Die Skandalisierung der "Operation Olivenzweig"

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Die Skandalisierung der "Operation Olivenzweig"

23. Januar 2018 - 21:37
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Wer auf Skandalisierung aus ist, muss sich die Frage gefallen lassen, wo denn die Solidarität mit denjenigen ist, die seit Jahren mit Gewalt, Konflikt und Zerstörung belegt werden.

Habertürk: Alle Terrororganisationen werden ausradiert

Kommentar / TP - Die türkische "Operation Olivenzweig" in Nordsyrien ist seit vergangenem Samstag angelaufen. Die militärische Operation richtet sich gegen den syrischen Ableger der berüchtigten Terrororganisation PKK, den syrischen Volksschutzeinheiten YPG. Die YPG hatte während des Machtvakuums in Syrien Kantone entlang der türkisch-syrischen Grenze ausgerufen und ging dabei gegen oppositionelle kurdische Parteien und Milizen ebenso gewalttätig vor, wie gegen die ansässige Zivilbevölkerung. Seit Jahren harren Hunderttausende Flüchtlinge entlang der türkischen Grenze aus, können jedoch ihre Häuser und Wohnungen nicht aufsuchen.

Die Türkei will das nun ändern, auch weil die unmittelbare Nachbarschaft eines Ablegers der PKK, die territoriale Integrität sowie Sicherheit des Landes ernsthaft gefährdet. Mit der "Operation Olivenzweig" will man nicht nur die Region Afrin von der YPG befreien, wenn nötig auch im Osten entlang der türkisch-syrischen Grenze die YPG vertreiben, darunter in Manbidsch. Seit Samstag ist die Operation im Gange und seit der ersten Stunde heißt es in den hiesigen Medien, dass die Türkei gegen die "Kurden" oder gegen den Verbündeten der USA vorgeht. Inzwischen wird auch die Beteiligung deutscher Panzer ins Gespräch gebracht, um energisch darauf hinzuweisen, dass die Bundesregierung nicht tatenlos zusehen darf.

Das Problem an sich ist nicht die irrationale Sicht auf die PKK oder YPG, sie u.a. als Vertreter der "Kurden" zu betrachten. Auch nicht, dass die Türkei deutsche Panzer gegen die YPG auffahren lässt. Seit Anbeginn des Terrorismus der PKK in der Türkei ist es in Europa gängige Praxis, die PKK als Vertreter der Kurden zu betrachten. Seit die YPG und mit ihr zusammen der politische Ableger, die PYD, 2003 von der PKK in Syrien gegründet wurde, hat sich auch diese Volksverteidigungseinheit aus europäischer Sicht zum Vertreter der Kurden gemausert. Vor allem ihre Frauenverbände, die mit Feminismus, Humanismus und Freiheit verklärt werden und in Ain al-Arab (Kobane) vor den Augen der Welt die DAESH bezwungen haben wollen, haben dazu beigetragen, diese Sicht zu teilen.

Ernsthaft, niemand glaubt mehr daran, dass die YPG und vor allem nicht der Frauenverband YPJ imstande gewesen wäre, Kobane ohne die massiven Luftschläge der US-Koalition zu befreien - wenn man denn von einer Befreiung sprechen kann. Als die DAESH auf Kobane vorrückte, war die Zivilbevölkerung längst in die Türkei geflüchtet oder suchte entlang der Grenze Schutz und nur die heldenhaften Kämpferinnen der YPJ blieben zurück. Als Kobane "befreit" wurde, stand die Stadt in Schutt und Asche. Der Heroisierung der YPJ tat das jedoch keinen Abbruch.

Wo immer die YPG vorrückte, mit den bombenbeladenen US-Kampfjets an der Spitze, da wuchs kein Gras mehr, stand kein Stein auf dem anderen, wurde die Zivilbevölkerung hart getroffen. Niemand hatte dabei etwas für die Menschen in den zahlreichen "befreiten" Städten übrig, die mit massiven Luftschlägen überzogen wurden. Kein Hahn krähte danach, kein politische oder zivile Institution in Europa oder in den USA hatte für diese Menschen etwas übrig.

Wo immer die YPG letztendlich die Macht übernahm, da begann die Verfolgung von Andersdenkenden. Oppositionelle wurden oder werden noch immer von der Straße weggeschnappt, landen in Gefängnissen, nicht wenige wurden oder werden erschossen. Oppositionelle Medien werden zensiert, ihre Büros geschlossen oder niedergebrannt, Journalisten flüchten in die Türkei oder verschleiern ihre Identität. Kinder und Jugendliche werden zwangsrekrutiert, ihre Familien bedroht. Die Machtfestigung beginnt also mit einer Gewaltherrschaft, die im Westen nicht angesprochen oder ausgesprochen wird.

Angesprochen wird jedoch die Lieferung von westlichen Waffen an die Türkei. Nicht die an die YPG, die teilweise so massiv aufgerüstet wurde, dass jede andere Befreiungsbewegung auf der Welt vor Neid erblassen würde. Deutsche Panzerabwehrraketen, klein- bis großkalibrige Gewehre und Granaten - das ist nur ein Teil der Lieferungen, die seit Jahren von der Bundesregierung angestoßen wurde. Erst jüngst stattete die USA die YPG mit schweren gepanzerten Fahrzeugen aus, lieferte Tonnen von Munition. Wieso bekommt eigentlich die palästinensische Hamas keine Waffen?

