Lehrblätter vergleichen Erdoğan mit Nazi-Regime

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Lehrblätter vergleichen Erdoğan mit Nazi-Regime

22. Januar 2017 - 22:35
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In immer mehr Lehrbüchern und Arbeitsblättern deutscher Bildungsstätten werden Vergleiche zwischen dem türkischen Staatspräsidenten Erdoğan und dem Nationalsozialistischen Regime in Deutschland gezogen, sollen Schüler anhand von Medienberichten ihre Meinung vorbringen. Inzwischen spricht man in der türkischen Community von gezielter Indoktrination der Schüler.

Lehrblätter vergleichen Erdoğan mit Nazi-Regime

Kommentar / TP - "Erdoğan auf dem Weg zur Allmacht?“ Diese Frage wird in Deutschland seit dem Putschversuch in der Türkei medial kontrovers diskutiert. In deutschen Klassenzimmern wird die Antwort inzwischen vorgegeben, während der sogenannte türkische Konsulatsunterricht in den Fokus gerückt und heftig kritisiert wird. Angeblich würden die türkischen Lehrer die Schüler der Deutschtürken und Türken indoktrinieren.

Auf Arbeitsblättern, z.B. des Schulbuchverlages „Westermann“ für den Politikunterricht der Jahrgangsstufen 9 bis 13, wird Erdoğan den Schülern als Despot und Diktator vorgestellt und es sind inzwischen mehrere Fälle bekannt, wonach LehrerInnen ihre Arbeitsblätter entsprechend des medialen Diskurses einseitig vorgeben, so dass die Schüler dazu nur eine richtige Antwort geben können. Bislang hat die Diskussion darüber, inwiefern man aussenpolitische Themen einseitig aufarbeitet und Schülern vorgibt, nur die MIGAZIN aufgegriffen:

„Erdoğans Strategien des Machtausbaus“ würden „gewisse Gemeinsamkeiten mit der Situation nach dem Reichtagsbrand 1933 aufweisen“, heißt es in den Lehrmaterialien. Ergänzt wird der Textteil mit einer Karikatur aus einer britischen Tageszeitung „The Guardian“. Darauf ist Erdoğan zu sehen, wie er ein Hakenkreuz an die Stelle des Halbmondes auf der türkischen Fahne malt. Auf einer weiteren Abbildung der britischen Wochenzeitschrift „The Economist“ prangt die Titelstory „Democrat or sultan?“. Die Antwort auf die rhetorische Frage liefert das Magazin gleich mit: Auf dem Foto ist Erdoğan im Sultanskostüm abgebildet. [...]

Die Grundsätze für die politische Bildung im Schulunterricht sind im sogenannten „Beutelsbacher Konsens“ festgelegt. Danach soll das, was in der Gesellschaft kontrovers diskutiert wird, auch in der Schule „kontrovers“ dargestellt werden. Der Beutelsbacher Konsens weist ausdrücklich darauf hin, dass es nicht erlaubt ist, Schüler im Sinne einer erwünschten Meinung zu überwältigen und damit an der „Gewinnung eines selbstständigen Urteils“ zu hindern.

Warum das Bildungsministerium diese Lehr- und Propagandamaterialien freigibt und seinem Prüfungsauftrag nicht nachkommt, ist schleierhaft und bislang auch medial nicht erörtert worden. Welchen Einfluss hat das Schulministerium auf die Lehrmaterialien? Vor allem, weshalb werden LehrerInnen selbst aktiv tätig, in dem sie solche politische Aktivitäten in allgemeinen Bildungseinrichtungen einbringen?

So eine Bildungsarbeit nennt man auch "Indoktrination". Was sehr beunruhigt ist, dass derartiges Schulmaterial vom Bildungsministerium selbst freigegeben wurde. Möchte man damit bewusst die Schüler und damit unsere Zukunft gegeneinander ausspielen, sie polarisieren,  und um das zu verstärken, den sogenannten Konsulatsunterricht für die Muttersprache türkisch in deutschen Schulen verbieten?

Bundesweit nehmen gegenwärtig etwa 40.000 Schüler diesen freiwilligen muttersprachlichen Unterricht in türkisch wahr, der von mehr als 500 türkischen Lehrern  unterrichtet wird. Bislang gibt es zwar keine Anzeichen dafür, erklärt die Bildungsforscherin Ursula Neumann von der Universität Hamburg nach Informationen der Süddeutschen, doch es gebe die Sorge darüber, dass sich dies ändert. 
 

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KG

Der grosse Unterschied zwischen der Türkei heute und Deutschland um 1933:

Deutschland bereitete einen Krieg vor, der die Grenzen ausweiten und "Lebensraum" schaffen sollte.Gegner wurden zu "Untermenschen" erklärt, andere "Rassen" getötet.

Die Türkei, ein Land das 13 Ethnien zu einem Volk vereint, will nur ihre Grenzen sichern und kämpft gegen die Abspaltung von Regionen und für die Einheit des Staates.