Die Afrin-Fondation und ihre Bringschuld

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Die Afrin-Fondation und ihre Bringschuld

08. Februar 2018 - 01:01
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Sie lügen dreist, sind unverschämt und führen sich auf, als wären sie die Messlatte, an der man Demokratie, Moral und Ethik herleiten kann. Dabei sind sie selbst noch immer in der Bringschuld, die Afrin-Fondation: ein Sammelsurium von sogenannten Humanisten, Demokraten oder Freidenkern. So u.a. Pixelhelper, Abgeordnete des EU-Parlaments oder vereinzelte Persönlichkeiten, die solidarische Grüße gegenüber einer Terrororganisation als besonders wirksam erachten. Dabei haben sie nicht den Bums dazu, die wirklich dringenderen Fragen aufzuwerfen und das ist bezeichnend für diesen Schlag von Mensch.

UNFPA-Syria ‏- Karte über die syrischen Flüchtlingsströme in Syrien

Kommentar / TP - Sie beherrschen die Kunst des Lügens, sind darüber hinaus unverschämt, führen sich anno dazumal auf wie Kolonialherren, die mit spitzem Bleistift neue Grenzen schaffen wollen: die Afrin-Fondation nenne ich sie mal. Ein kunterbunter Haufen von sogenannten Humanisten, Demokraten oder Freidenkern. Just als die Türkei schlussendlich ihren Drohungen gegenüber der YPG im Distrikt Afrin in Nordsyrien auch Taten folgen lässt, da lamentieren sie über angebliche in Deutschland ansässige Moschee-Agentenherbergen, Morden im genozidialen Ausmaß in Nordsyrien an "Kurden" - da ist der syrische Bürgerkrieg bereits mehr als ein Jahrzehnt alt - und verhehlen auch nicht, wem man dabei den Daumen drückt. Dabei haben Sie aber nicht den Bums, nicht die moralische Stärke, die wirklich dringenderen Fragen aufzuwerfen.

Mit dem Gewissen der Menschen wird gespielt, wenn unreflektiert und obsessiv gegen eine bestimmte Religionsgemeinschaft gehetzt wird und Lügen verbreitet werden. Der Vorwurf richtet sich z.B. an die Macher von Pixelhelper, einer gemeinnützigen Vereinigung von sogenannten Künstlern, die Recht und Freiheit aus Marrakesch heraus verteidigen wollen. Sie sind meines Befürwortens dort auch gut aufgehoben - ist ja eine konstitutionelle Monarchie.

Pixelhelper hat erneut eine Kampagne gestartet, in der die Religionsgemeinschaft DITIB  und die Türkei mit Licht und Schattenspielen sowie absurden Beschuldigungen ins Fadenkreuz genommen wird. Auf die konkreten Vorwürfe gehe ich auch nicht mehr ein. Weder die DITIB noch die Türkei müssen sich für irgendetwas rechtfertigen, die man ihr lediglich vorwirft, jedoch nicht bekräftigen, geschweigeden Beweisen kann.

Wenn jemand handfeste Beweise hat, dass die DITIB gegen geltendes deutsches Recht verstoßen hat, der kann sein Recht in Anspruch nehmen und Anzeige erstatten. Alles andere ist nur die Sau durchs Dorf treiben. Übrigens, wer die DITIB und ihre Ansichten oder Meinungen nicht aushalten kann, in einer freiheitlichen Demokratie, der kann sich gerne ebenfalls in Marrakesch niederlassen. Schließlich hält die DITIB seit Jahren Brandanschläge auf Moscheen, Angriffe auf Moscheebesucher auch aus - und dabei spreche ich die verbalen Entgleisungen erst gar nicht an. Ob sie von YPG/PKK-Aktivisten, Linksextremisten oder Rechtsextremisten ausgeführt werden, steht auch nicht mehr zur Debatte, sie alle haben ihren Anteil daran.

Wenn jemand meint, dass die Türkei in Nordsyrien einen Völkermord begeht - allein die Anschuldigung ist aufgrund des kurzen Zeitraums eine Frechheit an sich - der kann sich gerne an die UN oder an den Internationalen Strafgerichtshof wenden.

