Selfie-Video des Attentäters von Istanbul aufgetaucht

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Selfie-Video des Attentäters von Istanbul aufgetaucht

Januar 03, 2017 - 13:30
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Türkische Antiterror-Einheiten suchen mit Hochdruck nach dem Attentäter von Istanbul. Die Polizei veröffentlichte am Montag ein Fahndungsfoto, die türkischen Medien ein Selfie-Video. Laut türkischen Medien gab es eine Reihe von Razzien, doch der Täter ist immer noch auf der Flucht. Auch der Tathergang wird mittlerweile in den türkischen Medien kontrovers diskutiert. Hatte der Attentäter Kenntnisse über die räumliche Aufteilung des Nachtclubs, woher wusste er von den Notausgängen, die nur die Mitarbeiter kannten?

Selfie-Video des Attentäters von Istanbul aufgetaucht

Istanbul / TP - Mit der Veröffentlichung von Selfie-Videos des Attentäters von Istanbul, der in der Silvesternacht im Nachtclub Reina ein Massaker anrichtete und dabei 39 Menschen gezielt tötete, suchen die türkischen Sicherheitsbehörden fieberhaft nach einem 28 Jahre alten kirgisischen Staatsbürger. Bereits am Sonntag standen kirgisische und türkische Sicherheitsbehörden im ständigen Kontakt, um die Identität des Attentäters festzustellen.

Der Attentäter reiste nach bisherigen Informationen am 20. November von Kirgisistan in die Türkei über Istanbul ein, fuhr dann über Ankara am 22. November zusammen mit seiner Familie nach Konya, mietete sich dort eine Studiowohnung. Am 29. Dezember fuhr der Attentäter dann nach Istanbul. Das Selfie-Video stammt vermutlich aus dem Taksim und Experten meinen, dass es sich dabei um ein Video handelt, mit dem der Attentäter Ziele aussucht.

Seit dem Terroranschlag sind bislang 14 Verdächtige verhaftet verhaftet worden, unzählige Hinweise gingen nach der Veröffentlichung des Selfie-Videos bei der Polizei ein. Auch die Ehefrau wurde inzwischen festgenommen und zum Attentäter befragt. Sie gab an, von einer Mitgliedschaft oder Sympathie gegenüber der Terrormiliz IS nichts gewusst oder geahnt zu haben.

Während des Massakers im Nachtclub Reina benutzte der Attentäter Blendgranaten, um das Magazin des Sturmgewehrs zu tauschen und um die Gäste der Silvesterfeier bewegungs- und orientierungslos zu machen. Ermittlungsbehörden fanden auch das Sturmgewehr, die gegenseitig verklebten Magazine sowie die Hülsen der abgefeuerten Projektile, die derzeit ballistisch untersucht werden. Laut der Tageszeitung Milliyet soll aber die Waffe nach der Benutzung gesäubert oder der Täter Handschuhe getragen haben.

Laut Augenzeugen benutzte der Mann mindestens drei Blendgranaten, während er dabei die Magazine des Sturmgewehrs tauschte. Laut der Tageszeitung Posta, hatte der Attentäter vermutlich sehr gute Kenntnisse über die Räumlichkeiten des Nachtclubs, denn während er vermutlich Bereiche, die er für seinen Fluchtplan benötigte, nicht ins Visier nahm, wurden andere Bereiche des Nachtclubs gezielt aufgesucht, Menschen gezielt aus nächster Nähe getötet. So ging der Attentäter unter anderem nicht gegen die Nachtclub-Gäste vor, die sich in einer Toilette oder in der Küche verschanzt hatten, da sich in der Nähe dieser Räume auch drei Ausgänge befinden, wovon nur die Mitarbeiter des Nachtclubs gewusst haben sollen. Die Tageszeitung Habertürk berichtet, dass der Attentäter in der Nähe der vom Massaker verschonten Gäste in der Toilette und Küche versteckte und sich wie ein verletzter Gast verhielt, bevor er dann hinkend den Nachtclub zusammen mit anderen verletzten Gästen verließ, ehe eine Sondereinheit der Polizei den Nachtclub stürmte. Daraufhin soll der Attentäter ein Taxi genommen und nur wenige Hundert Meter wieder ausstiegen sein. Seither verliert sich jede Spur vom Attentäter.

Die Tageszeitung Hürriyet berichtete am Montag, möglicherweise habe der Attentäter eine Verbindung zu einer IS-Zelle, die den Anschlag auf den Atatürk-Flughafen im Juni mit 47 Toten verübt haben soll. Die türkische Regierung machte die IS-Terrormiliz dafür verantwortlich, die sich jedoch nicht dazu bekannte. Die drei Angreifer am Flughafen waren nach Angaben der Regierung aus Usbekisten, Kirgistan und Russland.

Experten vermuten einen Zusammenhang mit dem Oberbefehlshaber der Terrormiliz IS in Syrien sowie dem tadschikischen Kommandeur Gulmurad Halimov. Halimov gehörte während der Sowjet-Ära der Sondereinheit der Polizei OMON als Oberstleutnant an. Zwischen 2003 und 2014 nahm Halimov an mehreren Programmen der USA zur Terrorabwehr teil, bevor er im April 2015 untertauchte und im Mai in einer Videobotschaft erklärte, an der Seite der IS in Syrien mitzukämpfen. Seit September 2016 soll er nach dem Tod von al-Schischani (Tschetschene aus Georgien) die Führung als Oberbefehlshaber in Syrien übernommen haben.

Der Attentäter von Istanbul könnte demzufolge als kirgisischer Staatsbürger eine Verbindung zu Usbekistan oder Tadschikistan haben, aus der viele IS-Anhänger rekrutiert werden. Das Land selbst gilt als Insel der Demokratie im Kaukasus, die Gesellschaft ist offen, doch sie hat so wie die Türkei eine schwierige Nachbarschaft: Tadschikistan, Usbekistan und Afghanistan sind nicht weit entfernt.

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