen der Kampagne mit Aufklärungsflügen auf der Airbase aktiv.

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