Demre oder Bari: Wo liegt der Nikolaus?

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Demre oder Bari: Wo liegt der Nikolaus?

06. Oktober 2017 - 22:40
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Könnten die Gebeine des Heiligen Nikolaus doch in Demre und nicht in Bari begraben sein? Türkische Archäologen gehen davon aus, dass die italienischen Kaufleute damals die Gebeine eines anderen Bischofs mitnahmen. Die Indizien sprechen zumindest für Demre als letzte Grabstätte vom Heiligen Nikolaus.

Freske über eine Synode - Die St.-Nikolaus-Kirche in Demre (Myra)

Antalya / TP - Türkische Archäologen vermuten, dass die Gebeine des Heiligen Nikolaus von Myra immer noch in Demre liegen. Sie werden unter einer Kirche in dessen Geburtsort in der Südtürkei vermutet. Alle Indizien sprechen dafür, dass der Heilige Nikolaus noch immer unter der ehemaligen byzantinischen St.-Nikolaus-Kirche in Demre in einem Tempel liegt und dass die italienischen Kaufleute im 11. Jahrhundert in den Wirren der Zeit ein anderes Sarkophag öffneten und fremde Gebeine mitnahmen.

Cemil Karabayram, Leiter des historischen Instituts von Antalya erklärte gegenüber der Tageszeitung Hürriyet, dass die Archäologen in der St.-Nikolaus-Kirche bei Georadar-Untersuchungen unter dem Steinboden Strukturen eines unversehrten tempelartigen Raumes entdeckt haben, in dem auch ein Sarkophag vermutet wird. Zudem habe man Überlieferungen ausgewertet, die bereits zwischen 1942 und 1966 historisch erfasst und ausgewertet worden seien, aus der hervorgeht, dass die Kirche wiederaufgebaut wurde und dabei Gebeine eines anderen Bischofs mitgenommen wurden. Die gleiche Ansicht vertrete auch die seit mehr als 20 Jahren bei Ausgrabungen beteiligte Professorin Yıldız Ötüken.

Die erste Basilika von Nikolaus wurde im 6. Jahrhundert erbaut. Die heutige dreischiffige Basilika stammt im Kern aus dem 8. Jahrhundert. Konstantin IX. Monomachos (1000–1055) und Kaiserin Zoe erneuerten die Kirche. Ein Kloster wurde in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts erbaut, den Mönchen wurde die Pflege der Pilgerstätte übertragen. Maßgeblich im 12. Jh. n.Chr. veränderte sich der Lauf des Flußes Myros, heute Kasaba Çayi, und bedeckte in der nachfolgenden Zeit die Stadt Myra samt der St.-Nikolaus-Kirche mit einer 6m mächtigen Schlamm- und Geröllschicht. Im Jahr 1863 wurde die Kirche vom russischen Zaren Alexander II. erworben und teilweise wiederhergestellt.

Eine moderne archäologische Ausgrabung begann in der Kirche 1988 unter der Leitung von Yıldız Ötüken von der Hacettepe-Universität in Ankara. Die Arbeiten umfassten die nördlichen Bereiche des Kloster-Komplexes und einige Kapellen um das Hauptschiff. Eines der wichtigsten Ergebnisse waren Fresken, die das Leben und Wundertaten des Heiligen darstellen. Ferner wurde ein entweihter Sarkophag freigelegt, der nach damaliger Einschätzung der originale Bestattungsort des Heiligen Nikolaus war, bevor seine Gebeine in das italienische Bari verlegt wurden.

Bereits 1991 berichtete die Professorin Yıldız Ötüken, dass die Ausgrabungen an der byzantinischen Kirche Funde eines Tempels aufweisen, die vermutlich durch ein Erdbeben im Jahre 529 n.Chr. verschüttet wurde. Auf die Ruine sei dann kurz danach die Basilika aufgebaut worden. Sollte das zutreffen und stimmen die geologischen Untersuchungen, konnten die italienischen Kaufleute die Gebeine des Heiligen Nikolaus später nicht nach Bari bringen, so die Grundthese, weil der eigentliche Tempel bereits verschüttet und die St.-Nikolaus-Kirche darauf aufgebaut wurde.

Nikolaus von Myra wurde nach unterschiedlichen Quellen zufolge zwischen 270 und 286 n.Chr. in der damaligen antiken Stadt Myra (Demre) bei Antalya geboren und diente dort als Bischof bis zu seinem Tod zwischen 326 und 365 n.Chr. im heutigen Gelemiş im Landkreis Kaş der Provinz Antalya. Nikolaus wirkte als Bischof von Myra in der kleinasiatischen Region Lykien, damals Teil des römischen, später des byzantinischen Reichs.

Nach der Evakuierung der Stadt Myra und vor ihrer Eroberung durch seldschukische Truppen 1087, raubten nach Darstellung und Überlieferung aus der Zeit, süditalienische Kaufleute die Reliquien aus der Grabstätte des Heiligen in der heute noch bestehenden St.-Nikolaus-Kirche in Demre und überführten sie ins heimatliche Bari. Die Reliquien befinden sich in der eigens errichteten Basilika San Nicola. Die Stadt feiert jedes Jahr zu Ehren des Heiligen vom 7. bis 9. Mai, dem vermutlichen Tag der Ankunft der Reliquien in Bari, ein Fest. Die Statue des heiligen Nikolaus wird in einer Prozession von der Basilika bis zum Hafen, begleitet von über 400 Personen in historischen Kostümen, getragen. Auf einem Boot umrundet man dann damit die Bucht.

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