Als die Türkei den deutschen Flüchtlingen Asyl gewährte

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Als die Türkei den deutschen Flüchtlingen Asyl gewährte

08. November 2017 - 05:23
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Flüchtlinge und Türkei? Da denkt man an die Millionen von Menschen, die vor allem aus Syrien und dem Irak, dorthin flüchten. Doch kaum bekannt ist, dass die Türkei viele Jahre lang Zufluchtsort für Deutsche war, die im eigenen Land verfolgt wurden. Verfolgt von den Nationalsozialisten, weil sie Antifaschisten oder Juden waren oder ...

Als die Türkei den deutschen Flüchtlingen Asyl gewährte

Sie wurden "haymatloz" genannt, ein Wort, das es so in der türkischen Sprache wohl nicht oder nicht mehr gibt. Eine Tafel am Eingang der Universität von Istanbul z.B. erinnert seit 1986 an dieses Kapitel dunkelster deutscher Geschichte: "In Dankbarkeit dem türkischen Volk, das von 1933 bis 1945 unter der Führung von Staatspräsident Atatürk an seinen akademischen Institutionen deutschen Hochschullehrern Zuflucht gewährte. Im Namen des deutschen Volkes Richard von Weizsäcker, Präsident der Bundesrepublik Deutschland“, steht dort zu lesen. 

"Haymatloz" heißt auch der Dokumentarfilm der Journalistin Eren Önsöz, der Ende Oktober in Deutschland in die Kinos kam. Fünf Nachfahren von deutschen Flüchtlingen, die seinerzeit in der Türkei Aufnahne und Obdach fanden, haben dafür Önsöz vor der Kamera die Geschichte ihrer Familien erzählt.

Es waren Wissenschaftler, hochqualifiziert und oft Koryphäen ihres Faches, mehr als tausend, wie es in manchen Quellen heißt. Rechnet man die Familienmitglieder mit, waren es sogar bis zu 5000 Menschen, die fortan in der Türkei lebten. Genaue Angaben gibt es nicht. Klar ist, dass etwa ein Drittel der Professoren an deutschen Universitäten ihre Stellung verloren, nachdem die Nationalsozialisten 1933 an die Macht gekommen waren.

Der Pathologe Philipp Schwartz war einer der Ersten, der diese Chance sah und nach mit Famikue nach Istanbul flüchtete. "Wir wären auch in Auschwitz gelandet. Das war unsere Alternative", sagt seine Tochter Susan Ferenz-Schwartz heute. Als ihre Familie in die Türkei flüchtete, war sie ein Jahr alt. 

"Dort, in Istanbul, hatten wir ein wunderbares Leben. Aber es war auch von Furcht geprägt, vor den "Reichsdeutschen", die es in Istanbul ja auch gab." 

Ihr Vater war in der Türkei hochangesehen und gründete damals die "Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland". Mit seiner Hilfe kamen viele Wissenschaftler in die Türkei, auch der Vater von Kurt Heilbronn. Alfred Heilbronn war Pflanzengenetiker und gründete in Istanbul das botanische Institut. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er dort eine Türkin, Sohn Kurt wurde in Istanbul geboren.

 Kurt ist heute Psychologe und Therapeut. Und pendelt heute zwischen Deutschland und der Türkei. In der Türkei werde er als Türke gesehen. Und aus seinem Nachnamen machen die Türken einfach "Halilburan" oder "Halilibrahim".

Susan Ferenz-Schwartz und Kurt Heilbronn sind zwei der fünf Protagonisten im Film "Haymatloz". Fünf Menschen, die der Türkei dankbar sind für die Aufnahme ihrer Familien, für diese Lebensrettung. Fünf Menschen, an denen Regisseurin Önsöz auf ein nahezu vergessenes Kapitel deutsch-türkischer Geschichte aufmerksam macht.

In Deutschland hauptsächlich vergessen und oftmals verschwiegen, weil das alles nicht in das deutsche Klischeebild über die Türkei passt. Seit den Fünfzigerjahren ist das Thema in Deutschland tabuisiert worden. Positives in Bezug auf die Türkei hat man dort ja schon immer ignoriert oder negiert.

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