Demokratie unter Hammer und Sichel

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Demokratie unter Hammer und Sichel

04. Februar 2018 - 19:00
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Es ist wie verhext: Man schafft es einfach nicht, die Türkischstämmigen und Türken in Europa zwischen Hammer und Sichel, Hakenkreuz und Islamophobie aufzureiben.

Demokratie unter Hammer und Sichel

Kommentar / TP - Heute geht es in meinem Kommentar um die Türkischstämmigen und Türken, die in Europa sich mitten im wilden Kurdistan fühlen - so jedenfalls nehme ich es derzeit auf. Überall wehen die bunten Fähnchen des Terrörvölkchen PKK, der Völksvereinnahmungseinheit YPG sowie des demokratisiert-humanisierten Terrörchefs Abdullah Öcalan, der seit 1999 im türkischen Gefängnisinsel eine Transformation durchgemacht hat. Weg vom Babykiller, hin zur Verpuppung, zur Raupe und zum bunten Schmetterling. 

Sie alle wollen sich sozusagen ihren Traum von einem wilden Kurdistan in Nordsyrien herbeiwedeln - was anderes ist ihnen auch nicht übrig geblieben. Dafür tragen sie ihr Konfliktchen jetzt wieder einmal nach Europa und demonstrieren es auch eindrucksvoll hier, in dem sie Kinder auf die Spielwiese schicken, damit sie Eigentum fremder beschmieren und zerstören. Sie meinen edle Absichten zu haben, humanistisch zu sein, demokratische Grundzüge in Nordsyrien etabliert zu haben, doch von alledem sieht man wenig bis gar nichts. Stattdessen Mord und Totschlag (in London wird ein türkischer Bub abgestochen), Gewalt und Zerstörung (in Salzgitter ein Fahrzeug platt getreten, in Minden, Kassel, Hannover, Stade, Frankfurt am Main und weiteren Städten Moscheen angegriffen) sowie Wut und Ohnmacht (landesweit werden SPD-Büros, Bahnhöfe, Flughäfen besetzt und Menschen in Angst und Schrecken versetzt).

Die Türkischstämmigen und Türken kennen das irgendwoher und lassen sich auf solche Spielchen erst gar nicht ein. Die Deutschen werden es wieder kennenlernen, bis irgend jemand dann den Schneid dazu hat, ihnen die Leviten zu lesen, ehe das rechtstaatliche Prinzip gänzlich ausgehöhlt ist. Derzeit ist man aber noch dabei, sie mit Samthandschuhen anzufassen, damit es ja nicht ausser Kontrolle gerät.

Dafür bekommen aber die türkischen Moscheevereine und Vereine selbst einen Brief, z.B. vom baden-württembergischen Polizeipräsidium, man möge doch die Gemeinde dazu anhalten, sich das Grundrecht der Gegendemonstration doch zu verkneifen, damit der Marsch der Kürbistanis ohne nennenswerte Ereignisse - wohl so schnell wie möglich - friedlich verläuft und die Polizei sich wieder ihrer eigentlichen Arbeit zuwenden kann. Der Brief hört sich an, als hätten die auch schon die Schnauze voll, aber man sagt es eben nur hinter vorgehaltener Hand.

Klar doch, Herr Polizeipräsident, nichts leichteres als das. Wir halten uns fern, wir werden auch keine Gegendemonstrationen aufbieten - hatten wir auch nie großartig vorgehabt - aber wieso marschieren diese Kürbistanis dann jedesmal durch Viertel in der überwiegend Türkischstämmige leben oder arbeiten? Hat man sonst keine anderen Straßen gefunden, durch die man die Meute treibt? Kann man die nicht irgendwie umleiten, ja sogar in den nächsten Flieger? 

Der Traum eines Südkurdistan ist seit der Entmachtung Barzanis in Nordirak ausgeträumt, obwohl die Türkei bis zuletzt die Autonomie gefördert hat. In Nordkurdistan musste die PKK mit ihrem politischen Arm HDP feststellen, dass sich der Rechtsstaat nicht mit Gewalt, Besetzungen ganzer Stadtviertel und erst recht nicht mit Sprengfallen, Scharfschützen oder Kalaschnikows aufheben lässt, auch wenn man ständig von föderaler Selbstverwaltung faselt, jedoch Autonomie und später ein zusammenhängendes Kürbistan anstrebt.

Im syrischen Ain al-Arab - das heißt jetzt ja Kobane - wollte man die Gunst der Stunde nutzen und endlich den Traum verwirklichen, eine zusammenhängende Autonomie in Nordsyrien zu errichten. Unter den Augen der Weltgemeinschaft inszenierte man eine "Schlacht der Menschheit", ein Epos sollte entstehen. Fesche Mädchen und Frauen stürzten sich auf die halsabschneidende Miliz der DAESH, die bereits von Flächenbombardements der US-geführten Koalition atomisiert wurden. Schlußendlich hatte man die Stadt "Kobane" befreit, die jedoch auf der Karte nicht mehr existierte.

