Muslimisches Manifest zu Berlin

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Muslimisches Manifest zu Berlin

Oktober 25, 2016 - 03:47
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Vor kurzer Zeit erschien die "Freiburger Deklaration“, eine gemeinsame Erklärung "säkularer Muslime" in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hierzu hat Barbaros Güzelses ein eigenes Manifest formuliert.

Muslimisches Manifest zu Berlin

Berlin / TP - Das kaum noch aktive Projekt "Muslimische Forum in Deutschland" (MFD) der Konrad-Adenauer Stiftung dümpelt seit mehr als einem Jahr so vor sich hin. Das neue Projekt "Freiburger Deklaration", die sich inzwischen in "Säkulare Muslime" umbenannt hat, ist bereits während des Startphase in sich nicht schlüssig, zumindest was die Unterzeichner und Unterstützer angeht.

Waren es vormals noch Dr. Amer Albayati, Dr. Lale Akgün, Dr. Nagih Al-Obaidi, Berivan Aslan, Seyran Ateş, Dr. med. Mimoun Azizi, Serap Çileli, Jasmin El Sonbati, Sarah - Aziza El Gezawi, Arzu Ghazi, Necla Kelek, Saïda Keller-Messahli, Akram Naasan, Dr. Abdel-Hakim Ourghi , Sabrina Si-Moussa, Klaus Blees, Prof. Dr. Marlies Heinz, Tobias Huch, Michael Leicht, Ingrid Lee, Dr. Michael Ley, Adrian Müller, Walter Otte, Dieter Werner Schleier, Dr. Thomas Tartsch, Ali Ertan Toprak und Jürgen Trantow, die sich als Unterzeichner und Unterstützer ausgaben, sind aus diesem Bunde gegenwärtig 4 ausgestiegen.

Wo vormals Freiburg im Breisgau als Ort der Deklaration bekannt gegeben wurde, ist nach 13 Tagen daraus Zürich geworden, Freiburg muss sich mit Klammern begnügen. Auch sonst war der Start dieses Bundes, der sich nun "Säkulare Muslime" nennt und damit im Gegenzug die meisten anderen Muslime als unaufgeklärt, rückständig und fundamentalistisch wie politisch motiviert verklärt, nicht gerade durchdacht und schon gar nicht ohne viel Kleckern vonstatten gegangen. Gleich zu Beginn musste sich Abdel-Hakim Ourghi zum besten geben, als er das Massaker in München vorschnell mit Islamisten in Verbindung brachte. Dass dabei vor allem junge Muslime starben, beeindruckte ihn danach nicht und war ja eigentlich auch nicht Sinn der Sache. Sinn und Zweck bestand allein darin, die anderen Muslime in den Schatten zu stellen und die "Säkularen Muslime" ins rechte Licht zu rücken. Ins rechte Licht rückte sich Oughri aber gleich noch einmal, als er eine Islamexpertin an den Herd wünschte. Inzwischen ist er von diesem Standpunkt abgerückt.

Auf der anderen Seite wird geflissentlich darüber hinweggetäuscht, wer denn da alles an der Deklaration mitgewirkt hat. Vor allem einigen Muslimen im Land ist es zu verdanken, dass die Sache überhaupt angepackt und plötzlich Volker Beck, der religionspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, in Zusammenhang mit der Deklaration gebracht wurde. Der sitzt gerade beharrlich die ständigen Fragen, die auf seine Person auf Twitter oder gar an seinen Berliner-Abgeordnetensitz gestellt werden, aus. Das Volker Beck keine Auskunft gibt, ist eigentlich schon eine Antwort und wirft deshalb weitere Fragen auf. Wenn er die muslimischen Verbände einerseits scharf kritisiert, politisch tatkräftig daran mitwirkt und andererseits selbst an einer neuen Gruppierung und an ihrer Deklaration mitgewirkt haben soll, dann ist er nicht nur vorbelastet, sondern überhaupt nicht mehr imstande, politisch neutral solche Kritiken an den Tag zu legen.

