Der Rapporteur am 10. Oktober 2017

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Der Rapporteur am 10. Oktober 2017

10. Oktober 2017 - 22:16
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Unser Rapporteur hat wieder ganz normale und wissenswertige Dinge aus der Türkei und Deutschland zusammengetragen, aber auch beeindruckendes, kurioses, lustiges, unglaubliches oder erstaunliches, ob aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft oder Kultur.

Tageszeitung Habertürk: Kalter Krieg

Regelmäßig kritisiert die türkische Regierung die USA in Zusammenhang mit der PKK sowie deren syrischen Ableger PYD/YPG, die die Sicherheit der Türkei bedrohen. Gleichwohl ist man bemüht, die bilateralen Beziehungen aufrechtzuerhalten. Obwohl die Opposition, vom liberalen, republikanischen, kommunistischen oder islamischen Flügel, jede Handlung der türkischen Regierung kritisieren, ob nun eine enge Anbindung an die USA durch den Wirtschaftshandel anvisiert oder wie gegenwärtig in der Visa-Politik eine bestimmtes und energisches Auftreten gegenüber der USA offenbart wird, stets ist deutlich die Abneinung gegenüber den USA zu spüren. Das wird deutlich, wenn man sich mit oppositionsnahen Zeitungen näher beschäftigt.

Die konservativ-liberale bezeichnet die angespannte Lage zum NATO-Verbündeten USA als große Krise und titelt mit "Kalter Krieg". Während Ankara die USA dazu drängt, die Entscheidung zum Visa-Stopp zu widerrufen, erkläre der US-Botschafter Bass, dass die Entscheidung nicht leicht gefallen sei.

Die nationalistisch-islamisch-konservative Zeitung Star hält die Reaktion der USA für ein untrübliches Zeichen eines Schuldigen, der sich ertappt fühlt. Die USA, deren aktive Rolle beim Putschversuch immer deutlicher zum Vorschein gekommen sei, schreibt Star, reagiere auf die Verhaftung eines Spions und Zuarbeiter der Gülen-Bewegung.

Die Ortadogu, eine MHP-nahe Zeitung, schreibt, dass die USA Terroristen aushelfe, bei der Türkei aber Maulwürfe unterhalte. Die USA, so berichtet die Ortadogu weiter, helfe der PYD in Syrien aus, versuche gleichzeitig Leibwächter des Präsidenten festzunehmen, mische sich in den Kauf der S-400 Raketensysteme aus Russland ein und setze dann die Visa-Bearbeitung aus.

Die APK-nahe konservativ-liberale Yeni Birlik meint, die USA in flagranti erwischt zu haben. Die Verhaftung des Angestellten der US-Generalkonsulats in Istanbul sowie die nachfolgenden Reaktionen aus den USA würden laut Yeni Birlik die panische Stimmung deutlich aufzeigen.

Die Cumhuriyet mit ihrer Nähe zur republikanischen Volkspartei CHP schreibt unter dem Titel "Noch nie waren sie sich so weit entfernt" über die derzeitige Visa-Krise zwischen den USA und der Türkei. Von der abenteuerlichen Außenpolitik müsse sich die türkische Regierung ebenso distanzieren, zitiert die Cumhuriyet einen CHP-Abgeordneten, wie die USA ihre Politik gegenüber türkischen Staatsbürgern überdenken müsse, die es nicht verdient habe.

Die AKP-nahe islamisch-konservative Yeni Safak hält die USA nicht als Verbündeten, sondern als Feind. Als Grund wird der gegenwärtige Einmarsch türkischer Truppen in die syrische Provinz Idlib genannt, die in Zusammenarbeit mit Russland und dem Iran einen Waffenstillstand in Syrien durchsetzen sollen.

Die Yeni Asya, eine Zeitung die der Nurculuk-Bewegung nahe steht, hinterfrägt die doch so guten Beziehungen zwischen Erdogan und Trump vor der Visa-Krise. Wo soll diese Nähe sein, frägt die Yeni Asya nach.

Die sozialistisch-linke Zeitung Evrensel kommentiert die Visa-Krise in Zusammenhang mit den Auswirkungen auf die Bevölkerung. Die Quittung müsse nun das Volk tragen, da die türkische Regierung mit imperialistischen Mächten "getanzt" habe und nun die Lira deutlich zu spüren bekommen, wenn man dabei einem auf die Füße tritt, so die Evrensel.

Die sozialistisch-grüne Zeitung BirGün hält die Krise zur Visa-Politik der USA als das Resultat eines abhängigen Staates wie die Türkei. In kurzer Zeit seien die Auswirkungen tiefgreifend: der Dollar ist gestiegen, die Wirtschaft stehe unter Schock.

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