Die Arschkarte hatte wieder einmal die Türkei gezogen, als sie rund 40.000 syrische Flüchtlinge aus der Stadt Ain al-Arab und Umgebung aufnahm, wie zuvor schon während all der anderen Konflikte in der Region. Gegenwärtig könnte man aufgrund der hiesigen Medien tatsächlich auf die Idee kommen, dass die "Kurden" von der Türkei verfolgt und ausgemerzt werden. Dafür sorgen ja die Demokraten unter Hammer und Sichel, in dem sie Landauf, Landab mit Kind und Kegel (damit es wuchtiger aussieht) Fähnlein schwenken, Parolen schwingen, und nebenbei Leute vermöbeln, Fahrzeuge attackieren oder sich von einzelnen "türkischen" Gegendemonstranten aufwiegeln lassen. Da reicht schon eine türkische Fahne oder eine türkische Marschmusik, um diese Hevals (Kameraden) in rage zu bringen. 

Sorry, aber ich habe etliche landesweit abgehaltene türkische Demonstrationen mitverfolgt, selbst welche organisiert oder war dabei und bei keiner ist die Demonstration aufgrund einer Sichtung eines einzigen Hammer-Sichel-Fähnchens derart ausgerastet. Und wenn es dazu kam, dann war die Eskorte der Polizei so dicht, dass nicht einmal die Flasche oder der Stein, der in den türkischen Demonstrationszug von Heval-Gegendemonstranten geworfen wurde, zurückgeworfen werden konnte. Während also die türkische Demonstration der Heval-Gegendemonstration nichts entgegensetzen konnte, durfte, bekommen die Hevals also ein Sonderrecht, einen einzigen Gegendemonstrant - wenn er sich denn überhaupt so zu erkennen gegeben hat - mit einer Meute anzugreifen? Wo sind wir, im wilden Kürbistan? 

Und dann das Geheule der sogenannten "kurdischen" Organisatoren, sprich dieser abgefackten Organisationen, die der PKK mit derartigen Demonstrationen zuarbeiten und die Demonstrationen bisweilen auch mal mit vermöbelten Polizisten endeten: "Wir distanzieren uns....", "das waren vereinzelte Störer [sogar Türken]", "die Türken haben massiv gestört", "die Polizei hat unser Recht beschnitten" oder "Deutschland ist Freund und Helfer der faschistoiden Türkei". Sagt mal, seit ihr noch hier oder mit dem bisschen Hirn im wilden Kürbistan?

Letztens in Stuttgart ein Geschreie auf dem Schloßplatz, als Einkaufsbummler meint man, es wäre Markttag. Ich sollte nicht übertreiben, aber ich dachte tatsächlich, gefühlte 1 Millionen gut integrierter und demokratisch gesinnter Menschen feilschen, qautschen, essen und trinken. Was finde ich vor? Ein Fahnenmeer von etwa 20 Flaggen mit Hammer und Sichel sowie Sternchen. Ein klarer Hinweis darauf, was für eine Sorte Mensch dort gerade steht. Das sind Demokraten durch und durch, eben nur unter dem stalinistischen Symbol. Sie steht ja für die Arbeiterpartei und Bauernrevolution, eben durch und durch demokratisch. 

Würde man sich einen dieser strammen Kürbistanis schnappen und sie befragen, was ihr Anliegen ist, so wie es ein austrotürkischer Journalist in Wien getan hat, dann heißt es wie aus der Pistole geschossen: 

"Afrin, gegen Faschismus, türkische Angriff."

"Ist das eine demokratische Gruppe, die hier demonstriert?"

"Ja, ja. Demokratisch. YPG demokratisch."

(Auch wenn ich schnell merke, dass die Sprachbarriere ein Hindernis zu werden droht, mache ich weiter.)

"Aber Hammer und Sichel sind doch kommunistische Symbole? Nicht demokratisch, oder?"

"Demokratisch, demokratisch. Kurdisches Volk einzige demokratische Volk in Suriye (sic!)"

(Als ich dann höre, dass die Lautsprecher-Ansagen zuerst auf Türkisch, dann auf Kurdisch gemacht werden, wirds mir zu blöd. Ich beschließe das Schauspiel zu beenden. Kalt ists noch dazu.)

"Danke, lange lebe die Revolution", sag ich abschließend.

Dafür bekomme ich ein "Daumen hoch" von einem Mann, dessen erster Schritt in puncto Integration vor vielen, vielen Jahren in Österreich begonnen haben dürfte, doch seit dem kein zweiter gesetzt worden ist. Ganz offensichtlich.

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