Zypern: einst Zufluchtsstätte für Terroristen

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Zypern: einst Zufluchtsstätte für Terroristen

30. Dezember 2010 - 19:03
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Was vielfach bestritten wurde, wird anhand staatlicher Dokumente offensichtlich. Zypern war ein Terrorhort der PKK und ASALA

70 Seemeilen entfernt beherbergte ein Regime jahrzehntelang Terrororganisationen. Nach dem der PKK-Terrorführer Abdullah Öcalan im Frühjahr 1999 in Kenia durch den türkischen Geheimdienst aufgegriffen wurde und infolge seiner Aussagen vor dem türkischen Strafgericht, Zypern, Armenien und Griechenland ausserordentlich belastete, wurden die Vorwürfe von den Ländern postwendend als türkische Propaganda bezeichnet. Jedoch konnte auch ein vehementes abstreiten weder den bei Abdullah Öcalan gefundenen zypriotischen Reisepass in Abrede stellen, noch die Aussagen des Terrorführers selbst in Frage stellen. Griechenlands Rolle in dieser Affäre war insofern delikat, da Öcalan beim verlassen der griechischen Botschaft in Kenia gefasst wurde.

Zyprischer Reisepass Abdullah ÖcalanDie Rolle Zyperns war von besonderer Bedeutung, zumal eine neue Veröffentlichung des Londoner Redaktionsbüros der CNN-Türk heute für Aufsehen sorgt. Abdullah Öcalan hatte während seiner mehrtägigen Verhandlung vor dem türkischen Strafgericht ausgesagt, das Zypern nur als Durchgangsstation für Finanzen und Personal genutzt wurde. Sein eigener zypriotischer Reisepass, sei von einem Mittelsmann aus Athen in Zypern angefordert worden, wie auch Pässe für Mitglieder ausgestellt wurden. Besonderes Augenmerk wurde dabei auch auf die Finanzen gelegt, die damals das Gericht im einzelnen befragt hatte. Zu Zypern hatte Öcalan gesagt, dass Transfergelder über kirchliche Einrichtungen abgewickelt wurden. Im allgemeinem hätte auch kein Land offizielle Verbindungen gesucht, sei aber auch nicht gegen die Organisation vorgegangen, so in Armenien, Zypern oder Griechenland.

Dr. Vassos Lyssarides, der Name der immer wieder auftaucht

Mit der jüngsten Veröffentlichung des CNN-Türk Reporters Metin Günes, wird auch die Rolle des Politikers und ehemaligen EOKA-Mitglieds unter die Lupe genommen. Lyssarides, der seit frühester Jugend, für die Einheit mit dem Festland kämpfte, hatte als EOKA-Mitglied aktiv an Kampfhandlungen gegen die britische Obrigkeit zwischen 1955 und 1959 teilgenommen. Lyssarides hatte sich 1959 gegen das Londoner-Abkommen gestellt, die eine Garantie zwischen der Türkei und Griechenland über die zyprische Insel-Frage vorsah. 1969 gründete Lyssarides die EDEK, die erste sozialistische Partei Zyperns und wurde zum Parteivorsitzenden gewählt. 2004 stellte er sich gegen den Annan-Plan und plädierte unermüdlich, gegen die Wiedervereinigung zu stimmen. In diesem Sinne wird heute der Artikel von Metin Günes interpretiert.

Dokumente aus britischen StaatsbeständenDas mehrere Seiten umfassende Dokument das in London Metin Günes ausgehändigt wurde, stellt die Verbindungen des zyprisch-griechischen Politikers Lyssarides zur ASALA, PKK und sonstigen Drittorganisationen in den 80er Jahren her. In dem Dokument das zwischen der britischen Botschaft in Bonn und dem Auswärtigen Amt in London ausgetauscht wurde, geht es um Lyssarides, dem zuerst unterstellt wurde, Verbindungen zu Terroristen der ASALA zu haben, die mit Anschlägen in der Türkei und in anderen Ländern in Verbindung stehen. In dem Dokument hält das Auswärtige Amt es für nötig, weitere Hintergrundinformationen anzufordern. Im weiteren Verlaufe des schriftlichen Verkehrs, wird überdies ein umfangreiches Profil über den Politiker erstellt. Dabei soll es auch zu Treffen zwischen britischen Diplomaten und deutschen Beamten gekommen sein. Demnach wird in den Dokumenten dokumentarisch ein Bericht verfasst wonach man in dieser Frage, mit VLR Dr. Bensch (Vortragender Legationsrat im Auswärtiges Amt) in Kontakt tritt, um weitere Informationen zu erhalten. Bensch sei gefragt worden, ob er Kenntnis darüber besitze, wer den Armeniern (Terroristen) helfe. Er habe geantwortet, dass das Auswärtige zwar Informationen besäße, jedoch keine gesicherten. Man nehme aber stark an, dass die Gruppe von Lyssarides geschützt werde.

Lyssarides bereits einmal in Deutschland verhaftet

Bei den weiteren gemeinsamen Erörterungen soll Dr. Bensch erklärt haben, dass Lyssarides bereits zuvor in derartigen Machenschaften verwickelt gewesen sei. Danach soll Lyssarides gegen die griechischen Militärjunta Anstrengungen unternommen haben und 1972 in Deutschland festgenommen worden sein, als er beim Kauf von Sprengstoff mit einem Komplizen erwischt wurde. Nur durch die Intervention Zyperns habe man dabei nur Lyssarides freigelassen. In den britischen Dokumenten wird auch über Lyssarides Waffenhandel im großen Stil berichtet, die zwischen den Verfeindeten Parteien in Libanon betrieben wurde oder über Kontakte mit anderen Organisationen bewerkstelligt wurden.

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