Nordsyrien: Vergewaltigung, Kindersoldaten, Kinderhandel

Lesezeit
3 Minuten
Gelesen zu

Nordsyrien: Vergewaltigung, Kindersoldaten, Kinderhandel

03. Dezember 2018 - 19:09
Kategorie:
0 Kommentare

Türkischen Medienberichten zufolge boomt der Handel mit Kindern, auch im Bürgerkriegsland Syrien. Zwangsrekrutierte oder freiwillige "Kämpferinnen" die Opfer einer Vergewaltigung wurden, erzählen, dass sie entweder zur Abtreibung gezwungen oder das Neugeborene nach der Geburt von ihnen getrennt und verkauft wurden. Säuglinge, die nicht verkauft werden können, sollen ideologisch aufgezogen und als Kindersoldaten eingesetzt werden.

PKK-Terroristinnen

Ankara / TP - Die türkische Polizei hat nach einem Schlag gegen einen Ring von Menschenhändlern ein System des Kinderhandels aufgedeckt, die aufzeigt, wie in Nordsyrien und im Nordirak Säuglinge aufgrund des lückenhaften weltweiten Adoptionsverfahrens gehandelt und verkauft werden. Sicherheitsbehörden sind alarmiert, da der Menschenhandel aufgrund des Flüchtlingsaufkommens nicht beherrschbar ist.

Türkischen Medienberichten zufolge boomt der Handel mit Säuglingen und Kindern vor allem in Krisenherden wie Syrien. Zwangsrekrutierte oder freiwillige "Kämpferinnen" die Opfer einer Vergewaltigung wurden, erzählen, dass sie entweder zur Abtreibung gezwungen oder das Neugeborene nach der Geburt unter Drohung von Gewalt weggenommen und verkauft wurden. Säuglinge, die nicht verkauft werden, sollen ideologisch aufgezogen und als Kindersoldaten eingesetzt werden.

Die Erkenntnisse darüber, dass beim Menschenhandel vor allem Terrororganisationen ein Wörtchen mitreden und damit ihren bewaffneten Kampf finanzieren, sind nicht neu. Die europäische Polizeibehörde Europol wirft der PKK neben Menschenhandel unter anderem auch vor, ihren Kampf mit Drogenhandel, Geldwäsche und Prostitution zu finanzieren. Bereits seit Jahren erzählen aufgegriffene junge Frauen oder junge Frauen, die sich den türkischen Sicherheitsbehörden gestellt hatten, welche Torturen sie durchlebt haben, um dann bei Gelegenheit, wenn es ihnen möglich ist, sich den Sicherheitskräften oder Behörden freiwillig zu stellen. Den meisten gelingt das offenbar nicht, wie Zeuginnen berichten.

Den jüngsten Meldungen zufolge hat sich daraus offenbar auch ein lukrativer Kinderhandel entwickelt, der sich nicht nur regional beschränkt. Mädchen und junge Frauen die in einer labilen Phase von sogenannten "Rekrutierern" angesprochen und für den sogenannten „Kampf der Frauen" für die Terrororganisation PKK in der Türkei, Nordsyrien oder Nordirak gewonnen werden konnten, erzählen nun in einer türkischen Dokumentationsserie, wie sie anschließend in Camps der PKK oder YPG im Norden von Syrien oder dem Irak gedrillt und ideologisch für den "Kampf" vorbereitet wurden. 

Dabei sollen aber auch Übergriffe durch männliche Mitkämpfer oder Vorgesetzte stattfinden, die von den meisten jungen Mädchen und Frauen aus Angst, Furcht vor Erniedrigung oder Scham nicht gemeldet werden. Vielfach sollen die Mädchen oder Frauen, nach dem sich eine Schwangerschaft abzeichnet, zur Abtreibung gezwungen worden sein. Jene die unter diesem Radar hindurch die Schwangerschaft dennoch beibehalten hätten, seien nach der Geburt von ihren Babys gewaltsam getrennt worden.

Laut einer in die Türkei geflüchteten PKK-Terroristen, die sich der Polizei in diesem Jahr stellte, soll sie in einem Krankenhaus in Qamischli, einer nordsyrischen Grenzstadt, als sogenannte Asayîş zwischen dem 3. Januar bis 5. Juli 2017 für Sicherheit und Ordnung vor dem Krankenhaus gesorgt haben. Hier soll sie auch von einem PKK-Kämpfer vergewaltigt worden sein. 

