Von der Leine gelassen: Volker Beck

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Von der Leine gelassen: Volker Beck

19. März 2018 - 19:10
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Der Grünen-Politiker Volker Beck versucht sich als Rechtswissenschaftler, Islam- und DITIB-Experte zu profilieren, wobei er mitunter immer mehr den Eindruck erweckt, ausser Kontrolle geraten zu sein.

Von der Leine gelassen: Volker Beck

Kommentar - Der Grünen-Politiker Volker Beck ist ausser Kontrolle geraten. Als einer der eine andere soziale Normvorstellung anstrebt, als die der Mehrheitsgesellschaft und der türkischen Gemeinde, profiliert er sich zunehmend erfolgreich als Rechtswissenschaftler, Islam- und DITIB-Experte.

In Zeiten der Islamophobie, wo in der Mehrheitsgesellschaft "Experten" mit Schweinsköpfen Moscheegelände zu entweihen versuchen, nichtmuslimische Meinungen über den Islam in sozialen Netzwerken bereits als Expertenmeinung durchgehen, versucht sich Volker Beck derzeit auch darin, als "Experte" für Rechts- Islam- und DITIB-Fragen einzusetzen. 

In kurioser und fast schon an Fanatismus angrenzender Arroganz versucht sich Beck derzeit an der "Siegessure", weil diese Sure aus dem Koran nach seiner überzeugten Meinung in sämtlichen DITIB-Gemeinden, die der DITIB-Zentrale in Köln angeschlossen sind, gebetet wird, um einen siegreichen "Feldzug" in Nordsyrien zu wünschen. Dabei bezieht sich Beck auf einen Tweet des Berliner Attaches der Religionsbehörde der Türkei Diyanet.

Darin werden die türkischen Muslime dazu aufgerufen, für die Operation zu beten, die sich gegen den Terror richtet, um das Sicherheitsbedürfnis und den Frieden zu sichern. Als Gebet wird empfohlen, vor und nach dem Morgen- und Mittagsgebet die "Fetih Sure" zu beten. Ferner bittet man im Tweet den "Schöpfer" anzubeten, den Staat, die Soldaten und das Volk zu schützen, ihnen beizustehen, Erfolg zu bescheren.

Was Beck jedoch nicht erwähnt, verschweigt oder, was wohl wahrscheinlicher ist, darüber keine Kentniss hat ist, dass die Fetih Sure bei jeder Gelegenheit rezitiert wird. Bei jedem Wunsch den man hat, damit es von Erfolg beschieden ist oder für sich Gesundheit wünscht oder wenn man selbst oder jemand in Not ist, wenn man als Frau verheiratet sein will und noch immer keinen weißen Ritter fand.

Sie wird rezitiert, um das existenzielle Sicherheitsgefüge, die in der Türkei aber auch in Nordsyrien aufgrund der letzten schweren Terroranschläge und mit über 700 Übergriffen im türkischen Grenzgebiet schwer angeschlagen ist, zumindest als Gemeinschaft und im Glauben daran, Gerechtigkeit walten zu lassen, Frieden zu schaffen und zu sichern, wieder auf ein Mindestmaß zu bringen, die das Sicherheitsempfinden erfordert.

Wenn die Diyanet oder das Attache wirklich nur darauf ausgewesen wären, den Soldaten einen Erfolg herbeibeten zu lassen, so z.B. für einen "Angriffskrieg", hätte sie explizit erwähnen müssen, dass die türkischen Muslime in Deutschland beim Morgengebet diese besagte Fetih Sure 1001-mal aufsagen müssen. Hat sie das? Nein! Überdies, wer hat es auch nötig? Die zweitgrößte Armee der NATO?

Aber für Volker Beck bedeutet die "Siegessure" gleichbedeutend mit Herrschaft, Gewalt, Kampf, Zerstörung, Verfolgung Unschuldiger, weshalb dem sein besonderes Interesse gilt. Nein, die Sure wird von Türken im In- oder Ausland, nicht wie hier in Deutschland kolportiert für den "Sieg gegen Kurden" rezitiert, sondern für die Antiterror-Mission und die Soldaten, damit ihr Erfolg beschieden ist und die Soldaten unbeschadet zurückkommen, wenn sie Sicherheit gewährleistet, Frieden gesichert, "Flüchtlingshilfe" geleistet haben. 

Dafür haben die hiesigen türkischen Muslime gebetet und nicht dafür, dass die "glorreiche Armee" mordend und schatzbrandend durch Nordsyrien fegt. Dafür kann man keinen einzigen Türken gewinnen. Ausser Beck meint, die Türken hätten diese Sozialization im Gen. Das ist abgrundtief zu verurteilen und zeigt, wessen geistes Kind er selbst ist.

Und etwas ist bei Beck in diesem Zusammenhang mit dem Gebet für Soldaten augenscheinlich relativ unproblematisch: dann, wenn die christliche Kirche in Deutschland während der alljährlichen Soldatengottesdienste nach ihrer sozialen Normvorstellung hinter der Blume heraus den "Friedensstiftern", sprich Soldaten oder Polizisten, in ihren jeweiligen Auslandseinsätzen wünscht, für Sicherheit und Frieden zu stehen, als "Flüchtlingshelfer" "Frieden" zu stiften.

