Türkischer Nationalfeiertag nach Putschversuch

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Türkischer Nationalfeiertag nach Putschversuch

Oktober 30, 2016 - 02:57
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Die Türkei zeigt sich nachwievor zuversichtlich und trotz des gescheiterten Putschversuchs ist der türkische Nationalfeiertag zur Unabhängigkeit des Landes auch ein Meilenstein, wie es Präsident Erdogan formuliert.

Türkischer Nationalfeiertag nach Putschversuch

Ankara / TP - Genau 93 Jahre ist es her, als die Republik Türkei ausgerufen wurde. Der "Tag der Republik" der Türkei, die am 29. Oktober gefeiert und der wichtigste Nationalfeiertag ist.

Für Präsident Erdogan mit ein Grund, diesen Tag besonders hervorzuheben. Denn nach dem gescheiterten Putschversuch am 15. Juli dieses Jahres, hat die Türkei trotz der Spuren, die diese hinterlistig empfundene, nach Verrat triefend angesehene Operation am Volkskörper hinterlassen hat, sich nicht nur schnell erholt, sondern auch eine neue Politik etabliert, die von einer Mehrheit befürwortet wird. Die Stärke die sie dabei ausstrahlt, macht anderen inzwischen Angst.

Erdogan bewegt sich politisch wie medial geschickt und vermittelt dabei, den selben Weg zu verfolgen, den einst der Unabhängigkeitskrieg verfolgte und schlussendlich zur Unabhängigkeit führte. Deshalb tritt Erdogan auch auf den Fußstapfen des Republikgründers, Mustafa Kemal Atatürk, der das Prinzip der Volkssouveränität eingeführt hatte. Diese besagt, dass das Volk selbst zum souveränen Träger der Staatsgewalt berufen ist, uneingeschränkt, für immer, so lange die Türken bestehen.

Diese Zitate benutzt Erdogan in ähnlicher Form immer wieder, jetzt auch am Nationalfeiertag und während der Eröffnungsrede zum neuen Hochgeschwindigkeitsbahnhof in Ankara. Nach dem Putschversuch erlebt dieses leicht umgewandelte Zitat eine noch nie dagewesene Renaissance.

Inmitten von Wahrheiten, Halbwahrheiten und Unwahrheiten im In- wie Ausland konnte sich die Volkssouveränität neu manifestieren, denn der entschiedene Widerstand des Volkes selbst hatte den Putsch verhindert. Erdogan musste diesen Widerstand ummünzen und er tut das mit aller Konsequenz. Das Volk will es, so gibt Erdogan ihnen, was sie verlangen.

Sind es Prestigeprojekte, so liefert Erdogan ihnen diese innerhalb weniger Jahre. Hängebrücken über den Bosporus, neue Hochgeschwindigkeitstrassen, die die Metropolen miteinander verbinden. Will das Volk, dass die Frauen auch mit Kopftuch ein Amt bekleiden, Polizisten oder Richter werden dürfen, so ändert er die Gesetze entsprechend. Soll der Glaube wieder eine Blüte erleben, so werden mehr Moscheen gebaut, damit die Nachfrage gestillt wird. 

Erdogan tut genau das, was das Volk begehrt und sie will immer mehr. Das Volk will nicht mehr in die EU? Erdogan tut ihnen den Gefallen und hinterfragt die Notwendigkeit eines Beitritts. Er kann das, denn die EU selbst hat die Türkei lange Zeit an der langen Leine gehalten, aber nie als gleichwertiger Partner gesehen. Das haben sich die Menschen gemerkt. Jetzt fordert das Volk immer vehementer nach positiven Nutzen, die aus den Beitrittsverhandlungen erwachsen sollte, erleben aber, wie sinnlos die Verhandlungen im Grunde sind. 

Das macht sich unter anderem mit der Forderung der Todesstrafe bemerkbar. Man hat nicht mehr die Absicht, Regeln zu befolgen, die einem keinen Nutzen bringen. Die EU, Europa bringt insofern keinen Nutzen, wenn sie nur Regeln verordnet, aber im Gegenzug dies nicht belohnt. Eine Belohnung wie die Visafreiheit steht weiterhin in Raum und wird bislang nicht eingeführt. Das hat sich das Volk gemerkt, auch weil Erdogan genau auf diese Kerbe einschlägt.

Von einer Krisenstimmung, wie man sie nach dem Putschversuch erwartet hatte, ist zumindest nichts zu sehen. Das Volk hat vor der AKP-Regierung unter Erdogan bescheiden gelebt und kennt Krisen zur genüge. Die Krise mit Russland ist abgewendet, obwohl das Fehlen der Russen oder der Europäer in den Badeorten  entlang des Mittelmeeres spürbar war. Die Regierung reagierte schnell und stützte die Tourismusbranche. Vielleicht ist dass das geheime Mittel, mit der die Regierung seit mehr als einem Jahrzehnt überaus erfolgreich ein Land regiert und mehr als die Hälfte der Bevölkerung hinter sich hat. Nach dem Putschversuch dürfte der Anteil sogar gestiegen sein, die hinter der Regierung stehen.

Um das zu belohnen, hat die türkische Regierung nun den 15. Juli zum Nationalfeiertag erhoben, eine Art zweiter Unabhängigkeitstag der Türkei und Erdogan steht nachwievor an der Spitze dieser Regierung, die sich inzwischen direkt im Konfrontationskurs mit Europa befindet. Auch hier setzt Erdogan auf das Volk, die all das miterlebt, mitgefühlt, mitverfolgt hat.

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