Unbefriedbares Schwarzes Eden - Bergkarabach

Lesezeit
3 Minuten
Gelesen zu

Unbefriedbares Schwarzes Eden - Bergkarabach

26. Februar 2012 - 23:49
Kategorie:
0 Kommentare

Der Schwarze Garten im Land des ewigen Feuers ist weit weg und wird in Europa kaum wahrgenommen, ist aber angesichts des wiederaufgeflammten Karabach-Konflikts seit 1990 immer noch aktuell. Der Karabach-Konflikt zeigt uns die Folgen, auch anhand von armenischen Berichten.

Zori Balayan, der im Berg Karabach-Konflikt als armenischer Kommandeur mitwirkte, beschreibt das Grauen, das Bergkarabach heimsuchte. Die armenischen Massaker an „türkischen“ Zivilisten im Jahre 1992 können nicht glaubhafter sein, wie von Armeniern selbst und „Türkisch“ deshalb, weil der geschichtsträchtige Konflikt, durch die christlichen Armenier, auch auf die muslimischen Aserbaidschaner zurückgeführt wird.

Die ethnischen Säuberungen der armenischen Armee und Freischärlern gegenüber den „Türken“ in Karabach hat Balayan selbst eindrucksvoll dokumentiert. In Chodschali (Xocali) spielten sich unfassbare Gräueltaten ab, als die motorisierte russische Einheit mit einer Sperrspitze von armenischen Freischärlern und Kompanien der armenischen Armee die Stadt überrollte, die kaum bekannt ist, obwohl sie von Journalisten in Bildern, Videos und Dokumentationen aufbereitet wurden. Journalisten aus dem internationalen Raum berichteten und dokumentierten meist unter Lebensgefahr. Vor Ort war auch die renommierte Journalistin und Fotografin Viktoria Ivleva. Berühmtheit erlang Ivleva, als sie Bilder von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl publizierte oder kurz danach in Chodschali angekommen, mit grauenvollen Szenen konfrontiert, die Ereignisse auf Bildern verewigte und schließlich in Europa auch vom Focus-Magazin angeworben wurde.

Die ethnischen Säuberungen verschonten niemanden. Armenische Soldaten und Freischärler ermordeten Kinder, Frauen und Greise auf grauenvolle Art und Weise 1 2 3 4 5. Schreiende Kinder, die aus Bussen zu entkommen versuchten, die zuvor in Brand gesetzt wurden, wurden erschossen. Alte Menschen, die sich nicht zu helfen wussten und in den Wellblechhütten ausharrten, wurden schonungslos erschossen. Auf den ansonsten immergrünen Wiesen im Land des ewigen Feuers konnten die Leichen von den abziehenden Massen von Flüchtlingen und aserbaidschanischen Armee- und Hilfsgruppen kaum weggeschafft werden. Der Winter versetzte die Leichen in eine Starre,  wodurch sie auf den Bildern unheimlich wirken. Die Bilder haben sich auch bei den Überlebenden verewigt. Der Hass sitzt zu tief, um auch einem Armenier in die Augen zu sehen.

Aus armenischer Sicht wird das bisher vehement bestritten und man will die Ereignisse als türkische Propaganda abtun. Ganz so einfach ist das nicht, auch wenn die Schuldfrage immer wieder aufgeworfen wird. Das Massaker ist und bleibt eine Tat, die bis heute verleugnet wird und ungesühnt die Minsker-Gruppe, die Vereinten Nationen und Russland beschäftigt. Wer die Ereignisse in Armenien auch nur erwähnt, hat Repressalien zu befürchten. Die politische Elite ist von altgedienten Veteranen des Karabach-Konflikts durchsetzt, die um ihren Ruf und ihre Position als Befreier besorgt sind. Auch die Bilder würden nur dokumentieren, was aserbaidschanische Soldaten der eigenen Bevölkerung angetan hätten, so die armenische Darstellung. Wenn selbst Bilder, Videos und Journalisten nicht überzeugen können, wer dann?

Zori Balayan, der selbst als armenischer Kommandeur einer kleinen Einheit mit dabei war und sich heute Journalist schimpft, kann genau erzählen, was den Türken in Chodschali angetan wurde. Er veröffentlichte bereits 1996 in seinem Buch „Revival of our souls“, was passierte. Auf Seite 260 bis 262 beschreibt Balayan, was sie mit einem 13-Jährigen Jungen anstellten.

