Türkei-Nato: Wenn die Deutsche Welle hohe Wellen schlägt

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Türkei-Nato: Wenn die Deutsche Welle hohe Wellen schlägt

Dezember 07, 2016 - 12:39
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Ein Kommentar der Deutschen Welle bewertet die "herzzergreifende" Schicksale "vermeintlicher Verschwörer" innerhalb des türkischen Militärs, die in der nordatlantischen Militärallianz tätig sind. Über das Schicksal der Putschopfer an sich oder die unzähligen Schicksale türkischen Militärs und Persönlichkeiten, die vor Jahren weggesperrt wurden, verliert Max Hofmann kein Wort. 

Türkei-Nato: Wenn die Deutsche Welle hohe Wellen schlägt

Berlin / TP - In einem Kommentar in der Deutschen Welle beschwert sich Max Hofmann über die harte Vorgehensweise der türkischen Regierung in Zusammenhang mit dem gescheiterten Putschversuch. Entgegen der Annahme, Hofmann spreche über mehr als 200 Todesopfer, die in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli durch die Putschisten niedergestreckt, mit Panzern überrollt oder mit Kampfjets beschossen wurden und deren Angehörige, ja sogar das Volk Gerechtigkeit erwartet, wird über die mutmaßlichen "Verräter" sinniert, werden ihre "herzergreifenden" Geschichten zum Mittelpunkt des Kommentars.

Wie stark muss man denn die Realität noch verbiegen, um die mutmaßlichen Putschisten auch noch als Opfer hinzustellen? Die Realität sieht wie folgt aus: Am 15. Juli beginnt ein Putsch, der mutmaßlich auch durch zahlreiche Militärangehörige, Polizisten, Richter und Staatsanwälte losgetreten wird. Am frühen Morgen des 16. Juli endet dieser Putsch wie sie begonnen hat: Blutig. Eine aufgeheizte Menschenmenge, die während der vergangenen Stunden miterleben musste, wie Gleichgesinnte Demokratieverfechter nebenan durch Patronen einer 27mm. Bordkanone eines Kampfjets oder eines Militärhubschraubers in der Luft zerrissen wurden, durch 46 Tonnen schwere Panzer überrollt oder durch Kopfschüsse eines Offiziers, der auf das Land und das Volk einen Eid abgelegt hat, niedergestreckt wurden, rastet auf der Bosporus-Brücke aus. Nicht alle wohlgemerkt, denn als die ersten Gefreiten oder Offiziere in die Fänge der aufgeheizten Menschenmenge geraten, werfen sich viele dazwischen, können schlimmeres verhindern.

Ja, es hätte nicht sein dürfe, niemand hat das Recht, einem anderen das Leben zu nehmen, nur weil er mit ansehen musste, wie sein Landsmann stirbt. Und ja, niemand wird ungeschoren davon kommen, wenn er an dem Blutbad davor mitgemacht hat. Das werden die Gerichte in der Türkei feststellen müssen, aber dazu müssen auch die mutmaßlichen "Verräter" gefasst und ihnen der Prozess gemacht werden. Wer das in Frage stellt, hat entweder ein schräges Verständnis von Gerechtigkeit, was von Recht kommt oder aber, er verfolgt ganz andere Ziele.

Keinen in der Türkei interessiert es, was die Europäer über die Verhaftungswellen halten, die in Kreisen der Militärs, der Justiz und des Bildungswesens grassiert. Sie sind nur daran interessiert, dass die Schuldigen überführt, die Unschuldigen freikommen. Wer sich nichts zu Schulden kommen ließ, kann davon ausgehen, dass die Gerechtigkeit obsiegt. 

Als Anfang 2010 mehrere Hundert Generäle, Offiziere und Soldaten wegen eines mutmaßlichen "Putschkomplotts" gegen die türkische Regierung reihenweise festgenommen wurden, auch jene die in der NATO tätig waren, da gab es in Europa weder die Debatten, noch die Diskussion in dieser Dimension. Schlimmer noch, es wurde kaum darüber berichtet, geschweigeden, dass da jemand ein Kommentar abgegeben hätte. Viele dieser vermeintlichen "Putschisten" wurden jahrelang inhaftiert. Sie bekamen weder Beistand aus der EU, noch von der NATO. Erst als sich 2013 herauskristallisierte, dass die vermeintlichen Straftäter einem Komplott aufgesessen waren, die ganze Geschichte von vorne bis nach hinten erfunden war, da kamen die ersten wieder frei, die letzten erst Anfang 2016. 