Was an beiden Gebeten derart verwerfliches sein soll, welche Unterschiede es bei den jeweiligen Auslandseinsätzen der Bundeswehr und der TSK (türkische Streitkräfte) geben soll, erschließt sich mir und vielen türkischen Gläubigen nicht. Es ist auch nicht ersichtlich, dass die DITIB an und für sich eine deutsche Religion repräsentiert - O-Ton Heimatminister Horst Seehofer: "Islam gehört nicht zu Deutschland" -, was aber Beck unbeirrt dennoch als "Deutsch" zu verstehen und zu Wissen glaubt. Daran kann er Glauben, wenn die DITIB als solche auch anerkannt wird.

Die DITIB ist aber keine anerkannte Religionsgemeinschaft nach deutscher Verfassung, weil die Politik sich dabei genauso plump verhält wie ein Volker Beck, der dies zu verhindern versucht. Dabei hat er noch nicht kapiert oder es ist ihm wohl bewusst, dass die meisten türkischen Muslime in Deutschland die DITIB-Moscheegemeinden repräsentieren, sie ein Spiegelbild der DITIB selbst sind. Das gilt im übrigem auch für die IGMG- oder ATIB-Moscheen.

Geht es um die Mission in Nordsyrien an sich, hat Volker Beck auch hierfür eine klare Antwort: "Völkerrechtswidrig" und obendrein ein "Angriffskrieg". Das ist seine persönliche Meinung, nicht die der meisten Türken und Türkischstämmigen. Nicht nur ein Islam-Experte, auch noch ein Rechtsexperte in internationalen Angelegenheiten, wo sich Professoren noch heute nicht im klaren sind, welches wohl eher zutrifft. Geht es nach dem Völkerrechtler Pierre Thielbörger, hat die Türkei, die seit dem 20. Januar eine Antiterror-Operation im nordsyrischen Distrikt Afrin führt, "durch diese räumliche Nähe die Berufung auf das Recht auf Selbstverteidigung" und auf den ersten Blick sind sie durchaus "glaubhafter als im Fall der Anti-IS-Koalition." 

Jetzt fragt man sich als Türke, was Beck zu all den "völkerrechtswidrigen" Auslandseinsätzen der Bundeswehr zu sagen hat, vor allem in Nordsyrien, deren Mandat erneut verlängert wurde. Um zum zweiten: was hat er zum internationalen Soldatengottesdienst zu sagen, die alljährlich in Köln bzw. Bayreuth abgehalten wird? Wird man sich als Regierung von der Kirche distanzieren, kein Partner mehr sein?

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EB

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Bild von gr3y

Seit wann darf sich denn hier ein Politiker anmaßen sich ein Urteil über den Wahrheitsgehalt von einem Journalistischen Inhalt zu fällen?

Zumal der Volker vollkommen daneben liegt, ist seine Einmischung völlig unangemessen, vor allem, wenn er selbst mit dem blanken Finger auf andere zeigt, die das gleiche machen als er!

Volker ist einfach nur widerlich und abartig und ein Grund mehr, das die Grünen für uns Türken unwählbar geworden sind. Jetzt müsste ein neuer Artikel erscheinen "Bei VolkerBeck wird die Wahrheit verdreht".

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C

warum können die moscheen nicht sagen, dass sie dazu stehen für die türkischen soldaten zu beten. was genau ist daran so schlimm. beten deutsche kirchen gegen ihre soldaten? die diskussion ist völlig absurd, man möchte wohl erreichen, dass die türkische gemeinde sich völlig von der türkei abseilt. das können sie sich abschmieren. nur weil ein paar ehemalige drogenkonsumenten und pädophile sich mit terroristen solidarisieren heisst es nicht, dass das beten der gläubigen türken falsch ist. ausserdem ist die ditib eine türkische einrichtung. niemand regt sich über orthodoxe griechische oder armenische kirchen auf, die es in deutschland auch gibt. die werden mit sicherheit nicht gegen das jeweilige heimatland beten. 

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EB

"beten deutsche kirchen gegen ihre soldaten?"

Ja, und zwar jedes Jahr. Bei der Soldaten-Gedenkgottesdienst. 

Sind halt widerwärtige Heuchler. 

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Bild von Aslan

...ergänzt sich hierzulande mit pkkurdifizierung zu einem ganz besonderen Zeitgeist.

 

Den dreisten Gesinnungs- und Psychoterror, der in Deutschland gegen Türken betrieben wird, kann man schon seit längerem feststellen.

Soweit es Beck in diesem Zusammenhang zu seinen öffentlichen Äußerungen ggb. der DITIB samt der jeweiligen Gemeinden und ihrer Mitglieder angeht, handelt es sich wohl um den Straftatbestand der Volksverhetzung.

Ich bin zwar kein Jurist, denke aber dem ist so.

Vielleicht kann jemand Entsprechendes veranlassen?

Abgesehen davon muss man sich auch hierzulande nicht jedem Hans und Franz und Frauke oder sonst wem ggb. rechtfertigen.

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