Türkische Auswahl bei EM-Leichtathletik 2016 in Kritik

Lesezeit
2 Minuten
Gelesen zu

Türkische Auswahl bei EM-Leichtathletik 2016 in Kritik

Juli 10, 2016 - 17:06
Kategorie:
1 Kommentare

Die Auswahl der türkischen Leichtathletik-Mannschaft bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam stößt auf harsche Kritik. 16 von 48 im türkischen Kader sind Migranten, die jetzt den Medaillenspiegel noch vor Deutschland anführen. Das führt zu heftiger Kritik, nicht nur aus England.

Amsterdam / TP - Die Auswahl des türkischen Kaders während der Leichtathletik-EM 2016 in Amstderdam ist am letzten Tag Thema in Europa geworden. Vier mal Gold, 5 mal Silber, 1 mal Bronze - das ist die Bilanz der Türkei nach 4 Tagen Leichtathletik-Wettbewerb in Amsterdam. Damit führt das türkische Leichtathletik-Team den Medaillenspiegel noch vor Deutschland und Großbritanien. Besonders hier ist die Verärgerung groß. Die "Bild" titelt "Ärger um die kuriose Weltauswahl der Türkei" während in Großbritanien die türkische Auswahl in der "Telegraph" als "empörend" betitelt wird. Dass die Medaillen-Bilanz bei den Teams aus Deutschland und Großbritanien nachwievor durch Sportler aus den selben Abstammungsländern so hoch ausfällt, wird dabei nicht berücksichtigt, kommentiert jetzt die türkische Tageszeitung Yenicag. Die Sabah schreibt nach etlichen europäischen Medienberichten, dass die europäischen Leichtathleten wohl Neid und Missgunst verspüren, schliesslich habe die Türkei mit der Einbürgerung von 16 Leichtathleten auch den Konkurrenzkampf verstärkt.

Das spüren nicht zuletzt die Leichtathleten selbst, die sich mit Silber, Bronze oder gar keiner Medaille zufrieden geben müssen. "Es ist wirklich ein Witz. Ich glaube nicht, dass Leute von Land zu Land hüpfen sollten, nur weil ihnen danach ist", sagte die Irin Fionnuala McCormack, die beim Sieg der in Kenia geborenen Yasemin Can, früher Vivian Jemutai, nur Vierte über 10.000 Meter geworden war: "Es ist mehr als frustrierend, ich habe es satt." Und auch aus dem Deutschen Leichtathletik-Verband kommt die Kritik nicht zu kurz. "Wir sehen das sehr kritisch", sagte Präsident Clemens Prokop vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) zu den vielen Nationenwechseln: "Wir werden auch beim außerordentlichen IAAF-Kongress im Dezember einen Antrag stellen, dass der Missbrauch des Staatenwechsels bekämpft wird. Denn wenn ein Wechsel zum Wirtschaftsgut wird, leidet die Leichtathletik." 

Mehmet Lüleci, einer der Trainer des türkischen Leichtathletikverbandes erklärte dagegen, er sehe der Kritik gelassen gegenüber. Nur durch die Einbürgerung und Unterstützung sei es den Sportlern erst möglich, ihr Potential unter Beweis zu stellen. In Amsterdam hätten die Sportler die türkische Leichtathletik-Föderation nicht enttäuscht und damit auch gezeigt, wie wichtig es ist, Sportler zu unterstützten die in ihren Abstammungsländern ansonsten keine Chance gehabt hätten, bei solchen Ereignissen teilzunehmen. Dass die Türkei dabei ebenfalls ins Blickfeld geriete, sei überaus normal. Schliesslich habe die Türkei bei solchen Sportveranstaltungen eher das untere Feld des Medaillenspiegels angeführt, sagte Lüleci weiter. Aus seiner Sicht müssten die europäischen Verbände sich eher Gedanken darum machen, was sie in Rio de Janeiro während der Olympischen Spiele vorbringen, um die Leistung der türkischen Sportler unabhängig ihrer Herkunft nicht zu würdigen.

Im türkischen Kader nehmen an der Leichtathletik-EM 2016 in Amsterdam 2 Sportler aus Jamaika, 1 Sportler aus Aserbaidschan, 7 aus Kenia, 1 Sportler aus der Ukraine, ein Sportler aus Kuba, 3 aus Äthiopien sowie eine Sportlerin aus Südafrika teil, die die türkische Staatsbürgerschaft besitzen. Im Vergleich dazu starteten bei der EM 2016 in Amsterdam für Deutschland rund 10 Sportler mit afrikanischen Ursprung.
 

Es ist 1 Kommentar vorhanden

Werbeanzeige