Überdies müssten sich die Teilnehmer, die Unterzeichner und die Unterstützer die Frage gefallen lassen, ob sie politische Marionetten sind, die sich in einem politisch-motivierten Umfeld bewegen. Barbaros Güzelses, selbst Autor und in diesen Fragen ziemlich gewandt, hat ebenfalls etwas zu sagen, die man nicht vorenthalten sollte. Dabei geht es nicht nur um die islamische Auslegung, der unveränderlichen Schrift, dem Koran oder die Glaubensauffassung. Nein, es geht auch um die Frage, welche Rolle die Akteure in diesem politisch-motivierten Verwirrspiel um den Islam in Deutschland oder in ganz Europa spielen. Hier die Zusammenfassung des Autors Güzelses, dem muslimischen Manifesf zu Berlin:

Muslimisches Manifest zu Berlin

Vor kurzer Zeit erschien die "Freiburger Deklaration“, eine gemeinsame Erklärung "säkularer Muslime" in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mit dieser Erklärung möchten die Verfasserinnen und Verfasser ein „differenziertes Aufklärungsprogramm“ innerhalb der muslimischen Gemeinschaft in Gang setzen, die Dringlichkeit eines „interkulturellen Dialoges“ mit allen „Religionen und Weltanschauungen“ betonen. Auf der „ständigen Suche nach der Wahrheit“ sucht man mit der muslimischen Gemeinschaft einen konstruktiven, offenen und kritischen Diskurs. Der einzige Islamwissenschaftler unter den Unterzeichnern, Abdel-Hakim Ourghi, konkretisiert in einem Interview mit dem Titel „Den Islam aus dem siebten Jahrhundert gibt es nicht mehr“ dahingehend, dass man für die Muslime eine Interpretation des Islams schaffen möchte, der mit den westlichen Normen zu verbinden ist.

Ein äußerst ambitioniertes Vorhaben der Verfasserinnen und Verfasser, eine Weltreligion, wie den Islam, reformieren zu wollen. Seit dem 11. September ist der Islam immer Gegenstand öffentlicher Diskussionen und die Forderung nach einer Reform des Islams wird in letzter Zeit immer häufiger erhoben. Man spricht von einem Islam nach europäischer Prägung, von einem modernen, zeitgemäßen, von einem Euro-Islam. Daher möchte dieses Manifest die Freiburger Deklaration genauer hinterfragen, sowie die politische Intention, die zweifelsfrei dahintersteht, ergründen. Die Verfasserinnen und Verfasser bezeichnen sich als „säkulare Muslime“, jedoch die islamische Theologie kennt diesen (politischen) Begriff nicht. Der Islam unterscheidet zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, im Qur’an werden Christen und Juden als „Schriftbesitzer“ (arab. ahl al-kitâb, - Leute des Buches) bezeichnet. In dieser Deklaration ist von Religionen die Rede, dass Muslime Christen- oder das Judentum als Religion akzeptieren, steht im Widerspruch zur islamischen Lehre und widerspricht dem Qur’an (5:3, 3:19, 3:85), jedoch ehren und respektieren Muslime sowohl die Bibel, als auch die Thora. Ebenfalls wird in der Freiburger Deklaration der Mensch in das Zentrum der Religion gerückt, gemäß der islamischen Lehre aber steht Allah als Schöpfer im Mittelpunkt, nur um einige Widersprüche in dieser Deklaration zu nennen.

Für Muslime ist der Qur’an das offenbarte, unveränderbare und vollkommene Wort Allahs, die göttliche Botschaft an alle Menschen. In dieser politischen Erklärung wird der Qur’an nur an einer Stelle, der Prophet Mohammad (Allahs Frieden und Segen auf ihm) gar nicht erwähnt. Der Name des Propheten wird beim fünfmaligen Gebet von den Muslimen gepriesen, in vielen Qur’anversen2 werden die Muslime nicht nur dazu aufgefordert Allah, sondern auch seinem Gesandten zu gehorchen und seiner Tradition zu folgen: Es heißt in diesen Versen: „Gehorchet Allah und Seinem Gesandten…. Dies sind Allahs Verordnungen; und wer Allah und Seinem Gesandten gehorcht….. Und wer dem Gesandten gehorcht, der gehorcht Allah…. Es gibt keinen Gott außer Ihm; Er macht lebendig und tot. Drum glaubet an Allah und an Seinen Gesandten…. Wahrlich in dem Gesandten Allahs hattet ihr ein schönes Beispiel für jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und oft Allahs gedenkt.“

