In Manbidsch gärt es unter der kurdischen SDF-YPG

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In Manbidsch gärt es unter der kurdischen SDF-YPG

20. Mai 2018 - 16:32
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In der nordsyrischen Stadt Manbidsch sorgen Zwangsrekrutierungen, willkürliche Verhaftungen, hohe Steuerabgaben und Druck immer wieder für Ärger und Proteste unter der Bevölkerung. Laut syrischen Beobachtern haben seit dem Wochenende zahlreiche Geschäfte aus Protest ihre Rollläden geschlossen gehalten.

In Manbidsch gärt es unter der kurdischen SDF-YPG

Gaziantep / TP - Die wichtigste Miliz des Bündnisses der PKK-nahen kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) unter der Fahne der sogenannten Demokratische Kräfte Syriens (SDF), stößt im mehrheitlich von Kurden, vereinzelt verbliebenen Arabern und Turkmenen besiedelten Region Manbidsch auf Skepsis und zunehmende Ablehnung. 

In Manbidsch wirft man der SDF-YPG seit längeren separatistische Bestrebungen und Menschenrechtsverletzungen vor. Immer wieder sorgen Zwangsrekrutierungen, willkürliche Verhaftungen, hohe Steuerabgaben und Druck für Ärger und Proteste gegen den von der YPG installierten Manbidsch-Militärrat (Manbij Military Council). Die Friedlichkeit und Geschäftigkeit ist trügerisch, auch wenn vom dominierenden politischen Akteur PYD gegenteiliges verlautbart wird. 

Nach Einbruch der Dunkelheit, so erzählen die Menschen, traut sich niemand mehr auf die Straße. Dann stirbt alles öffentliche Leben erneut. Viele haben Angst, dass sie vom Fleck weg von der YPG verhaftet und zwangsrekrutiert werden und Oppositionelle wagen sich kaum noch öffentlich zu zeigen, geschweigeden ihre Meinung kundzutun. Vor den syrischen Aufständen im Jahre 2011 gab es etwa 19 verschiedene kurdische Parteien in Syrien, heute ist nur noch die PYD die dominierende politische Macht in Nordsyrien, die zudem über ihre eigene bewaffnete Miliz, der YPG, verfügt. Niemand ist daher vor ihnen sicher, viele sind in die Türkei oder ins Ausland geflogen. 

Die PYD hat sich einfach militärisch gegenüber andere Parteien durchgesetzt, so Jian Omar, der seit 2006 in Deutschland lebt und sein Master in Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin gemacht hat. Seinen Angaben zufolge haben die PYD Waffen und Unterstützung von der Terrororganisation PKK bekommen. Seit geraumer Zeit werden sie auch im Rahmen des Kampfes gegen die Terrororganisation IS von den USA unterstützt. Sie haben ihre Rivalen einfach bekämpft und keine kritischen Stimmen zugelassen. Sie kriegen Unterstützung von verschiedenen Ländern, daher haben sie auch die Oberhand, so Omar weiter. 

Doch wie lange kann man eine Bevölkerung derart belasten? Nicht erst seit dem Wochenende sorgen die Verhaftungswellen, Zwangsrekrutierungen und hohe Steuerzahlungen für Ärger und Proteste in der Region Manbidsch. Bereits zuvor flammten Proteste auf, die jedoch mit Gewalt niedergeschlagen, Anführer verhaftet und laut Menschenrechtsorganisationen ermordet oder weggesperrt wurden. Bislang setzte sich die PYD sowie der Militärrat in Manbidsch damit durch, doch die noch verbliebene Bevölkerung will das nicht mehr weiter akzeptieren. Seit dem Wochenende haben zahlreiche Geschäfte im Rahmen eines Generalstreiks ihre Rolläden aus Protest unten gelassen und zeigen damit deutlich ihren Ärger über die Zustände auf. Laut derzeitigen Berichten versuche die YPG die Inhaber unter Druck zum eröffnen ihre Geschäfte zu bewegen oder breche die Läden selbst auf.

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C

Erst kürzlich hat Israel über 50 Demonstranten getötet und über tausende angeschossen. Die Reaktion aus Europa ist verhallt und schon vergessen. Die werden auch nichts tun oder kritisieren über das was in Syrien vorgeht. 

Will man Europa dazu bewegen, sich aus dem Nahen Osten herauszuhalten so muss man ihm den Schaden zufügen, den er dieser Region zufügt. Das geht natürlich am Besten über das Geld. Daher verstehe ich immer noch nicht, warum die Türkei oder auch die anderen muslimsichen Länder die Grenzen Europas schützen. Das Geld, dass die im Gegenzug erhalten kann das Leid, dass ihnen zugefügt wird niemals kompensieren. 

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