Afrin: YPG-Gefangene berichten von Zwangsrekrutierung

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Afrin: YPG-Gefangene berichten von Zwangsrekrutierung

03. Februar 2018 - 20:56
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Türkische Medien erhalten die Möglichkeit im Zuge der militärischen Operation "Olivenzweig" in der von der YPG befreiten Zone gefangen genommene YPG-Terroristen zu interviewen. Im Interview erzählen die Gefangenen von Zwangsrekrutierung, Drohungen und unhaltbaren Zuständen in den Volksverteidigungseinheiten (YPG). Seit Jahren werfen Menschenrechtsorganisationen sowie einzelne Länder der YPG sowie ihrem politischen Arm PYD vor, Kinder und Jugendliche zum Teil gegen ihren Willen oder die der Eltern zu rekrutieren.

Afrin: YPG-Gefangene berichten von Zwangsrekrutierung

Gaziantep / TP - Terroristen der "Volksverteidigungseinheiten" (YPG), die von Soldaten der "Freien Syrischen Armee" (FSA) im Rahmen der Afrin-Operation gefangen genommen wurden, erzählen, wie sie zu Mitgliedern der Terrororganisation YPG wurden und im Bezirk Afrin eingesetzt werden.

Berichte von Human Rights Watch, Amnesty International, der UN Commission of Inquiry on Syria sowie die Recherchen von KurdWatch belegen seit Jahren, dass nicht nur die Terrormiliz IS Kinder und Jugendliche zwangsrekrutiert und als Kindersoldaten einsetzt, auch die Volksverteidigungseinheiten (YPG) sowie die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) der Partei der Demokratischen Union (PYD) rekrutieren regelmäßig Kinder zwischen zwölf und siebzehn Jahren, um sie im bewaffneten Kampf einzusetzen. Seit zwei Wochen werden immer wieder auch YPG- und YPJ-Terroristen von FSA-Milizen oder der türkischen Armee gefasst, die im Rahmen der Militäroperation "Olivenzweig" im nördlichen Gouvernement Aleppo im Bezirk Afrin die YPG verfolgen.

Türkische Medien erhalten immer wieder die Möglichkeit, gefangen genommene YPG-Terroristen zu interviewen, so auch am vergangenem Donnerstag. Drei YPG-Gefangene erzählten auf Anfrage von Journalisten, dass sie dazu gezwungen wurden, in der YPG zu kämpfen, andernfalls würde man die Angehörigen bestrafen, so ein Gefangener.

"Sie sagten meinem Vater, dass sie ihn töten würden, wenn ich nicht der YPG beitrete", so einer der gefangen genommenen YPG-Terroristen. Ein weiterer Gefangener erklärte gegenüber den Journalisten, die YPG-Terroristen hätten seinen Vater und seine Schwester bedroht und ihn zum Beitritt gezwungen. Diese hätten ihm gesagt, dass mindestens ein Familienmitglied der YPG angehören müsse. Ein weiterer erklärte, sie würden seit über 5 Jahren wie Knechte für die YPG kämpfen. 

Der Terrororganisationen PKK und YPG sowie ihrem politischen Arm in Syrien, der PYD, wird seit Jahren vorgeworfen, auf diese Weise Kinder und Jugendliche zu rekrutieren. Berichte von Human Rights Watch, Amnesty International, der UN Commission of Inquiry on Syria sowie die Recherchen von KurdWatch belegen, dass die YPG sowie die YPJ der Partei der Demokratischen Union (PYD), regelmäßig Kinder zwischen zwölf und siebzehn Jahren rekrutieren und im bewaffneten Kampf einsetzen. Wer sich nicht beugt oder widersetzt, läuft Gefahr, selbst erschossen zu werden oder Angehörige werden bestraft, wie ein Beispiel aus dem Jahr 2015 zeigt:

Als ich in die Berge [Nordirak] kam, hatte ein Mädchen bereits sieben Mal versucht zu fliehen, und beim achten Mal wurde sie erneut gefangen genommen. Wir wurden alle zusammengeholt. Den ganzen Abend gab es eine Versammlung. Sie wurde auf eine Bühne gestellt und ihr wurde gesagt, dass eine PKK-Kugel zu gut sei für sie und sie wurde erschossen und in den Fluss geworfen.
KurdWatch vom 30. Mai 2015

 

Die Rekrutierung von Minderjährigen durch die PYD und deren bewaffneter Arm YPG, ist in den letzten Jahren sehr gut dokumentiert worden. Die unabhängige Untersuchungskommission zu Syrien des UN-Human Rights Council berichtete am 12. Februar 2014 von minderjährigen YPG-Kämpfern in Qamishli (Al-Hasakah) und in Ain Al-Arab (Ar-Raqqa), die im Juli und August 2013 gesichtet wurden. 

