• Arbeitsmaterial in einem Kölner Gymnasium
  • Arbeitsmaterial der Stiftung Jugend und Bildung in Wiesbaden
  • Arbeitsmaterial in einem Kölner Gymnasium
  • Schülerzeitung einer Kölner Grundschule

Erdogan in deutschen Bildungseinrichtungen angekommen

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Erdogan in deutschen Bildungseinrichtungen angekommen

November 06, 2016 - 01:26
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Türken sind in Deutschland nicht angekommen, heißt es seit einiger Zeit gebetsmühlenartig. Dafür ist aber der türkische Präsident in deutschen Bildungseinrichtungen angekommen. Schülerzeitungen berichten über das "Regime" Erdogan, Schüler sollen vergleichende Projektarbeiten über Erdogan und Hitler abliefern, Stiftungen geben kostenlose Arbeitsmaterialien heraus, die über Erdogan handeln.

Arbeitsmaterial in einem Kölner Gymnasium

Berlin / TP - Seit dem Putschversuch in der Türkei hat sich die mediale Aufmerksamkeit in Deutschland auf den türkischen Präsidenten Erdogan fokussiert. Das macht sich auch in Bildungseinrichtungen bemerkbar.

Werden Schülerzeitungen mit Erdogan-kritischen Untertönen von türkischen Eltern und Schülern noch als Meinungsfreiheit verstanden, so wie in einem Fall aus Köln, so sieht die Lage anders aus, wenn Lehrer auf solche Themen Bezug nehmen. 

In der Schülerzeitung einer Kölner Grundschule liest man daher unter dem Titel "Gefährliche Ferien", weshalb Erdogan alle Militärs umbringt und warum man ihn nicht mag. Das ist noch harmlos, weil es eben Meinungsfreiheit ist.

Dagegen wird es komplizierter, wenn Lehrer übergehen, Schülern Aufgaben zu geben, in der sie zum Beispiel einen Vergleich zwischen Erdogan und Hitler ziehen. Auch das wäre noch alleine kein Grund, denn vergleichende empirisch belegte Arbeiten sind Grundlagen für eine eigene Meinungsbildung.

Anders sieht es aber aus, wenn Lehrer die Fragestellungen so gestalten, dass der Ausgang dieser Arbeit keine anderen Schlussfolgerungen zulässt. Und in Deutschland gehen immer mehr Lehrer über, mit solchen meinungsbildenden Arbeiten von vornherein ein bestimmtes Muster zu verfolgen: die Dämonisierung eines Präsidenten.

So geschehen unter anderem in einem Gymnasium in Köln. Der Geschichtslehrer eines staatlichen Gymnasiums forderte mit einem Unterrichtsmaterial von den 12-Klässern, dass ein Vergleich zwischen Erdogan und Hitler gezogen wird. Aber es ist, sieht man sich den Inhalt des Arbeitsblattes an, eine Gleichsetzung sondergleichen.

Ersichtlich wird das unter anderem mit einem Bild und in der anleitenden Überschrift, die mit einem Zitat von Winston Churchill beginnt: "Die, die nicht aus der Geschichte lernen, sind dazu verurteilt, sie zu wiederholen."

Im weiteren werden in dem Arbeitsbalt Themenpunkte genannt, womit die Schüler ihre vergleichende Arbeit erstellen sollen. Es finden sich Themen wie die "Glorreiche Vergangenheiten", eine Anspielung auf das Dritte Reich sowie das Osmanische Reich; "Von der Demokratie zur Diktatur", in der die Schüler die Veränderungen hervorheben sollen; "Wie konnte das passieren?" was suggerieren soll, dass die Diktatur in der Türkei ebenso vorherrscht.

Die bewusste Deutungshoheit einzelner Lehrer ist allein noch kein Grund, staatlichen Bildungseinrichtungen insgesamt vorzuwerfen, gezielt Desinformationen zu verbreiten, Schüler zu indoktrinieren. Aber aufgrund der früheren Vorkommnisse in der Frage des sogenannten "Armenier-Genozids", die in einigen Bundesländern in den Lehrplänen aufgenommen worden sind sowie zahlreichen Arbeitsmaterialien für Lehrer, die von Stiftungen und Verlagen bereitsgestellt werden, stellt man sich unweigerlich die Frage, wer hier welche Deutungshoheit erheben will - auf Kosten der Schüler.

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