Türkische Kultur in Armenien

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Türkische Kultur in Armenien

10. April 2010 - 20:03
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In seiner größten Ausdehnung um 1590 fasste das Osmanische Reich zahlreiche Staaten und Regionen der heutigen Zeit.

Das Osmanische Reich breitete sich in seiner Expansionsphase über Europa, Asien und Afrika rasant aus. In Europa stand das Osmanische Reich vor den Toren Wiens. In Asien umspannte das Weltreich den Kaukasus, die Schwarzmeerregion, die Küstenstreifen Saudi Arabiens und den nördlichen Afrika. Während der größten Ausdehnung entfaltete sich die Kultur. Unter Süleyman I. wurden architektonische Meisterleistungen vollbracht, die heute noch an die glanzvolle Zeit in Europa, Asien und Afrika erinnern.

In der Türkei erinnert ein Lied, traurig und Tiefgründig an Eriwan, der heutigen Hauptstadt Armeniens. Mit "Rote Rosen, Bündel für Bündel..." beginnt das Lied und fährt mit Eriwan fort. Über dieses Lied gibt es zwei Hintergrundgeschichten. In der wahrscheinlichsten Geschichte geht es um einen jungen Mann, der zur Wehrpflicht gerufen wird, seine Mutter und die erst jüngst angetraute. Mutter und Braut leben gemeinsam in einem Haus, während der Sohn und Ehemann in den Krieg zieht. Irgendwann wird der Krieg für beendet erklärt, die Mutter erhält die Nachricht, das der Sohn an einem bestimmten Tag anreisen wird. Am Tag der angekündigten Anreise, bereiten die Frauen alles für den festlichen Empfang vor, danach begibt sich die Mutter zum Bahndamm, um den Sohn zu empfangen. Ein Zug nach dem anderen kommt an und fährt fort, aber der Sohn ist nicht dabei. Die Mutter kehrt zurück ins Haus und hört eine Männerstimme im Zimmer der Schwiegertochter, greift zur Flinte und schießt auf die Bettdecke, unter der sich Körper räkeln. Erst dann bemerkt die Mutter, das kein fremder Mann, sondern der Sohn und die Schwiegertochter in einer Blutlache vor ihr liegen. Der Sohn war unbemerkt am Bahndamm ausgestiegen und nach Hause gelaufen. Als er angekommen war, konnte er seine Liebe nicht mehr zurückhalten. Die Mutter konnte die Tragödie nicht ertragen und irrte Geistesgegenwärtig in der Stadt herum und murmelte dabei "Rote Rosen, Bündel für Bündel, das ist keine Leidenschaft sondern ein Omen..."

Reist man in eine historische Stadt ein, geben die Straßenzüge und Bauten Auskunft über die Bedeutung der geschichtsträchtigen Herkunft der Kulturdenkmäler. Sie vermitteln die Seele einer Stadt, in der Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Ethnien, an diesem Stadtbild gearbeitet haben, welche Reiche gekommen und gegangen sind. Dadurch ist auch festzustellen, ob während einer Fremdherrschaft, ein gesellschaftlicher Wandel sowie fruchtbare Koexistenz möglich war oder nicht. Man kann feststellen, ob durch diese Ära, Bauten von kultureller Bedeutung hinterlassen werden konnte, Einflüsse hinein geflossen sind. Das Stadtbild zeigt also, ob eine Ära einer Machtergreifung fruchtbar war oder in der Bedeutungslosigkeit versank. Ein Reich das Ruhmreich und im Dialog über die Unterworfenen herrschte, hinterließ ausnahmslos Spuren.

Eriwan ist wegen seiner zentralen Lage zwischen dem Kaukasus und Mesopotamien eine geschichtsträchtige Stadt, die Hauptstadt der Republik Armenien. Trotz der Lage zwischen dem Osmanischen und Persischen Reich mit häufigen Konflikten, konnte die Stadt islamische, christliche und ethnische Einflüsse aufsaugen und im Stadtbild unverkennbar wiedergeben. Von dieser einstigen Kulturvielfalt ist heute nicht mehr viel übrig. Es gab zwar verheerende Kriegseinflüsse, Erdbeben und der normale Verfall, jedoch scheinen die türkischen und muslimischen Einflüsse in Eriwan vollkommen ausradiert zu sein.

Von den einstigen Moscheen in Eriwan, ist nur noch die persische Blaue Moschee aus dem 18. Jahrhundert erhalten geblieben, die durch den iranischen Staat in einem Abkommen restauriert wurde. Weitere Moscheen, Medressen, Friedhöfe, Brücken, Bazare und Han´s aus der Zeit der Fürstentümer der Seldchuken, Timurlenk und den Osmanen ist dem Zerfall preisgegeben oder gänzlich verschwunden. Mehrere kleinere und 2 große Moscheen sind nicht mehr da. Mehrere Medresen aus der Zeit Schah Ismails, dem persischen Herrscher oder der Osmanen, wurden im Zuge des Ersten Weltkrieges und danach, auch durch den Einfluss des Kommunismus, vollkommen zerstört. Wo der Islam ausgelebt wurde, gab es prächtige Friedhöfe und Grabmale. Heute sind diese Friedhöfe in Eriwan nicht mehr vorzufinden oder völlig zerfallen. Durch die Bolschewiken und die armenische Administration, wurden etliche sichtbare osmanische Kulturgüter aus dem Stadtbild förmlich ausradiert. Darunter die Moschee innerhalb der Zitadelle, die aus einer Hofanlage sowie eine Dreikuppelhalle und Nebenräumen bestand. Eine weitere Moschee innerhalb der Festung wurde unter der kurzen Herrschaft der Russen, in eine orthodoxe Kirche umgewandelt, später abgetragen. Die Moschee wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zerstört. Fragmente der Fliesendekoration sind heute im Museum für Islamische Kunst in Berlin zu bewundern, die F.Sarre bei einer Forschungsreise im Jahre 1897 erworben hatte. Gleichzeitig befand sich auch eine Moschee zwischen der Zitadelle und dem Palastgebäude, die ebenfalls zerstört wurde. Das Lied das über die Roten Rosen auf dem Weg nach Eriwan handelt, verdeutlicht die Trauer und Schönheit sowie die Vergänglichkeit.

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