Putschversuch: Marokkaner wird Held der Türkei

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Putschversuch: Marokkaner wird Held der Türkei

Dezember 20, 2016 - 03:04
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Das türkische Innenministerium hat einen Marokkaner für seinen heldenhaften Einsatz für die Türkei während des gescheiterten Putschversuches postum zum Märtyrer vom 15. Juli erklärt. Der Familie wurde die Medaille zeremoniell in der Türkei übergeben.

Putschversuch: Marokkaner wird Held der Türkei

Ankara / TP - Das türkische Innenministerium hat einem Marokkaner der während des Putschversuches in der Türkei in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli getötet wurde, postum zum 246. Märtyrer vom 15. Juli erklärt. Der 32-jährige Marokkaner Jadoid Merroune war nach Beginn des Putschversuches am 15. Juli zusammen mit vielen anderen aus der Bevölkerung bei Protesten vor der Militärakademie des Heeres in Istanbul von Putschisten erschossen worden.

Wie türkische Medien berichten, lebte Jadoid Merroune seit 2 Jahren in Istanbul und arbeitete zuletzt als Dolmetscher. Laut seiner Verwandtschaft aus Marokko, lebte Merroune gerne in der Türkei. Als der Putschversuch auch in Istanbul seinen Anfang nahm, zögerte Merroune demnach nicht, erklärten der Bruder Muhammed Merroune, der gemeinsam mit Freunden in die Türkei gereist war um die Medialle in Empfang zu nehmen, mit auf die Straße zu gehen. Vor der Militärakademie des Heeres hätte die Familie zuletzt telefonisch Kontakt gehabt, danach nicht mehr. Daraufhin hätte die Familie den Bruder vorgeschickt, um über das Schicksal des Verwandten mehr zu erfahren.

Mit Hilfe des AKP-Abgeordneten von Bolu, Ali Ercoşkun, stellte man fest, dass der 32-jährige Jadoid Merroune bei der gewaltsamen Auseinandersetzung des Putschversuch ums Leben kam. Mit Zeugenaussagen und detaillierten Videoaufzeichnungen vor der Militärakademie wurde der Tathergang rekonstruiert. Der Abgeordnete setzte daraufhin einen Antrag beim Innenministerium zur Anerkennung als Märtyrer vom 15. Juli durch. Die Familie erhielt daraufhin vom Innenministerium den Anspruch, eine Medaille zu Ehren der Märtyrer vom 15. Juli zu erhalten. Ausserdem erhält die Familie die in Marokko lebt, rund 30.000,- Euro. Laut dem Abgeordneten Ercoşkun werde man auch berücksichtigen, dass die Familie in Marokko sozial und gesundheitlich versorgt werden. "Seine Familie ist nun auch unsere Familie", sagte Ercoşkun nach der Übergabe der Medaille.

Der Bruder Muhammed Merroune nahm die Medaille in der Türkei in Bolu vom AKP-Abgeordneten entgegen. Muhammed Merroune erklärte, er sei mit seinem Bruder immer in Kontakt gestanden, auch in der Putschnacht. Jadoid Merroune habe ihm von den Unruhen erzählt, dann auch ein Bild von der Live-Übertragung der Rede Erdogans gesendet und sei dann auf die Straße gegangen. Zuletzt soll Jadoid Merroune noch einmal in der Nähe der Militärakademie mit dem Bruder Kontakt aufgenommen haben, danach jedoch nicht mehr. Jadoid Merroune soll dem Bruder zufolge gerne in Istanbul gelebt haben. "Er liebte das Land, lebte seit 7 Jahren in der Türkei, wollte die Staatsbürgerschaft beantragen. Zuletzt sagte er noch: Allah ist groß."

Der Putschversuch in der Türkei am 15. und 16. Juli 2016 war ein gescheiterter Putsch von Teilen des türkischen Militärs und Zivilisten die der FETÖ/PDY-Terrororganisation zugerechnet werden, der zum Ziel hatte, die türkische Regierung mit Präsident Recep Tayyip Erdoğan und dem Kabinett Yıldırım (AKP) zu stürzen. Der Putschversuch verlief blutig, bei den Gefechten während des Putschversuches wurden landesweit insgesamt über 247 Menschen getötet und mehr als 2100 Menschen verletzt. Das Parlament, der Präsidentenpalast, Polizeipräsidien und einige der Einheiten, die an dem Putsch nicht teilgenommen hatten, wurden bombardiert. Putschisten besetzten das Hotel, in dem der Staatspräsident gerade Urlaub machte, er entkam jedoch den Putschisten.

Erdogan erklärte kurze Zeit später den 15. Juli zum "Gedenktag der Märtyrer". Das türkische Parlament beschloss, dass die bei den Gefechten umgekommenen Zivilisten und Sicherheitskräfte per Verordnung zu Märtyrern erklärt und ihren Angehörigen Entschädigungen ausbezahlt werden.

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