Diese Floskeln hinter der man sich stets versteckt, wie Antirassismus, Religionsfreiheit, Feminismus, sie sind doch nur dazu da, andere Meinungen im Keim zu ersticken, die Rechte des Anderen zu unterhöhlen, ihnen das nicht zuzugestehen, was sie für sich selbst in Anspruch nehmen und vehement verteidigen.

Ihre Solidaritätsbekundungen gegenüber Afrin, den "Kurden" nehme ich nicht ab, weil sie erst einmal selbst beweisen müssten, ob sie der DITIB, der Türkei oder den Türken genau dieselbe Solidarität zukommen lassen, wenn Menschen sterben, weil irgend welche stalinistischen Gesinnungsgenossen allein das Türkendasein als Fixpunkt nehmen, um sie zu erschießen, in Fetzen zu zerreißen oder abzufackeln. Und wenn sie doch einseitig sein wollen, dann müssten sie es anhand anderer dringenderer Fälle unter Beweis stellen.

All jene haben eine Bringschuld zu leisten, in anderen dringlicheren Fragen, die derzeit über die Türkei und deren Handeln in Nordsyrien lamentieren oder eine türkische Religionsgemeinschaft alles Mögliche andichten. Ich werfe all jenen konkret unterlassene Hilfeleistung vor: z.B. für die Enklave Gazastreifen. Seit Jahrzehnten werden dort Menschen unter unwürdigsten Bedingungen in einem engen Korridor festgehalten und können weder vor den Bomben, noch vor den täglichen Zugriffen der israelischen Armee fliehen. Es gab bislang zwar eine Projektion der Pixelhelper auf eine israelische Vertretung in Europa, aber die hatte wohl weniger ein mediales Interesse als die gegenwärtige. Ich Frage: Warum?

UPDATE: Oliver Bienkowski von Pixelhelper hat mich [Nabi Yücel] nach der Veröffentlichung des Artikels über ein Projekt zum Gazastreifen informiert. Ich halte dass den Pixelhelpern gut und habe das entsprechend berichtigt. Sie können für den Umstand, dass das Projekt medial nicht aufgegriffen wurde, wenig. Der Erfolg eines Projekts hängt auch davon ab, welche Resonanz sie bei den Medien erreicht - dass das gegenwärtige von den Medien mit Handkuss aufgenommen wird, zeigt jedoch, woher der Wind weht.

Kein einziger EU-Abgeordneter hat sich in einer Gruppe genauso solidarisch gegenüber den "Kurden" in Afrin gezeigt wie für die "Palästinenser" im Gazastreifen und trug z.B. im EU-Parlament einen Kufiya um den Hals. Wieso?

Es gibt keine einzige Projektion der Pixelhelper in Europa, die auf künstlerische Art die Schändungen, Brandanschläge und Übergriffe auf Muslime aufmerksam machen und die Gemeinschaft aufrütteln. Dafür aber umsomehr über die Türkei. Wieso?

Kein Abgeordneter in Europa hat das bislang in irgendeinem Nationalparlament konkret zur Aussprache gebracht. Wieso sterben noch immer täglich Dutzende Flüchtlinge im Mittelmeer die Schutz und Freiheit suchen? Warum schweigt man hier vehement? Wieso errichtet man Enklaven an der nordafrikanischen Küste oder in der Türkei und lässt die Flüchtlinge dort auflaufen? Weshalb baut man europaweit die Grenzen aus? Grenzenlos ist nur die eigene Ignoranz dieser Wertevertreter.

Wo ansonsten die gesamte EU-Politprominenz auf jede verbale Entgleisung innerhalb einer muslimisch-geprägten Gruppierung im Gleichschritt empört reagiert, wenn es um Antisemitismus geht und konkrete Gegenmaßnahmen fordert, da hört man bei antiislamischen oder politisch-motivierten Anschlägen nicht einmal mehr ein Raunen. Warum?

Ich sag’s euch: Es ist dieselbe Arroganz und Heuchlerei, die selbe Doppelmoral und Überheblichkeit, die in der Vergangenheit dafür gesorgt hat, dass neue Grenzen entstehen. Sie haben damit gezeigt, wie hochentwickelt ihre Kultur ist, ihre Errungenschaften eine Hochkultur ist, eben das Maß aller Dinge, an die man sich gefälligst zu halten hat.

