Nach Göbekli Tepe nun Hasankeyf Höyük

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Nach Göbekli Tepe nun Hasankeyf Höyük

27. September 2017 - 22:22
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Archäologen haben nach jahrelangen Ausgrabungen in der Umgebung von Hasankeyf eine Siedlung gefunden, die vermutlich den Übergang der Menschen als Jäger und Sammler zu seßhaften Bauern und Viehzüchtern aufzeigt. Neben Göbekli Tepe in der Provinz Sanliurfa, die ebenfalls auf die Neolithische Revolution zurückdatiert wird, zeigen archäologische Funde in Hasankeyf Höyük, dass die Menschen anders als in anderen Ausgrabungsstätten der Region, reine Jäger und Sammler waren oder die Domestizierung von Nutztieren erst entwickelt hatten bzw. erst niederließen.

Nach Göbekli Tepe nun Hasankeyf Höyük

Batman / TP - Hasankeyf hat zahlreiche bedeutende kulturelle Schätze aufzuweisen, befindet sie sich doch nicht nur im Zweistromland und direkt am Fluß Tigris, sondern auch im Fruchtbaren Halbmond, in der sich der Ackerbau entwickelte und gleichzeitig die Domestizierung ausbreitete. Zahlreiche Kulturen hinterließen bis in die jüngste Zeit hinein ihre Spuren rund um Hasankeyf, die Archäologen seit Jahrzehnten erforschen.

Neben Göbekli Tepe, die in der Provinz Sanliurfa liegt, scheint jedoch Hasankeyf Höyük nach ersten Erkenntnissen des archäologischen Instituts der Türkei um älteren Ursprungs zu handeln. In Zusammenarbeit mit einem Expertenteam der japanischen Universität Tsukuba, finden seit 2009 Ausgrabungen auf einem Hügel statt, die am Tigris-Ufer rund 1,5km. von Hasankeyf entfernt auf einem Hochplateu liegt. Erste Befunde und geologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Siedlung vor rund 11.500 Jahren angelegt wurde und rund 1.000 Jahre bewohnt war, bis es schließlich aufgegeben wurde.

Geologische Probebohrungen und Analysen haben auch gezeigt, dass der Hügel in Hasankeyf ähnliche Strukturen und Funde  in bis zu 9m Tiefe wie in Göbekli Tepe verbirgt, auf die man noch nicht vorgestoßen ist. Man geht u.a. davon aus, dass die Siedlung auch einen zentralen Bau beinhaltet, der von Bewohnern gemeinsam genutzt wurde. Vermutlich sind auch Stelen bzw. Pfeiler vorhanden, die einen gemeinsamen Ort abgrenzen. Probebohrungen hätten diesen Befund bestätigt, so die leitende stellvertretende Ausgrabunsleiterin des türkischen Instituts. Bislang wurden mehrere Parzellen bis zu einer Tiefe von rund 2m freigelegt, bei der runde wie auch eckige Behausungen zum Vorschein kamen. Anders als in Göbekli Tepe, wo die Forschung bislang davon ausgeht, dass es sich dabei um ein steinzetliches Heiligtum handelt, wohnten in der Siedlung Menschen.

Das zeigen Dutzende freigelegte Behausungen, in der auch Skelette vorgefunden wurden. Nach Angaben von Professor Yutaka Miyake von der Universität Tsubuka, handelt es sich dabei um eine Siedlung, die sich während einer Zeit zwischen 11.500 und 9.500 v.Chr. weiter entwickelte. Während in tieferen Schichten runde, in den Boden eingelassene Behausungen zu finden sind, werden in höheren Schichten eckige mit Steinen aufgetürmte Behausungen vorgefunden, in der Verstorbene in einer Kammer unter der Behausung bestattet wurden. Neben Grabbeilagen wie Muscheln, bearbeiteten Steinen und Perlen ist man insbesondere über die Bestattungsform erstaunt. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Verstorbenen in der Kammer unter der Behausung aufbewahrt wurden. Rund ein viertel der Skelette sind jedoch in einem breiten Band über die Länge hinaus mit roter und schwarzer Farbe bemalt. Laut den Archäologen wurde die Bemalung jedoch nach der Verwesung angebracht, hielten die Angehörigen also weit über den Tod hinaus eine enge Beziehung mit dem Toten aufrecht.

Rund 120 Behausungen mit Gräbern wurden bislang in einem breiten Streifen ausgegraben. Neben einer rituellen Bestattungsform haben Ausgrabungen auch gezeigt, dass die Siedlung von Menschen errichtet wurde, die anders als in anderen neolithischen Funden in der Region, vermutlich noch mit jagen und sammeln die Ernährung sicherten. Ausser Knochen von Wildschafen und Wildziegen fanden die Archäologen keine Hinweise auf Getreidesorten oder Hülsenfrüchte. Möglich sei aber auch, dass die Domestizierung sich erst entwickelte.

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