Haymatloz - Exil in der Türkei 1933-1945

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Haymatloz - Exil in der Türkei 1933-1945

20. November 2015 - 01:31
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In der Zeit des Nationalsozialismus gingen mehrere hundert Verfolgte ins Exil in die Türkei, sie bekamen „heimatlos“ in den Pass gestempelt, was als „haymatloz“ in die türkische Sprache einging.

Viele Flüchtlinge schilderten, dass sie in der Türkei nicht als Belastung empfunden wurden sondern eine neue Heimat erhielten. Viele nahmhafte Persönlichkeiten, die in der Türkei Zuflucht fanden und die deutsch-türkische Freundschaft wesentlich mitgeprägt haben, werden in einem Buch vorgestellt.

Ernst Reuter muss für viele Türken einen merkwürdigen Anblick geboten haben, wenn er in den 30er Jahren früh morgens mit dem Rad durch Ankara fuhr. Die Baskenmütze tief ins Gesicht gezogen und Knickerbocker an den Beinen, machte er sich auf den Weg zu seinen Vorlesungen, den Gemüsehändlern und Sesamkringelverkäufern zuwinkend. Kommunalpolitik und Städtebau lehrte der Deutsche an der Hochschule für Politik in Ankara, mehr als zwölf Jahre verbrachte er im türkischen Exil.

Ernst Reuter, später erster Regierender Bürgermeister Westberlins, war einer der bekanntesten deutschen Emigranten in der Türkei. Dem Sozialdemokraten war nach seiner Entlassung als Magdeburger Oberbürger-meister und zweimaliger Haft im Konzentrationslager Lichtenburg 1935 nur die Flucht geblieben. Die türkische Regierung bemühte sich besonders intensiv um die gebildeten Emigranten und erhoffte sich wichtige Impulse beim Aufbau der jungen Republik. Etwa 800 Wissenschafter, Künstler und  Politiker kamen auf Einladung Atatürks. Alfred Heilbronn und Curt Kosswig gründeten das Botanische Institut in İstanbul und den ersten Nationalpark der Türkei. Paul Hindemith reformierte die türkischen Musikinstitutionen grundlegend. Der Rechtswissenschaftler Ernst E. Hirsch baute die juristische Fakultät der Universität İstanbul mit auf und war an der Abfassung des türkischen Handelsgesetzbuches beteiligt. Fritz Neumark arbeitete das Gesetz zur Einführung der Einkommenssteuer in der Türkei aus. Das Parlament von Ankara hat der Berliner Architekt Bruno Taut entworfen, die Literaturfakultät wurden nach den Plänen Clemens Holzmeisters gebaut.

Durch die Aufarbeitung des Themas in den vergangenen Jahren wurde ein bedeutendes Kapitel deutsch-türkischer Beziehungen erschlossen. Der Verein Aktives Museum hat die Geschichten der deutschen Emigranten bereits im Jahre 2000 in einem Buch zusammengefasst. Das 234-seitige Buch mit Fotografien, kann direkt über den Verein Aktives Museum erworben werden.

"Haymatloz - Exil in der Türkei 1933-1945"
Schriftenreihe des Vereins Aktives Museum Band 8
234 Seiten, Druck 2000, Berlin

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