“God Save the Queen” und "Welcome" auf Moscheen

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“God Save the Queen” und "Welcome" auf Moscheen

25. November 2017 - 03:03
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Die falsch bzw. absichtlich falsch interpretierten Bilder und der Versuch die Partei CHP in Misskredit zu bringen

Derzeit kursieren wieder einmal Bilder von Moscheen, die 1946 und 1953 in der Türkei und Zypern entstanden. Die Bilder, auf denen Minarette zu erkennen sind und an der leuchtende Schriftzüge gespannt sind, sollen die Republikanische Volkspartei (CHP) in Misskredit bringen. 

In den Erklärungen zu den Bildern heißt es u.a., dass die Einpartei-Regierung CHP die Muslime unterdrückt, islamische Gotteshäuser instrumentallisiert, den Islam erniedrigt habe. 

Die Erklärungen sind im Kontext betrachtet falsch und nicht richtig wiedergeben. Deshalb meiden die Urheber solcher Bilder mit Bemerkungen zur CHP, die Hintergründe sowie Ort und Zeit genau zu benennen. 

Bei der Selimiye Moschee, die an den Minaretten mit dem Schriftzug “God Save the Queen” überspannt ist, handelt es sich um eine Moschee in Lefkoşa (Nikosia) in Zypern. Das Bild entstand 1953, was auch im Buch "Sarı kehribar" von Mehmet Yaşın aus dem Jahre 2014 klar hervorgeht. Just nach der Veröffentlichung des Buches wurden diese Bilder in sozialen Netzwerken mit Bezug zur CHP geteilt. 

Wer sich mit der zyprischen Geschichte auskennt, wird wissen, dass die Insel seit 1925 britische Kronkolonie war und bereits 1914 mit dem Eintritt des Osmanischen Reiches in den Ersten Weltkrieg von Großbritannien annektiert wurde. Ab 1950 übernahm der zypriotische Grieche Makarios III. in seiner Doppelrolle als Erzbischof von Zypern und Ethnarch eine führende Rolle im politischen Kampf der griechischen Zyprer gegen die Inseltürken. Ab diesem Zeitpunkt waren die zypriotischen Türken auf Gedeih und Verderb auf die britische Souveränität angewiesen. Aus dieser Warte aus betrachtet ist es nicht verwunderlich, dass die zypriotischen Türken zu ehren der Geburtstagsjubiläums der Queen das leuchtende Schriftzug 1953 auf die Moschee spannten. Erstens stimmt also der Vorwurf nicht, die CHP habe dies veranlasst, zweitens konnte die CHP keinen Einfluß dahingehend ausüben, dass die Moschee diesen Schriftzug an der Moschee anbringt, weil die Insel zu der Zeit Kronkolonie war.

Ein weiteres Bild, dass in diesem Zusammenhang oft geteilt wird, zeigt erneut eine Moschee, auf der in Leuchtschrift "Welcome" zu erkennen ist. Das Bild stammt von einer Moschee in Istanbul aus dem Jahre 1946. Ein weiteres Bild aus dem selben Jahr zeigt aber den Bezug zu einem Ereignis, das eng mit dem Zweiten Weltkrieg und einer Rückführung eines Leichnams in Zusammenhang steht. Es handelt sich um den Leanderturm (Kiz Kulesi) im Bosporus, auf der in großen Buchstaben "Welcome Missouri" aufgemalt geworden ist. 

Bei der "Missouri" handelt es sich um das Schlachtschiff USS Missouri (BB-63), die nach dem Pazifik-Krieg gegen die Japaner den Heimathafen erreichte und instandgesetzt wurde. Nach einer darauf folgenden Erprobungsfahrt vor der Küste Kubas nahm die USS Missouri am 21. März 1946 den Sarg mit den sterblichen Überresten des ehemaligen türkischen Botschafters in Washington, Münir Ertegün auf, um diesen auf ihrer ersten Fahrt in europäische Gewässer in sein Heimatland zu überführen. Mit 19 Salutschüssen als Ehrenbezeugung verabschiedete die Missouri zusammen mit dem türkischen Schlachtschiff Yavuz Sultan Selim (ehemals SMS Goeben) den Diplomaten während dessen Beisetzung in Istanbul.

Also wurde die USS-Missouri von der Türkei mit Ehrbezeugung für die Rückführung eines türkischen Diplomaten begrüßt, u.a. mit den Schriftzügen auf der Moschee und auf dem Leanderturm.

Selimiye Moschee, Lefkoşa (Nikosia) in Zypern - mit dem Schriftzug “God Save the Queen"
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