Germersheim fordert Baustop der Ditib-Moschee

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Germersheim fordert Baustop der Ditib-Moschee

September 27, 2016 - 19:14
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Die Ditib-Moschee Gemeinde von Germersheim hat einen Antrag für den Bau einer neuen Moschee in der Hans-Sachs-Straße gestellt. Vom Kreis wurde es inzwischen genehmigt, doch der politische Widerstand, erst angefangen durch die AfD, jetzt auch durch den Stadtrat selbst, wirft Fragen auf.

Germersheim / TP - Die Landessprecherin der Allianz Deutscher Demokraten (ADD) für Rheinland-Pfalz, Uğur Karadağ, begrüßt den Beschluss des Stadtrates in Germersheim, die Ditib dazu aufzufordern, den Baubeginn der bereits genehmigten Mareşal-Fevzi-Çakmak-Moschee zu verschieben - wenn auch in sarkastischer Art. Schliesslich sei damit auch die Maske aller Parteien gefallen, angefangen von der CDU, über die FWG bis hin zur FDP und als Krönung auch noch die AfD.

“Auf deutlichere Weise hätten die Klöckner-CDU, die FWG und die FDP nicht zum Ausdruck bringen können, dass zwischen sie und die Republikaner, wenn es um die Stigmatisierung und Ausgrenzung muslimischer Einwanderer geht, kein Blatt Papier passt”, erklärte Karadağ.

Gleichzeitig sprach Karadağ den Verantwortlichen für die Moschee ihre volle Solidarität aus und forderte alle Anhänger der eigenen Partei dazu auf, möglichst zahlreich zum geplanten Spatenstich am 1. Oktober zu erscheinen.

Die Begründung des Antrags, die Ditib solle eine Geste hinsichtlich verunsicherter Bürger setzen, die auf Grund des Verhaltens des türkischen Präsidenten Erdoğan nach dem Putschversuch in Sorge seien, sei taktlos und unverschämt.

“Wenn die Moscheegemeinde die Ausübung eines nicht nur verfassungsmäßig gewährleisteten, sondern auch konkret von der Verwaltung zugestandenen Rechts davon abhängig machte, wie so genannte besorgte Bürger die Politik Erdoğans beurteilen und wie diese ihren Seelenfrieden störe, würde die Moschee nie gebaut werden”, begründete Karadağ ihre Position.

“Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand in der Türkei auf die Idee kommen würde, die Wiedereinweihung einer restaurierten christlichen Kirche zu verschieben, weil irgendwelche Leute daran Anstoß nehmen würden, dass europäische Regierungen nach einem IS-Anschlag gegen dessen Sympathisanten durchgreifen.” Deshalb könne und werde man mit dem Baubeginn der Moschee in Germersheim auch nicht zuwarten, bis die Türkei eine REP-kompatible Regierung habe.

Die Ditib arbeite seit Jahrzehnten in der Seelsorge für Einwanderer auf der Basis deutscher und türkischer Gesetze und zwischenstaatlicher Vereinbarungen, machte Karadağ deutlich. Die Gemeinde in Germersheim stehe wie alle anderen Ditib-Gemeinden aller ethnischen und weltanschaulichen Hintergründe offen und ihre Aufgabe sei es, diesen Menschen ihre Religionsausübung zu ermöglichen. Politik habe in der Moschee nichts verloren.

“Auch Nichtmuslime sind ebenso wie Anhänger aller politischen Parteien Deutschlands, der Türkei oder woher auch immer jederzeit herzlich eingeladen, die Moschee zu besuchen und sich mit Menschen aus der Gemeinde auszutauschen”, betonte die ADD-Landessprecherin. “Nur Extremisten und Sympathisanten von Terrororganisationen wie IS, FETÖ, PKK oder NSU sind nicht willkommen.”

Die Stadtspitze und die Fraktionsspitzen im Stadtrat von Germersheim sprachen sich nach dem positiven Genehmigungsverfahrens durch den Kreis jetzt nach Monaten unvermittelt gegen den Baubeginn und legten inzwischen auch einen formellen Widerspruch ein. Das Projekt rief bereits am Anfang (Juni) die AfD auf den Plan. Auch der AfD-Landtagsabgeordnete für den Kreis Germersheim, Matthias Joa, meldet sich kritisch zu Wort. Die geplante DITIB-Moschee schade Germersheim, so Joa in einer Mitteilung.

Dagegen will die Mehrheit der Mitglieder des türkischen Kulturvereins (Türkisch Islamischer Kulturverein e.V.) die den Bau der Moschee geplant hatte, um dem vermehrten Platzvedarf Rechnung tragen zu können, am Baubeginn festhalten. In der vergangenen Woche gab es hierzu eine Abstimmung. Der Germersheimer Ditib-Vorsitzende Hayrettin Günes sagte, "es wird weitergehen wie geplant". 

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