Als ich und Khachatur ein Haus betraten, hatten unsere armenischen Soldaten ein 13-Jähriges türkisches Kind bereits an ein Fenster genagelt. Er machte aber so viel Lärm, dass wir ihm die abgeschnittene Brust seiner Mutter in sein Maul stopften, damit er Ruhe gab. Ich häutete seine Brust und seinen Bauch. Nach sieben Minuten starb das Kind. Als Doktor und Humanist war ich nicht glücklich darüber, was ich einem 13-Jährigen türkischen Kind angetan habe. Aber meine Seele war stolz darauf, ein Prozent Rache für meine armenische Nation zu nehmen. Khachatur schnitt die Türken dann in Stücke und warf sie den Hunden zum Fraß vor. An diesem Abend tat ich dasselbe mit drei weiteren Kindern. Khachatur schwitzte viel. Doch in den Augen der armenischen Soldaten und in seinen Augen sah ich Rache. Chodschali wurde so von 30 000 Menschen befreit. Ich tat meine Pflicht als armenischer Patriot. Um unsere Seelen von den Sünden am Vortag zu befreien, gingen wir am darauf folgenden Tag in die Kirche zum Beten. 6 7 8

Der heute schon deutlich ältere Zori Balayan ist so Stolz auf die Ereignisse in Berg Karabach, dass er zu feierlichen militärischen Zeremonien stets anwesend und weiterhin in der Welt für die Anerkennung Bergkarabachs politisch tätig ist.

1.Erklärung des aserbaidschanischen ständigen Repräsentanten der UN an die UN-Menschenrechtskommission mit zahlreichen Angaben über Augenzeugen, Berichte und Ausmaß, vom 30. Oktober 1996.

2. siehe Galerie

3.Das Massaker von Xocalı und die armenische Besatzung - TURKISHPRESS:
Der armenische Parlamentssprecher Vahan Hovanessian in einem Interview in der russischsprachigen in Armenien erscheinenden Tageszeitung "Novoje Vremya" (The New Time) am 16. März 2004 im Originalwortlaut:

I am proud that in the Karabakh war we killed 25.000 Azeris and only 5.000 Armenians were killed.

Ich bin stolz, dass wir im Karabach Krieg 25.000 Aserbaidschaner getötet haben und nur 5.000 Armenier starben

4."The Khojali Genocide: A Shameful Spot in the History of Mankind" - Turkish Weekly vom 27 Februar 2009 über internationale Beobachter und Journalisten im umkämpften Gebiet.

5.Auszug aus dem Buch von Daud Chejrijan "For the Sake of Cross" über eine Verbrennung eines lebenden Kindes, von Rolf Kunsch in "Chodchali" zitiert (Januar 2012). Zweites Bild ist ein Zitat vom einem französischen Journalisten.

6.Baris Sanli, "Russian Finger Inside Capitol Hill : Armenian Lobby?" (17 Oktober 2007.)

7.Die armenische Diaspora versuchte Ende 2009 per Beschwerde beim Europarat die Existenz dieses Buches von "Zory Balayan" zu bestreiten. Der Rechtsweg wurde dagegen weder von Balayan noch vom Verlag bis heute bestritten.

8."Zory Balayan" wurde per Haftbefehl von Interpol wegen mutmaßlicher Verbindung zu einem Anschlag auf eine U-Bahn in Baku im Jahre 1994 gesucht nach dem die aserbaidschanischen Behörden um Amtshilfe ersucht hatten und während einer Schiffsfahrt in Brindisi (Italien) im Jahre 2005 für fünf Stunden polizeilich festgehalten und dann freigelassen. Mittlerweile ist kein einziger Eintrag im Interpol vorhanden. Weitere Artikel über den Baku-Bombenanschlag und der Suche nach Balayan unter dem Titel: 

"Armenian suspect in 1994 Baku metro blast on Interpol's wanted list"
BBC Monitoring Service - United Kingdom; Mar 15, 2001

weitere Informationen zum Artikel
Noch nicht bewertet