Factcheck: Mutmaßliches Chemielabor als gegenwärtigen Chemiewaffen-Einsatz?

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Factcheck: Mutmaßliches Chemielabor als gegenwärtigen Chemiewaffen-Einsatz?

10. Februar 2018 - 17:25
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FAKE: 
@AzadiRojava - 6. Februar 2018
ANHA News - 3. Dezember 2016
@TobiasHuch - 6. Februar 2018

Derzeit wird über sozialen Medien wie Twitter oder Facebook ein vor zwei Jahren von PKK-nahen Medien verbreitete, mutmaßlich von der Terrororganisation YPG im syrischen Aleppo gefundenes Chemielabor der Rebellenmilizen als Beweis für einen angeblichen Chemiewaffen-Einsatz bei der gegenwärtigen türkischen Militäroperation "Olivenzweig" im Distrikt Afrin angeführt.

Laut damaligen Meldungen PKK- bzw. YPG-naher Medien zwischen dem 2. und 4. Dezember 2016 hätten offenbar YPG-Terroristen nach der Einnahme von nördlichen Stadtteilen Aleppos, ein Chemielabor der Rebellenmilizen gefunden. Veröffentlichte Bilder sollen beweisen, dass die Rebellenmilizen das Lager zur Produktion von Sprengstoff verwendet haben sollen. Dazu werden Behälter gezeigt, auf der als Inhaltsangabe "Natriumhydroxid" angegeben ist. Ferner wird ausdrücklich auch auf eine türkische Fahne sowie ein Banner einer türkischen Vereinigung aus der Schweiz aufmerksam gemacht, um zu verdeutlichen, wer die Rebellenmilizen angeblich unterstützt.

Anfang Dezember 2016 versuchten aufständische Rebellenmilizen noch, die Belagerung von Aleppo mit ihren damals noch verbliebenen 300.000 Zivilisten durch syrische Regimekräfte sowie der YPG zu verhindern, scheiterten jedoch. Insgesamt 34.000 Aufständische konnten nach einer Vereinbarung die Stadt samt Angehörigen verlassen.

Nach dem am 6. Februar 2018 in Twitter über den Account @AzadiRojava dieser Bericht vom 3. Dezember 2016 der YPG- bzw. im Anschluss daran von der PKK-nahen Nachrichtenagentur ANHA / AFN wieder erwähnt worden ist, werden die Bilder nun viral als Beweis verbreitet, wie Rebellenmilizen bzw. Milizen der Freien Syrischen Armee "Chemiewaffen" herstellen und dabei von der Türkei unterstützt werden. Zum Teil wird dabei Bezug auf die jüngste türkische Militäroperation "Olivenzweig" genommen.

Diese Bilder sind jedoch aus dem Kontext gezogen, werden derzeit falsch wiedergegeben. Zudem ist bis heute der damalige Fund eines "Chemielabors" durch YPG-Terroristen in Aleppo nicht verifiziert worden. Es ist auch sehr unwahrscheinlich, dass die Rebellen ausgerechnet "Natriumhydroxid" zur Sprengstoffherstellung verwendet haben, die als Lauge bekannt und in jedem handelsüblichen Rohrreiniger vorhanden ist.

Zurzeit gibt es auch einen kuriosen Schlagabtausch zu den gegenwärtig verbreiteten Bildern zwischen dem PKK-nahen Aktivisten Tobias Huch sowie dem BILD-Journalisten Julian Röpcke. Röpcke wirft Huch vor, die verwendeten Bilder absichtlich falsch deklariert zu haben. Huch unterstellt Röbcke im Gegenzug, "FSA-Propagandist" zu sein.

FACT: 
@JulianRoepcke - 6. Februar 2018
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