Factcheck: Wiener Verein schockt mit Bomben-Posting

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Factcheck: Wiener Verein schockt mit Bomben-Posting

01. März 2018 - 21:47
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Thomas Schmidinger in einem Posting in Facebook

Ein Facebook-Posting auf einer Personen-Profilseite vom 25. Februar 2018 unter dem Namen "Aytwien Basbug" sorgt derzeit für Aufregung im sozialen Netzwerk. Das vom österreichischen Politikwissenschaftler und Sozial- und Kulturanthropologe Thomas Schmidinger erstmals aufgegriffene Facebook-Posting dieser Personen-Profilseite hat inzwischen zu einem Disput mit dem ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der UETD (Union Europäisch-Türkischer Demokraten) in Österreich geführt, auch die Österreichische Presse beschäftigt sich mit dem Fall.

Was war geschehen? Am 25. Februar 2018 veröffentlichte die Profilseite mit dem Namen "Aytwien Basbug" ein Bild. Im Bild ist eine Panzer- bzw. Artilleriegranate zu sehen, auf der in roter Farbe etwas in türkischer Sprache geschrieben steht:

"Avusturya Ahmet Yesevi 
ve Selcuklu teskilati icin
Afrin"

Übersetzt bedeutet das:

"Österreichs Ahmet Yesevi
und Seldschukische Organisation
Afrin"

Ferner wurde in dem Facebook-Posting der "Aytwien Basbug" das Bild noch mit einem kurzen Text erörtert. Darin steht:

"Bizim Teskilat imizi unutmayan Asker lerimizden Allah razi olsun Mevlam hepsini sevdiklerine bagislasin."

Übersetzt bedeutet das:

"Gott segne unsere Soldaten die unsere Organisation nicht vergessen haben, möge Gott sie ihren Liebsten übergeben." 

"Ahmet Yesevi" war ein bedeutender Vertreter des Sufismus und Poet im 11. Jahrhundert. Auf ihn geht die Yesevi-Tariqa zurück. In der Türkei sind viele Bildungseinrichtungen und Moscheen nach ihm benannt. Auch in Europa gibt es etliche Moscheen, so z.B. in Kassel, in Esslingen am Neckar, aber auch in der österreichischen Hauptstadt Wien. Sie wird von der Türkischen Föderation ATF betrieben.

Der österreichische Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger, der sich u.a. mit dem Schwerpunkt "Kurdistan" befasst und offensichtlich auch sehr viel daran gelegen ist, sich privat auf diesem Gebiet zu engagieren, teilte am 28. Februar 2018 diesen Facebook-Posting und erklärte dazu:

"Ein Wiener Verein der Graunen Wölfe schickt Bomben nach Afrin und postet sie dann auf Facebook und schreib dazu, dass sie die "Soldaten Gottes" nicht vergesse. Es handelt sich dabei um die in der IGGiÖ organisierte Ahmet Yesevi Camii in der Taborstr. 108/3."

Auf diesen Facebook-Posting von T. Schmidinger reagierte kurz darauf Hakan Görgü, ehemaliger Vertreter der UETD ebenfalls mit einem Facebook-Posting. Darin wirft Görgü Schmidinger vor, falsch übersetzt und eine Moschee ohne konkrete Kenntnisse zur Zielscheibe ausgeschrieben zu haben, in dem er die Adresse bekannt gegeben habe.

Hierzu ist festzustellen, dass die Profilseite auf Facebook unter dem Namen "Aytwien Basbug" eine Personenseite ist (wie auf dem Bild ersichtlich), die mittlerweile gelöscht wurde. Es existiert aber eine offizielle Facebook-Seite der "Ahmet Yesevi Moschee" in Wien. Alle Vereine unter der ATIB betreiben Seiten-Accounts in Facebook, jedoch keine Personen-Accounts. Der Personen-Account "Aytwien Basbug", der das Bild teilte, ist wie schon vom Namen ersichtlich, ein Personen-Profil in Facebook. Das bedeutet, dass das Profil von jedermann erstellt werden kann und keinen offiziellen Charakter besitzt. Das hat auch Hakan Görgü unter Berufung auf die Moschee selbst festgestellt. 

Ferner ist die Übersetzung von T. Schmidinger fehlerhaft. Es steht auf der Granate nicht "dass sie die "Soldaten Gottes" nicht vergesse.", sondern, "Gott segne unsere Soldaten die unsere Organisation nicht vergessen haben".  Und wie Hakan Görgü auch richtig feststellt, kann eine "Bombe" nicht aus Wien nach Afrin geschickt werden, zumindest auf herkömmlichen Wege nicht.

Ausserdem fragt Hakan Görgü berechtigterweise, "inwieweit man den Herrn [Anm. Red. Thomas Schmidinger] noch ernst nehmen kann bei Themen bezgl. der PKK?"

Am Donnerstag berichtete dann die oe24.at über diesen Fall und übernahm im Grunde eins zu eins die Angaben von Thomas Schmidinger, ohne dabei die betroffene Gemeinschaft der Ahmet Yesevi Moschee in Wien, die ATIB oder Hakan Görgü überhaupt darauf angesprochen zu haben. Die ATIB hatte sich jedoch, wie Hakan Görgü bereits in seinem Facebook-Posting deutlich gemacht hat, vom Posting sofort distanziert und erklärt, dass der Account nicht von ihnen stamme.

Fest steht, dass die Ahmet Yesevi Moschee in Wien einen offiziellen Seiten-Account auf Facebook seit längerem betreibt und sich vom Personen-Account wie auch dem geteilten Posting distanziert hat. Fest steht auch, dass die Übersetzung von Thomas Schmidinger falsch war und fest steht auch, dass diese Übersetzung mittlerweile von Schmidinger selbst im Posting nachträglich geändert wurde. Die Debatte zwischen Thomas Schmidinger und Hakan Görgü geht derweil weiter.

Mittlerweile gelöschter Account in Facebook "Aytwien Basbug"
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