In Afghanistan schützt die Bundeswehr die Interessen der Bundesregierung. Die "Verteidigungslinie" beginnt also bereits am Hindukusch, Tausende von Meilen von Europa entfernt. Aber keine einzige Miliz in Afghanistan, nicht einmal die reguläre Armee wurde derart massiv aufgerüstet, wie die YPG in Syrien. Niemand von den Ländern, die an die YPG Waffen geliefert hat, kann auch garantieren, dass diese nicht gegen einen NATO-Partner - die Türkei - eingesetzt werden. Laut deutschen Medien gibt auch die YPG bzw. die PKK selbst zu, deutsche Waffen erhalten zu haben. Die Türkei wirft dass der US-Koalition seit Jahren vor.

Die Türkei soll aber als direkter Nachbar Syriens stillhalten und zusehen, wie die Macht einer Terrororganisation gefestigt wird. Würde man die derzeitigen Titelschlagzeilen der hiesigen Medien über die Türkei, mit Deutschland und mit Bezug zu Afghanistan und der Bundeswehr etwas abwandeln, würde dabei das rauskommen: "Deutschland geht gegen Afghanen vor"; "Deutschland setzt wohl US-amerikanische Panzer gegen Afghanen-Miliz ein"; "Deutschland greift Afghanen am Hindukusch an". Wie lächerlich das klingt, muss man nicht erst unterstreichen.

Die Skandalisierung ist also so weit fortgeschritten, dass man meinen könnte, dass die Bundesregierung von Medien dazu angehalten wird, die Waffen zurückzufordern. Man ist wohl der Meinung, dass die Waffen die man an die gesamte Welt ausgeliefert hat, in Museen ausgestellt werden, um die deutsche Ingenieurskunst bewundern zu können. Die Saudis stellen ihre "Made in Germany"-Waffen wohl in der Wüste aus, während Windhunde und Kamele nebenan gewinnbringend ihre Runden drehen. Die Israelis bekommen die U-Boote, damit sie nur in ihren Badewannen abtauchen dürfen, während Scud-Raketen auf sie niederprasseln. Und die Türkei hat ihre deutschen Panzer bekommen, um sich hinter ihr zu ducken, wenn die PKK oder YPG schießend vorrückt. Alles andere, was der Benutzungsanweisung der Deutschen widerspricht, ist vertragswidrig, so das Grundtenor in den Medien. 

Das kann man betrachten wie man will, auch nachträglich infrage stellen und die Lieferungen von Waffen an die Türkei von mir aus einstellen. Nicht infrage stellen kann man aber das Völkerrecht, die besagt, dass ein Land, dessen territoriale Integrität, Stabilität oder Sicherheit aus einem anderen Land beeinträchtigt wird, sich wehren darf und kann. Das hat auch die jüngste UN-Sicherheitsratssitzung gezeigt. Niemand wird der Türkei absprechen, sich zu wehren oder die eigene Stabilität die aus einem direkten Nachbarland gefährdet wird, zu sichern, notfalls durch das Eingreifen in diesem Land selbst.

Die Türkei hat lange genug und intensiv darauf hingewiesen, was das Ergebnis wäre, wenn man die YPG weiter bewaffnet oder unterstützt. Sich später auf kurdische Amazonen, "kurdische Vertreter", "zurückgeschlagene islamistische Terroristen" oder "deutsche Panzer" zu berufen, um die Operation zu diskreditieren, ist schlicht und einfach dem eigenen Versagen, Sorgfalt und der Verantwortung geschuldet. Die türkische Zivilbevölkerung ist sich darüber einig, dass die PKK, die syrische YPG und ihre politischen wie milizionären Verbände die Sicherheit des Landes gefährden. Die türkischen Medien teilen diese Auffassung. Ihre Meinung zählt und wird durchgesetzt, nicht die des Westens, die Tausende Meilen entfernt zum zuschauen degradiert wurde. Wie richtig die Türkei damit liegt, zeigen auch die Zehntausenden syrischen Kämpfer der Freien Syrischen Armee sowie die Zivilbevölkerung in der Region Afrin.

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O

Schon am Anfang so eine dumm polemische thematische Gegenüberstellung. Schon in der Gegenwart ihrer Artikel merke ich wie ich verblöde. Sicher haben sie auch Recht. Gewalt ist niemals gut zu heißen. Aber zu versuchen den eigenen Fehler den man bei anderen beklagt gut zu heißen während man ihn begeht.... zudem finde ich ihre Aussagen weder von ihen belegt, glaubwürdig noch reflektiert(typisch) Aber ich weiß das Andersdenkende in ihrem Land verfolgt werden und noch schlimmeres. Bitte gehen sie doch in die Türkei zurück. Andersdenkende dürfen dann gerne in dieses Land kommen. Faschistoide Irre hatte Deutschland schon genug.

Jetzt gefährden sie nicht nur die Sicherheit, sondern sie werden gefährlich. Kein Mensch mit gesundem Verstand wird es ihnen verdenken. 

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Bild von Aslan

...ausweiten soweit notwendig.

YPG/PKK samt Unterstützer global ausmerzen.

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