Die Law-and-Order-Lüge – Deutschland schützt Putschisten

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Die Law-and-Order-Lüge – Deutschland schützt Putschisten

14. Juni 2018 - 23:02
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Deutschland hält sich nicht nur für die Nabel der Welt, sie lebt den Egozentrismus vor, schließlich weiß man viel mehr als, was im Hinterhof eines anderen Landes so abgeht.

Die Law-and-Order-Lüge – Deutschland schützt Putschisten

Kommentar - Deutschland hält sich nicht nur für die Nabel der Welt, sie lebt den Egozentrismus fast schon krankhaft aus, schließlich weiß man viel mehr als andere, z.B. was im Hinterhof eines anderen Landes so abgeht. Bestes Beispiel: der türkische Luftwaffen-Imam Adil Öksüz, der in der Putschnacht mitten auf einem Maisfeld beim Pinkeln in der Nähe einer Luftwaffenbasis in Ankara festgenommen und anschließend doch wieder unter Auflagen freigelassen wurde, soll bis vor kurzem mitten in Berlin gelebt haben. Nun ist der Bursche weg, aufgescheucht von türkischen Reportern in Berlin. Anscheinend hat ihn der Staatsschutz in aller Eile weggeschafft, erklären Nachbarn der Wohnung, in der Öksüz sich in Sicherheit wähnte, berichtet die "Berliner Zeitung" heute.

Bisher hat uns Deutschland ja erklärt, dass die "Putschisten" friedliebende, säkulare Muslime sind, die von einem Diktator verfolgt werden, daher im Land zurecht Asyl bekommen. Der Grundtenor lautet daher, dass die türkische Regierung feindlich und antidemokratisch handelt sowie in ihrer Regierungszeit ein Unrechtsstaat geworden ist. Zahlreiche "Journalisten" sollen in Untersuchungshaft sitzen, zahlreiche Oppositionelle verhaftet worden sein. Freie Wahlen gibt es nicht, mit der bevorstehenden Wahl wird die Türkei um seine freiheitlich-demokratische Grundordnung betrogen.

Das jedenfalls ist der Standpunkt Deutschlands, die sich im Zentrum der Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit sieht und ihren Standpunkt einzig durch die eigene Perspektive betrachtet. Knapp erklärt wähnt man sich im Recht, die türkische Regierung im Unrecht, womit man gefährliche politische Realitäten schafft.

Um den Eindruck aufrechtzuerhalten, dass die Bundesrepublik ein Rechtsstaat ist, werden in regelmäßigen und in kurzen Abständen inflationär oft politische Debatten angestoßen, in der die Handlungsfähigkeit des Rechtsstaates in Frage gestellt wird, um dann verschärfte Gesetze zu fordern, mit denen "Islamisten" oder "Terroristen", "Staatsgefährdern" oder "randalierenden Flüchtlingen" Einhalt geboten werden soll. 

Eine weitere Errungenschaft der deutschen Rechtschaffenheit ist es, allen möglichen "Verfolgten" Asyl zu gewähren und Schutz zu bieten. Mitunter können dabei auch mutmaßliche PKK-, YPG-Terroristen oder Putschisten auf Schutz und Hilfe hoffen, sofern sie der eigenen politischen Realität entsprechen - vor allem dann, wenn sie dabei vorneweg im Namen einen Dr.- oder Prof.-Titel tragen, sich als Offiziere oder Journalisten bewerben. Die dienen dann der Realitätsverzerrung, da diese Zünfte kaum zu Verbrechen neigen, ja sogar die Non-plus-ultra-Demokratie personifizieren.

Deswegen tingeln seit Monaten zwei vom türkischen Parlament abgesetzte Abgeordnete der prokurdischen Partei HDP durch das Land und können sich dabei der Solidarität von deutschen Parteien sicher sein, während die türkische Justiz ihrer rechtsstaatlichen Aufgaben beraubt wird. Muss man das verstehen?

Deswegen werden mehrere Gülen-nahe mutmaßliche Akteure des gescheiterten Putschversuchs in der Türkei, klammheimlich von einem in Deutschland gelegenen Aufenthaltsort ins nächste weggeschafft, um dem türkischen Nachrichtendienst, ja sogar türkischen Reportern zuvorzukommen und damit erneut der türkischen Justiz ihrer rechtsstaatlichen Aufgaben zu berauben. Ist das etwa legitim?