Das erstaunliche daran ist, dass diese Unschuldigen sich weder vor der Verhaftung drückten, noch die Europäische Union als Zufluchtsort wählten. Sie ließen sich, angefangen vom einfachen Soldaten bis hin zum Generalstabschef, verhaften und einbuchten. Sie wussten, und das sagten sie auch mehrmals, dass die Sache bald ein Ende haben werde, dass ihre Unschuld zu Tage gefördert werde. So kam es ja schließlich auch.

Gegenwärtig können wir genau das Gegenteil dessen erleben. Hunderte Militärs, Persönlichkeiten in den Reihen der Akademiker, aus TV- und Medien oder hochrangige Funktionäre der Gülen-Bewegung haben das Land fluchtartig verlassen und suchen Schutz in Europa oder in den USA. Sie stellen sich nicht, wie die Militärs ab 2010, den Behörden, sie entziehen sich schlichtweg der Gerichte.

Als ob das nicht ausreicht, werden sie in Europa auch noch zu symbolischen Opferfiguren einer "Diktatur", in der Recht und Gerechtigkeit abhanden gekommen sein soll, die Familien auseinandergerissen, herzzereißende Momentaufnahmen in Medien die Runde machen. 

Europa hat die Grundsätze des innerstaatlichen Rechts ausser Kraft gesetzt, nur um diese Personenkreise als Opfer hinzustellen. Europa unternimmt alles, damit dieses Recht nicht durchgesetzt wird. Europa tut weiterhin genau das Gegenteil davon, was sie mit Abkommen und Verträgen einst festgelegt hat: Demokratie und Gerechtigkeit schützen. Die Türkei, das türkische Volk hat die Demokratie verteidigt, vielen kostete es das Leben. Die Türkei, das türkische Volk ist auch imstande, Gerechtigkeit durchzusetzen, Schuldige auszumachen, Unschuldige freizulassen. Niemand, aber auch niemand hat das Recht, mutmaßliche Schuldige im vorauseilendem Gehorsam als Unschuldige hinzustellen und deren Schicksal zu unterstreichen. Wer das tut, der spielt die tatsächlichen Todesopfer in der Türkei herunter, will sie in Abrede stellen. 

Dadurch verliert Europa nicht nur Vertrauen, sie verspielt auch ihre letzten noch verbliebenen Grundsätze, die sie mit Füßen tritt, wenn es ihr politisch nicht in den Kram passt. Die Menschenrechte hat man bereits mit den Füßen getreten, als man Flüchtlinge im Mittelmeer ihrem Schicksal überließ, Italien und Griechenland mit den Problemen alleine ließ. Man trat sogar nach, als man sich mit der Türkei über einen Flüchtlingspakt einig wurde und man tritt immer noch nach, in dem man die Vertragsinhalte nicht einhält.

Jetzt kommt noch der gescheiterte Putschversuch hinzu, bei der Europa entgegen vieler Annahmen aus der Türkei, seiner Solidarität mit der Türkei und dem türkischen Volk schuldig blieb. Darüber hinaus wirft man ihr nun auch noch vor, Unschuldige einzusperren, zu foltern oder ihnen das Leben schwer zu machen. Anscheinend hat Europa immer noch nicht verstanden, dass das türkische Volk sich einer undemokratischen Handlung erwehrt hat und dabei viel Leid und Schmerz selbst erfahren musste. Wie muss sich dass denn anfühlen, wenn dann auch noch von Europa ein leichtes Grinsen zu vernehmen ist, wenn man die mutmaßlichen Täter zurückhält? Nein, nicht die Türkei hat ihre Werte verraten, sondern Europa, die die Werte der Türkei mit Füßen tritt.
 

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