Politruks wollen Özil und Gündogan auf politische Linie bringen

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Politruks wollen Özil und Gündogan auf politische Linie bringen

13. Juni 2018 - 22:38
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Die Causa Mesut Özil und Ilkay Gündogan bleibt das bestimmende Thema bei Polittrolls und Politruks, um den Kommissarbefehl durchzusetzen: Kniefall oder ab nach Hause, heißt die Devise.

Kai Traemann, Mitglied der Chefredaktion der BILD

Kommentar - Die Causa Mesut Özil und Ilkay Gündogan bleibt weiterhin das bestimmende Dauerthema bei Polittrolls und Politruks* in Deutschland, um in letzter Konsequenz den Kommissarbefehl durchzusetzen. Für die beiden Nationalspieler gibt es nach deren Ansicht nur zwei Optionen: Kniefall oder ab nach Hause, diese Optionen und keine weitere, oder man wird standrechtlich zurechtgepfiffen - zunächst jedenfalls.

Mesut Özil verweigert jedoch den Kniefall, will während des gesamten WM-Turniers in Russland zur Fotosession mit Erdogan nichts sagen. Ilkay Gündogan hat nur klargestellt, dass er, Özil und andere Sportler Erdogan auf der Veranstaltung einer türkischen Stiftung getroffen hätten, die türkische Studenten im Ausland fördere. Aus Rücksicht und aus der Höflichkeit heraus habe man sich daher mit Erdogan ablichten lassen, handsignierte Trikots überreicht.

Den Polittrollen reicht jedenfalls diese Ausführung von Gündogan nicht aus und das Schweigen von Özil macht sie noch rasender. Beim letzten WM-Test der deutschen Elf gegen Saudi-Arabien in Leverkusen gab es unaufhörlich Pfiffe. Wer die Causa Özil-Gündogan-Erdogan verschlafen hat, der muss wohl Stolz auf die pfeifenden Zuschauer auf der Tribüne gewesen sein, schließlich handelt es sich ja bei Saudi-Arabien nicht gerade um ein Musterland. Aber wie kann man dann zulassen, schließlich ist das fast 80 Millionen Deutschen bekannt, dass die gesamte Nationalelf bei einer "Diktatur" aufläuft und womöglich sogar den WM-Pokal von einem "Diktator" entgegennimmt?

Die Prioritäten liegen eben je nach Windrichtung wo anders. Bald wird wohl medial wie national auf den zwei Türkischstämmigen die Dolchstoßlegende projeziert, denn gefühlte 80 Millionen haben die Rolle des Politkommissars gefressen. Zudem hat man seit dem Özil-Gündogan-Erdogan Treffen in London am 13. Mai bereits die gefühlte 244´ste Online-Petition eingerichtet, um vom DFB, Joachim Löw, ja sogar von Kanzlerin Merkel die Strafversetzung von Özil und Gündogan zu fordern; man kann sie ja gleich im Gulag entsorgen.

Während die Trolls in Massen sich gegenseitig lobhudeln, heizen die Politruks, Diplomgesellschaftswissenschaftler und die Presse die Stimmung weiter an. Ihre Aufgabe ist es, die Gleichschaltung im politischen und kulturellen Bereich zu gewährleisten. Sollte wiedererwarten die politische wie kulturelle Indoktrination kein Erfolg haben, kommt der Kommissarbefehl ins Spiel: den beiden das Leben zur Hölle machen, ihre Karriere zu beenden, sie aus der Nationalmannschaft auszustoßen.

Dieser Elan und dieser Eifer berührt sogar die Türken. So sehr, man kann es kaum in Worte fassen. Man wäre ja so Stolz auf Deutschland, wenn die Politiker die gegenwärtig die Moralkeule schwingen, die Landtage oder das Parlament boykottieren würden, weil die AfD den Einzug geschafft hat und neben ihnen ihren Sitzplatz einnehmen wird. Man würde vor Glück in Tränen ausbrechen, wenn die selben Polittrolls und Politruks mit der selben vehemens die Staatsorgane auffordern würden, die NSU-Affäre vollumfänglich aufzuklären und transparent zu machen, damit die Rechtsstaatlichkeit gewahrt bleibt. Es gibt genügend Themen, aber ausgerechnet und einzig eine Fotosession berührt die Moral- und Wertevorstellung der Deutschen Polittrolls und Politruks...

 

*) Politruk war ein militärischer Dienstgrad in den Streitkräften sozialistischer Staaten, darunter auch der DDR, besser bekannt als Politoffizier oder Politkommissar.

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KG

Die Verweigerung einer eigenen Meinung, gleich aus welchem Grund, hatten wir in Deutschland schon nach 1933. Das hat Einstein nach Amerika getrieben und hatte letztlich die Atombombe als Resultat. Es ist traurig  dass wieder "political correctness", auch in einer Demokratie, anscheinend die Oberhand gewinnt. Anscheinend haben wir nach 1945 doch nichts dazugelernt. Lese ich die deutschen Medien dann glaube ich wir befinden uns mit der Türkei im Krieg und machen uns auf das Land zu befreien. Früher nannte man das Gleichschaltung. Heute genügt ein Augenzwinkern aus der Politik. So gesehen sind Diktatur und Demokratie nur zwei Seiten der gleichen Medaille.