Und während der deutsche Menschenraub im Gange ist, werden türkische Staatsbürger, die türkischstämmige Verdächtige immer wieder in Deutschland sichten und melden, türkische Reporter und der türkische Staat die diesen Beobachtungen sodann nachgehen, skandalisiert?

Dieser Egozentrismus ist wohl ansteckend. Bislang hält die deutsche Journalistenzunft beharrlich daran fest, keinen politischen Skandal in Deutschland zu wittern, weil die Bundesregierung offenbar türkische Musterdemokraten und Verfolgte im Sinne der Anklage versteckt. Stattdessen werten sie die Handlung türkischer Kollegen und finden es skandalös, dass diese es versäumt haben, in ihrer Videoberichterstattung Namensschilder an der Haustür unkenntlich zu machen. Sie echauffieren sich an der Missachtung der Persönlichkeitsrechte der Berliner Wohnungsnachbarn des türkischen Putschisten, der längst über alle Berge gebracht worden ist. Es fehlte noch, dass die deutschen Journalisten in ihren derzeitigen Berichten auf die neue Datenschutzverordnung (DSGVO) pochen und an die Justiz appellieren, hierbei streng gegen türkische Reporter vorzugehen, die in Deutschland ja ihr Unwesen treiben.

Aber was treibt die deutsche Journalistenzunft? Das will mir einfach nicht einleuchten, weshalb deutsche Journalisten einen sicheren Pulitzer-Preis einfach so in den Wind schlagen, schließlich ist das eine echte deutsche Staatskrise und die sitzt man seit Monaten einfach so aus!

Seit Monaten melden türkische Kollegen in der Türkei, darunter auch damals von Gülen-nahen Polizisten angeschwärzte, von Staatsanwälten angeklagte und von Richtern zu hohen Haftstrafen verurteilte Journalisten, Akademiker, Militärs und Politiker, dass die mutmaßlichen Drahtzieher und Hintermänner des gescheiterten Putschversuches, die auch für die zuvor unzählig begangenen Machenschaften verantwortlich gemacht werden, dass diese Personen in Europa, vor allem in Deutschland Zuflucht gefunden haben. In der Türkei gibt es trotz aller ideologischer Differenzen innerhalb der Bevölkerung fast niemanden, der den Putschversuch nicht der Gülen-Bewegung zuschreibt, ausser, er ist selbst in der Bewegung.

Immer wieder berichteten türkische Journalisten in den vergangenen Monaten, dass der Ex-Generalstaatsanwalt Zekeriya Öz in Deutschland gesichtet wurde, Adil Öksüz sich in Baden-Württemberg aufhalte oder im Beisein eines BND-Mitarbeiters ablichten ließ. Die Liste derer, die in Deutschland untergetaucht sind, ist lang, ebenso die ungeheuerlichen Berichte über ihre Taten. Aber es gab nur wenige widerwillige deutsche Meldungen darüber. Und die zeichneten sich darin aus, die Verdächtigen Putschisten und Rädelsführer als "Dissidenten" oder "politisch Verfolgte" einzuordnen.

Das grundlegende Problem ist aber doch in diesem egozentrischen Land, dass die Leserschaft dieser deutschen Journalisten entweder hoffnungslos unterbelichtet ist oder die Journalisten die Leserschaft für Blöd verkaufen. Beides zum Leidwesen der türkischen Rechtsstaatlichkeit, denn Deutschland verhindert damit massiv die Aufarbeitung der Mammutprozesse zu Ergenekon- und Vorschlaghammer-Verfahren, den Mord an Hrant Dink und anderen oder den gescheiterten Putschversuch. Die richtige Frage wäre nicht, ob türkische Journalisten in Berlin-Neukölln richtig oder falsch gehandelt haben, sondern, was beabsichtigt die Bundesregierung? Was will sie verhindern und weshalb ist die deutsche Presse so desinteressiert?

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Bild von Aslan

In Fachkreisen definiert man derlei Nationen als                                SCHURKENSTAAT

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