Erdogan und die Devisen - Stratfor warnt vor einer Kettenreaktion

Lesezeit
1 Minute
Gelesen zu

Erdogan und die Devisen - Stratfor warnt vor einer Kettenreaktion

Dezember 08, 2016 - 19:53
Kategorie:
0 Kommentare

Angesichts der jüngsten Talfahrt der türkischen Lira hatte Staatspräsident Erdogan das Volk zum Verkauf ihrer Devisen, darunter dem US-Dollar und Euro, angeregt. Erdogan sprach sogar von einem wirtschaftlichen "Krieg" gegen das Land. Inzwischen ist die Talfahrt beendet, auch dadurch, dass die Türken im Land dem Aufruf anscheinend gefolgt sind. Stratfor, das US-amerikanische Informationsdienst, der Analysen, Berichte und Zukunftsprojektionen zur Geopolitik, zu Sicherheitsfragen und Konflikten anbietet, warnt indes vor einer Kettenreaktion, die Erdogan angestoßen hat.

Erdogan und die Devisen - Stratfor warnt vor einer Kettenreaktion

Ankara / TP - Bisher scheint der Aufruf des türkischen Staatspräsidenten Erdogan an das Volk zu fruchten. Etliche Türken tauschten ihre Devisen um, Konzerne und staatliche Unternehmen stellten ihr Zahlungsverkehr auf die türkische Lira um. Der Wert der türkischen Währung hat sich aufgrund dessen und anderer Maßnahmen gegenüber der Vorwoche stabilisiert, gewinnt sogar wieder an Wert.

In der Türkei scheint der Patriotismus die Profitgier der Türken zu überflügeln. Zumindest letztere war ein Hauptgrund, weshalb viele mit Fremdwährungen ihr Haushaltsgeld aufbesserten und die türkische Wirtschaftspolitik hinten anstehen musste. Damit ist zumindest bei vielen Schluss. Ob der Aufruf des Staatspräsidenten Sinn macht, steht indes noch aus. Viele Glauben nicht daran, dass diejenigen die nur die Hälfte des Vermögens in der Türkei ausmachen, derart gravierende Kursänderungen hervorrufen können, wenn sie ihre Devisen umtauschen. 

Anders verhält es sich aber bei Unternehmern und Konzernen. Ihre Unterstützung des Aufrufs, die Währung mit der Sie Geschäfte tätigen, auf die türkische Lira umzustellen, ist gewichtiger und obendrein hat es eine andere, größere Signalwirkung. Davor warnt auch Stratfor, das US-amerikanische Informationsdienst, der Analysen, Berichte und Zukunftsprojektionen zur Geopolitik, zu Sicherheitsfragen und Konflikten anbietet. 

In ihrer neuesten Analyse geht Stratfor deshalb vor allem auf die jüngsten Äusserungen Erdogans ein, in der er über ein globales Interesse spricht, sich vom US-Dollar, der Weltwährung zu lösen. Hierzu will Erdogan vor allem den Handel mit Russland, China oder dem Iran in einer anderen Währung als der US-Dollar etablieren. Dazu hat Erdogan bereits Ministerpräsident Yildirim angewiesen, dies bei seinem letzten Besuch in der vergangegen Woche in Moskau anzusprechen.

Moskau und Peking sind laut Stratfor der Idee von Erdogan gegenüber nicht abgeneigt und Erdogan selbst will seine Wirtschaft vor weiteren Krisen zumindest in einer gewissen Art schützen. Es geht dabei nicht um viel, unter anderem auf 25 Prozent der Importe aus den besagten Ländern und um rund 6 Prozent der Exporte in diese Länder, aber zumindest um einen Teil der Importe und Exporte.

Allein kann sich die Türkei vom US-Dollar nicht lösen, es würde das Land schnell einholen, erdrücken und die türkischen Lira würde noch weiter an Wert verlieren. Aber, so urteilt Stratfor, sollten weitere Länder, darunter Russland, China oder der Iran sich gemeinsam für eine ihrer Währungen entscheiden, würde das eine Kettenreaktion hervorrufen und andere Länder anziehen. Sollten genügend Länder dabei mitmachen und eine gewisse Sollbruchstelle erreichen, könnte der US-Dollar kippen, meinen die Analysten der Stratfor.

Werbeanzeige