Nach dem sich abgezeichnet habe, dass ein Schwangerschaftsabbruch nicht möglich ist, habe man sie nach Rmelan gebracht, einer Stadt in der Provinz al-Hasaka, die ebenfalls unter der Kontrolle der syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG ist. In einer Geburtsstation soll der Säugling zur Welt gekommen und dann ihr weggenommen worden sein. In dieser Zeit habe sie auch erfahren, dass viele Säuglinge, die in dieser Station auf die Welt kamen, verkauft wurden. Säuglinge, die nicht verkauft werden konnten, habe man Pflegeeltern gegeben, die sie ideologisch erziehen sollten.

Die türkische Polizei steht aufgrund der Krisenländer Syrien und dem Irak vor unüberwindbaren Problemen. Zwar konnte die Polizei immer wieder Erfolge im Kampf gegen den Menschenhandel verzeichnen. Dennoch, aufgrund des unkontrollierten Flüchtlingsstromes, die bis in die Mitte des Jahres anhielt, sind viele Kinder, vor allem aber auch Säuglinge, in das Land gebracht worden, deren Hintergründe nicht aufgedeckt werden können. Zudem erschwert die weltweit lückenhafte Regelung von Adoptionen die Aufklärungsarbeit der Behörden.

Seit Mitte des Jahres wird aber der Zuzug von Flüchtlingen aus Syrien oder dem Irak kontrolliert ermöglicht. Die Türkei hat ihre Grenze zu Syrien fast hermetisch abgeriegelt, ein Durchkommen ist so ohne weiteres nicht mehr möglich. Bislang haben neben verdächtigen Grenzüberschreitungen und deren Aufklärung, aber vor allem auch die Erkenntnisse der jungen Mädchen und Frauen dabei geholfen, mehrere Fälle aufzudecken.

Seit mehreren Jahren berichten Menschenrechtsorganisationen, dass die PKK weiterhin Kindersoldaten rekrutiert. 2012 stellte das US-Aussenministerium fest, 38 Prozent der rekrutierten "Kämpfer" seien minderjährig. Bereits zuvor wurden immer wieder Fälle Kindesentführungen durch die terroristische Organisation bekannt. So sollen sogar 10- bis 12-Jährige gegen ein Entgeld von 1.000 US-Dollar pro Kind verschleppt worden sein. Die Kinder werden mutmaßlich in Lagern im Nordirak gefangen gehalten. Die türkischen Behörden ermitteln in hunderten Fällen, in denen Familien Vermisstenmeldungen bei der Polizei abgaben. Auch kurdische Kinder aus Deutschland, Frankreich und Schweden werden dabei rekrutiert und in Trainingslagern, die als Sommercamp getarnt werden, ausgebildet.

Einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) aus 2016 zufolge, setzen die Terrororganisation PKK sowie ihre Splittergruppe, die "Volksverteidigungskräfte" (HPG), die "Volksverteidigungseinheiten" (YPG) sowie die jesidische Miliz unter dem Namen "Widerstandseinheiten Shingal" (YBS) weiterhin Kindersoldaten ein. In mehr als 29 dokumentierten Fällen sollen Kinder im Nordirak entführt, zu Kindersoldaten gedrillt und eingesetzt worden sein. Kinder die versuchen zu fliehen, sollen schwer misshandelt werden, heißt es in dem Bericht, die Ende Dezember 2016 unter der Rubrik "Kinderrechte" vorgestellt wurde.

Erst im April 2016 hatten der EU-Abgeordnete Alyn Smith sowie weitere politische Persönlichkeiten innerhalb des EU-Parlaments in einer Aktion des "Europäischen Zentrums für Kurdischen Studien" die "Partei der Demokratischen Union" (PYD) in Nordsyrien dazu aufgerufen, die Zwangsrekrutierung sowie den Einsatz von Kindersoldaten zu unterlassen.

Die Volksverteidigungseinheiten (YPG), die den militärischen Flügel der politischen Partei PYD in Syrien darstellt, ist ein Ableger der Terrororganisation PKK und wurden im Jahre 2003 auf Beschluss der PKK gegründet. Milizen erhalten oft ihr Training in YPG-Gebieten wie dem Irak oder Nordsyrien und reisen anschließend in die Türkei ein, um für die TAK oder die PKK, die beide in Verbindung zur PYD/YPG stehen, Anschläge durchzuführen.

weitere Informationen zum Artikel