UN-Human Rights Council berichtete am 18. März 2014 erneut von bewaffneten Jungen und Mädchen zwischen 14 und 17 Jahre, die sich an Checkpoints der YPG in Qamishli, und Al Malikiyah in Al Hasakah und in Afrin (Aleppo) aufhielten. Laut lokalen Aktivisten, welche in einem Artikel der libanesischen Zeitung Dailystar am 30. Januar 2015 zitiert wurden, nimmt die Zahl an Zwangsrekrutierungen, manchmal auch von minderjährigen Mädchen, in Afrin (westlich von Qamishli) weiterhin zu, obwohl die YPG/PYD zu der Zeit zugesichert hatte, alle Kindersoldaten zu entlassen. 

Sie haben mit uns über die kurdische Situation gesprochen und erklärt, wie wichtig es sei, die [kurdische] Nation zu verteidigen. Es ist unsere Entscheidung beizutreten […] Meine Mutter und mein Vater waren dagegen und sagten nein, aber ich wollte es dennoch tun.
HRW report 2014

Vor allem im Kanton Jazeera mit Hauptstadt Qamishli ist dieses Phänomen weit verbreitet. KurdWatch berichte bis weit in das Jahr 2016 hinein von Jugendlichen, die von der PYD und der YPG ohne die Erlaubnis der Eltern vor ihrem Haus mitgenommen und zwangsrekrutiert wurden. Die Rekrutierungen von Minderjährigen in der PYD stossen in der kurdischen wie auch christlichen Zivilgesellschaft zwar auf massive Empörung, doch Proteste werden von der "Asayis", der YPG-Polizeibehörde, mit Gewalt aufgelöst, Eltern werden festgenommen. Die jordanische Dailystar berichtete am 30. Januar 2015 von Demonstrationen, welche von den Einwohnern der Stadt Amouda in der Nähe von Qamishli gegen die PYD regelmässig organisiert werden. Dabei fordern sie weiterhin die Freilassung von jungen Mädchen, die rekrutiert wurden. Laut KurdWatch publizierten 125 kurdische Politiker, Autoren und Aktivisten am 8. Januar 2015 ein Schreiben im Internet, in welchem sie die Rekrutierung von Minderjährigen durch die PYD verurteilten. Die meisten der Unterzeichnenden leben in der Diaspora.

Der EU-Abgeordnete Alyn Smith, der im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten in der arabischen Halbinsel, Irak sowie Syrien tätig war, unterstützte eine Kampagne des "Europäischen Zentrums für Kurdische Studien" in Berlin, die auf dem Kurznachrichtendienst Twitter unter dem Hashtag #WarIsNoExcuse weitere politische Persönlichkeiten für die Kampagne gewinnen konnte. Die Kampagne gegen die Rekrutierung von Kindersoldaten wurde u.a. von Ute Finckh-Krämer (MdB der SPD), Uwe Schummer (MdB der CDU/CSU) sowie Cem Özdemir (Grünen) unterstützt.

In ihrem Jahresbericht über Menschenhandel Mitte 2016 warf das US-Außenministerium der YPG/PYD vor, Jungen und Mädchen, einige unter 15 Jahre, rekrutiere. Man würde sie indoktrinieren und in Trainingslager schicken. Es gebe auch Fälle von Drohungen gegenüber den Eltern oder Kindern. 

HRW noted that Ahrar al-Sham, Jabhat al-Nusra, and YPG militias enlisted fighters under the age of 18. The COI report also confirmed that the YPG demobilized child soldiers from its ranks and began monitoring adherence to its commitment to eliminate children from fighting. Nevertheless, some local groups reported YPG and Asayish forces abused and forcibly recruited children.
US-State Department - SYRIA 2016 HUMAN RIGHTS REPORT

Human Rights Watch schildert in einem Bericht im Dezember 2016 ausführlich 29 Fälle im Nordirak, in dem kurdische und jezidische Kinder von zwei bewaffneten Gruppen rekrutiert wurden, die von der Terrororganisation PKK gegründet wurden. So sollen die Volksverteidigungskräfte sowie die jesidische Miliz Kinder unter 15 Jahren von ihren Eltern mit Gewalt entrissen oder entführt worden sein.

The PKK should categorically denounce the recruitment and use of child soldiers, and commanders in affiliated armed groups should know that the recruitment and use of children under age 15 constitute war crimes.
Zama Coursen-Neff, Leiter der Abteilung für Kinderrechte in Human Rights Watch

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