Sadaka Tasi – Der Spenden Stein

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Sadaka Tasi – Der Spenden Stein

05. Oktober 2016 - 00:28
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Sadaka - bedeutet Spende und ist eine freiwillige Hilfe gegenüber einem Hilfsbedürftigen ohne die Erwartung einer Gegenleistung. Tasi - bedeutet Stein. Beides zusammen stand während der Osmansichen Ära und darüber hinaus für eine islamisch motivierte kulturelle Eigenart, Menschen in Not ohne Gegenleistung zu helfen.

Stuttgart / TP - Die soziale Hilfsbereitschaft während der Osmanischen Ära bis in die junge türkische Republiksgeschichte hinein, sowie die Moralvorstellung hierzu, hatte bei den Osmanen und Türken in Sachen Feinfühligkeit ihren Höhepunkt mit der Sadaka Tasi bzw. Spenden-Stein erreicht. Die Sadaka Steine, die heute noch in zahlreichen Städten stehen, sind Zeugen dieser Zeit. 

Die 1,5 bis 2m hohen Steinblöcke welche meist aus massivem Granit herausgeschlagen wurden, befanden sich an zentralen Plätzen und in der Nähe von Gemeinschaftseinrichtungen wie Bibliotheken oder Moscheen. Die Steine mit einer deutlich herausgearbeiteten Nische oder Aushöhlung wurden an einen, auf den ersten Blick uneinsehbaren Platz aufgestellt. Wo die Möglichkeit nicht bestand, so einen Stein in den Hintergrund des geschäftigen Treibens aufzustellen, wurden Nischen in öffentliche Brunnen gemeißelt. Das hatte auch einen praktischen Effekt. Wollte ein Spender eine Spende abgeben, konnte dieser während dem Trinken die Spende in Form von Geld unauffällig in die Nische legen. Ein Hilfsbedürftiger konnte ebenfalls trinken und dabei unauffällig soviel Geld entnehmen, wie er benötigte.

In der islamischen Moralvorstellung war und ist es immer noch verpöhnt, öffentlich zu Spenden oder sich zu outen. Dies lag wohl daran, dass zum einen das Spenden ausschließlich als eine Wohltat zum Erwerb des Wohlwollen Gottes betrachtet wurde und zum Anderen, um dem Schamgefühl des Bedürftigen entgegen zu wirken. 

Deshalb legten Wohlhabende meist nach Sonnenuntergang ihre Spenden in die dafür vorgesehene Aushöhlungen an den Steinen. Im Dunkeln konnten die Bedürftigen das Geld dann entnehmen, ohne dabei sich für ihre Not schämen zu müssen. So edel die Spender waren, so edel waren auch die Mittellosen. Sie nahmen immer nur so viel wie sie brauchten und ließen den Rest für den nächsten Bedürftigen. Meist wurde dem Spender dann noch das Fürbittengebet durch den Bedürftigen zuteil, nach dem die Spende genommen wurde. 

Diese Spenden die zum Wohlwollen Gottes abgegeben wurden, waren daher auch sprichwörtlich sicher wie in einem Banktresor. Ein französischer Reisender der das Istanbul des 17 Jhd. beschreibt, beobachtete, dass das Geld in einer dieser Steine nach einer Woche immer noch nicht entwendet worden war.

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