Die Sunna des Propheten gehört zum Fundament des Islams, untrennbar, unveränderund unverhandelbar, daher ist jeder Versuch einer Einflussnahme, die Gläubigen von der Tradition des Propheten wegzuführen, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Zweifellos verfolgt man mit dieser Deklaration politische Ziele, der Islam soll sich zu einer von jedem individuell nach Belieben definierten, spirituellen Selbsthilfegruppe entwickeln. Die Initiatoren dieser Deklaration sind sich über den Einfluss des Islam auf die Gläubigen bewusst, man will die Macht des Islams, aber nicht seine Lehren.

Es muss davon ausgegangen werden, dass die Unterzeichner dieser Deklaration (eine Schülerin, eine Psychologin, eine Soziologin und Publizistin, sowie der ärztliche Leiter eines Rettungsdienstes) nicht die Initiatoren sind, die hinter diesen politischen Ambitionen stehen. Daher sollten sich die Muslime der Frage stellen, ob nach dem 11. September seitens einflussreicher politischer Kräfte Bestrebungen bestehen, die im Islam eine Bedrohung sehen und dies durch einen Ruf nach einer „neuen Interpretation“ des Islams konkretisiert wird. Zielt die Freiburger Deklaration darauf ab, einen säkularisierten, verwestlichten und mit dem deutschen Grundgesetz in Einklang gebrachten Pseudo-Islam nach europäischer Prägung zu etablieren, der mit dem Islam nichts mehr zu tun hat? Es geht um die Frage, wie der Islam in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren in Deutschland aussehen wird. Man möchte, vor allem aus sicherheitspolitischen Aspekten, die Entwicklung des Islams und die Integration der Söhne und Töchter der Migranten, denen man eine Chance geben möchte, nicht mehr wie bisher dem Zufall überlassen.

Unter den Unterzeichnern dieser Deklaration ist auch eine Person, die während der Deutschen Islam Konferenz vertrauliche Gespräche mit der US-Botschaft in Berlin geführt hat. Die Ansichten dieser Person über die Islam Konferenz wurden kommentiert und an das State Department weitergeleitet. Das ist sehr verwunderlich und wirft viele Fragen auf. Der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble soll sich dahingehend geäußert haben, anti-islamische Stimmen, diese Person und nur diese Person wird in diesem Zusammenhang namentlich genannt, zu fördern. Auf der einen Seite möchte man mit den islamischen Verbänden zusammenarbeiten, auf der anderen Seite fördert man Islamophobie. Der Initiator der Islam Konferenz Wolfgang Schäuble sprach zum 10-jährigen Jubiläum der Islam Konferenz von einem „deutschen Islam“, was immer das auch sein mag, fast zur gleichen Zeit wurde die Freiburger Deklaration veröffentlicht. Verletzt die Äußerung von Wolfgang Schäuble nicht die weltanschaulich-religiöse Neutralität des Staates, wenn er einen „deutschen Islam“ favorisiert? Die Einflussnahme auf die öffentliche Meinung funktioniert überall auf der Welt nach demselben Prinzip. Man fördert medial die gewünschten Ansichten, unterdrückt und dämonisiert die Gegenstimme.

1) Sure 5, Vers 3: Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gnade an euch vollendet und euch den Islam zum Glauben erwählt. Sure 3, Vers 19: Wahrlich, die Religion bei Allah ist der Islam. […] Sure 3, Vers 85: Und wer eine andere Religion als den Islam begehrt: nimmer soll sie von ihm angenommen werden, und im Jenseits wird er unter den Verlierern sein.
2) Suren 5:32, 3:132, 4:13, 4:14, 4:42, 4:59, 4:69, 4:80, 4:115, 5:92, 7:158, 8:1, 8:13, 8:20, 8:46, 8:71.

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