Eigentlich ist es ein Armutszeugnis für diese hochentwickelte westliche Welt, dass sich die Türken oder die Türkei auch noch als NATO-Partner und EU-Beitrittskandidat gegenüber diesen Herrenmenschen überhaupt rechtfertigen oder erklären muss. Wenn die Türkei und damit das Volk und ihre Vertreter meinen, dass in der unmittelbaren Nachbarschaft entlang einer Hunderte Kilometer langen gemeinsamen Grenze eine Terrororganisation existiert, dann wird die türkische Armee genau das tun, wofür Armeen geschaffen wurden: Ordnung und Recht durchsetzen, so wie am Hindukusch, im Irak oder in Mali. Da helfen auch keine Diashows, Lügen, Diffamierungen oder solidarische Bekenntnisse gegenüber einer Terrororganisation. Es festigt nur die Meinung vieler Türken, dass die europäischen Wertevertreter etwas anderes im Schilde führen, als Frieden zu stiften.

Wie wirksam so ein Einmarsch türkischer Truppe im Beisein der Freien Syrischen Armee (FSA) sein kann, darüber berichtete jüngst das UN-Hochkommissariat für humanitäre Entwicklung (OCHA). Die Karte über die Entwicklung der Ströme von syrischen Binnenflüchtlingen offenbart, wohin die Menschen fliehen, um Schutz und Sicherheit zu finden: ausgerechnet in die Gebiete, die derzeit vom türkischen Militär kontrolliert werden. Die Binnenflüchtlinge wissen anscheinend mehr als die sogenannten Friedensaktivisten, Demokraten, Humanisten und Freidenker.

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E

Weil sie dort sicher sind, und nicht dem Angriffskrieg der türkisch nationalistischen Horde und den türkischen FSA Söldnern mit ihren Luftschlägen zum Opfer fallen. Oder sollen Sie zwischen dem Kugelhagel mit weißem Fähnchen wandeln. Sie waren nie im Krieg, nie!

Fliehen können auch nur Menschen die nicht gleich als Terrörist definiert werden. Was ja mittlerweile sehr vielen unterstellt wird.

Ein Grenzregion baut man im eigenen Land auf und nicht in anderen. Erdogan zerstört das Ansehen der Türkei nicht nur im Westen damit.

Er nimmt gerne auch eigene gefallene Soldaten als Propagandamittel in kauf.

Nationalismus hat den deutschen auch nicht gut getan und wird immer nur wenigen Einzelnen nutzen, nie jedoch dem Volk.

Bild von Redaktion

als vor dem türkischen "Angriffskrieg". Sie widersprechen sich selbst. Erstens werden diese Zonen durch FSA-Milizen gesichert, die türkischen Soldaten betreiben Zonensicherung an den äusseren Verläufen. Zweitens hat jeder Konflikt das Potential, dass Zivilisten sterben, was niemand beabsichtigt, jedoch auch konkret nicht zusichern kann, weil die Gegenpartei ebenfalls angehalten ist, Zivilisten zu schützen. Treibt man sie jedoch vor sich her, mischt sich unter sie oder benutzt sie quasi als Schutzschild, dann wird es, wie wir es bei der Terrormiliz IS in Ar-Raqqa oder Mossul erleben konnten, ausgesprochen gefährlich für Zivilisten. Zudem, die Türkei baut keine Grenze auf, sie versucht mit anderen Playern sichere Zonen zu schaffen. Mit dem Part Nationalismus sind wir uns wohl einig. Die Frage lautet nur, ob die PYD/YPG das auch verstanden hat, was Nationalismus auslösen kann und sie betreiben es ziemlich freizügig. 

R

Kein einziger EU-Abgeordneter hat sich in einer Gruppe genauso solidarisch gegenüber den "Kurden" in Afrin gezeigt wie für die "Palästinenser" im Gazastreifen und trug z.B. im EU-Parlament einen Kufiya um den Hals. Wieso?

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