Afrin-Demonstration in Salzgitter provoziert, sagt Polizei

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Afrin-Demonstration in Salzgitter provoziert, sagt Polizei

03. Februar 2018 - 00:28
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Aussage gegen Aussage: Während einer Pro-PKK Demonstration in Salzgitter wurde am Freitagnachmittag ein Türkischstämmiger PKW-Fahrer von Demonstranten angegriffen. Die Polizei spricht von einer Provokation. Der Fahrer dementiert und erklärt, er sei alleine gewesen und habe sich im Fahrzeug befunden. 

Afrin-Demonstration in Salzgitter provoziert, sagt Polizei

Salzgitter / TP - Am Freitag wurde während einer Demonstration einer PKK-nahen Organisation in Salzgitter-Lebenstedt ein Türkischstämmiger in seinem Fahrzeug von Demonstranten angegriffen. Mehr als zwei Dutzend Demonstranten liefen auf das Fahrzeug unvermittelt zu und traktierten es mit Fahnenstangen, Fußtritten und Faustschlägen. Der Fahrer blieb ruhig und entfernte sich danach langsam vom Tatort. Die Polizei teilte in einer Pressemitteilung mit, dass die Demonstration zunächst friedlich verlief, jedoch von einem Fahrer provoziert wurde.

Der Vorfall der von Anwohnern der Berliner Straße in Lebenstedt gefilmt wurde, wird derzeit in sozialen Netzwerken viral verbreitet. Daraus ist ersichtlich, wie gegen 17 Uhr ein an der Kreuzung an einer Ampelanlage hinter einem weiteren Fahrzeug stehender VW während der Grünphase unvermittelt von Demonstranten des Protestzugs unter dem Motto "Erdogans Angriffe auf Afrin" angegriffen wird. Fast eine Minute lang traktieren die Angreifer das Fahrzeug mit migeführten Fahnenstangen, andere treten mit Füßen zu oder schlagen mit der Faust auf das Fahrzeug. Die Polizei ist zunächst nicht zu sehen.Laut dem Türkischstämmigen Fahrer, war er alleine im Fahrzeug unterwegs. Er vermutet, dass man ihn als Türken erkannt hat und deshalb der Angriff gestartet wurde. Die Polizei spricht in ihrer Pressemitteilung jedoch von einer Provokation seitens des Fahrers, wobei das alleine noch immer kein Grund ist, mit Gewalt zu antworten. Das Fahrzeug sei laut Polizei beschädigt worden, spricht aber generell von einer friedlichen Demonstration mit insgesamt 600 Teilnehmern. Dennoch gebe es ein Ermittlungsverfahren wegen schweren Landfriedensbruch und ein Verfahren wegen Sachbeschädigung.

Das Opfer erklärte auf Anfrage telefonisch mit, dass er sich danach ruhig und langsam vom Tatort entfernt und dann den Vorfall bei der Polizei gemeldet habe. Die Straße sei nicht abgesperrt gewesen, es habe keine Anzeichen gegeben, dass das aus dem Ruder gerät, so das Opfer.

Der Angriff sprach sich in der Region schnell rum. Zeugen, darunter auch bekannte Persönlichkeiten der türkischen Community in Salzgitter zeigten sich empört über den Vorfall und die Reaktion der Polizei. Sie sprechen von eklatanten Fehlern. Nicht nur, dass der Protest an sich bereits gegen einige Gesetze im Land verstoße, weil verbotene Fahnen mitgeführt worden seien, auch der Umstand, dass derartige Demonstrationen auch bei der kleinsten Gegenreaktion immer wieder ausser Rand und Band geraten und gewalttätig werden, habe man wieder einmal nicht berücksichtigt.

Inzwischen hat sich auch das türkische Generalkonsulat in Hannover eingeschaltet und sprach mit dem Opfer. Das Opfer selbst erklärte auf Anfrage, dass er den Vorfall so nicht auf sich beruhen lassen werde. Ein friedliches Miteinander setze voraus, dass man auch die Meinung anderer respektiere. Es könne nicht sein, dass allein die Anwesenheit, vor allem wenn sie nicht geplant war, die Demonstranten dazu bewege, gewalttätig zu werden. In einem weiteren Gespräch mit Angehörigen teilten diese mit, dass man sich mit dem Bürgermeister, der Polizei und allen Verantwortlichen zusammensetzen werde, um diese Situation in den Griff zu bekommen, bevor jemand zu Schaden komme.

Im gesamten Bundesgebiet hat die NAV-DEM (Demokratisches Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland e. V.) zu Protesten aufgerufen. Auch in Salzgitter beteiligte sich eine PKK-nahe Organisation dem Aufruf zum Protest gegen den Einmarsch türkischer Truppen in den Norden Syriens. In den vergangenen Tagen kam es immer wieder zu Übergriffen von Demonstranten auf Türken oder türkische Einrichtungen. Bislang wurden seit der militärischen Operation vor knapp zwei Wochen auch über 6 Moscheen im Bundesgebiet Ziele von Anschlägen. Dabei bekannte sich eine PKK-nahe Gruppierung zu den Übergriffen.

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