Das Fest der ungesäuerten Brote

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Das Fest der ungesäuerten Brote

21. Oktober 2011 - 21:51
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Pessach ist eines der zentralsten Feste der jüdischen Religion, auch als "Fest der ungesäuerten Brote" bekannt.

Kein anderes Fest verbindet die Juden mit ihrer Ursprungsgeschichte mehr als das Pessach-Fest, welches auch in der Türkei gefeiert wird und die Erinnerung an die Flucht der Israeliten aus Ägypten vor über 3.000 Jahren wachhält. In der Türkei ist das "Pesah"-Fest ein fester Bestandteil der türkischen Kultur in Istanbul, Izmir oder Hatay, bei der das friedliche Beisammensein besonders eindrucksvoll demonstriert wird. Keine andere religiöse Minderheit bewahrt und teilt ihre Kultur zugleich mit anderen, wie die Juden (Musevis) in der Türkei.

Das Pessach-Fest wird in diesem Jahr zwischen dem 19. und 26. April gefeiert. Um den Auszug aus Ägypten vor über 3.000 Jahren den Erzählungen nach gerecht zu werden, darf kein gesäuertes Brot gebacken, verzehrt oder weitergereicht werden. Vor 3.000 Jahren hätten die Israeliten keine Zeit gehabt, Brot aufgehen bzw. säuern zu lassen. Auf der Flucht hätten sie lediglich Mehl und Wasser verrührt und sofort auf heißem Stein gebacken. An diese Zeit erinnert auch die Matze, ein dünnes Fladenbrot, welches aus ungesäuertem Teig hergestellt wird.

Auch in der Türkei wird dieser Brauch alljährlich gefeiert. Erst werden die türkischen Nachbarn eingeladen; dabei wird das aussprechen einer Einladung selbst bereits als ausreichend empfunden und die Einladung teilweise angenommen, andernfalls höflich abgewiesen, dennoch alles Gute gewünscht. Im Anschluss daran wird dann innerhalb der Familie die Woche gemeinsam verbracht. Der Respekt der einem von anderen Religionszugehörigen gezollt wird, bleibt nicht unbeantwortet. Meist wird auch an islamischen Feiertagen der Nachbarschaft, auch wenn es nur mit einer Geste verbunden ist, gratuliert. Diese nachbarschaftliche Beziehung hat sich seit Jahrhunderten bewährt, um die Andersartigkeit, sei es religiöser oder kultureller Natur, zu bewahren, aber dennoch in einer Gesellschaft vollkommen integriert zu sein. Nicht von ungefähr hat sich daher auch der Spruch etabliert, dass ein Basar ohne einen Juden einem wie Suppe ohne Salz vorkommt (Yahudisiz pazar, tuzsuz çorbaya benzer). Keine andere religiöse Minderheit genießt trotz der immer wieder auftretenden großen politischen Anspannungen einen so großen Respekt, wie die Musevis in der Türkei.

Das unterstreichen alljährlich nicht nur die Bürger, auch Regierungsvertreter in der Türkei wollen diesem gerecht werden. Dieses Jahr nahm Ministerpräsident Erdogan die Gelegenheit wahr, in einer persönlichen Videobotschaft, den Musevis zum Fest zu gratulieren. Die Feste der Völker hätten eine besondere Stellung in ihrem Leben. Die Türkei werde traditionell weiterhin daran festhalten, den religiösen Minderheiten diesen Anspruch zu gewährleisten. Die Musevis seien in diesem Land fest verwurzelt und würden seither ihre Bräuche und Kultur unabhängig der Landeskultur ausüben. Zum Schluss gratulierte Erdogan den Musevis und wünschte in der Botschaft Frieden und ein froher Fest. In Istanbul gratulierte der Oberbürgermeister der Stadt, Kadir Toptas in einem Schreiben dem Oberrabiner von Istanbul Ishak Haleva zum bevorstehenden Fest und wünschte alles Gute. Oberrabbiner Haleva ist Oberhaupt der rund 26.000 Juden des Landes.

Türkische Juden bezeichnet man im weitesten Sinne die Krimtschaken, Chasaren und Karäer. Die größte Gruppe unter den türkischen Juden bilden die Sepharden aus Spanien und Portugal, die 1492 auf Einladung des Sultans sich im damaligen Osmanischen Reich ansiedelten, nach dem sie in Spanien und Portugal vertrieben wurden. Auch gibt es in der Türkei Aschkenasen, die aus Mittel- und Osteuropa stammen, allerdings in weit geringerer Zahl. Dazu gibt es noch Nachkommen von Juden, die schon in der Antike und byzantinischer Zeit auf dem Gebiet der heutigen Türkei lebten. Es gibt die etwa hundertköpfige Gruppe der Karäer, welche die rabbinische Tradition nicht anerkennen. Heute leben in der Türkei etwa 26.000 Juden, vor der Gründung Israels 1948 waren es noch 120.000. Die in der Türkei lebenden Juden genießen Minderheitenrechte, die im Vertrag von Lausanne am 24. Juli 1923 definiert wurden. 

Veröffentlicht von turkishpress.de am 22. April 2011

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