Kurdische YPG erklären Zivilisten in Afrin als legitimes Ziel

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Kurdische YPG erklären Zivilisten in Afrin als legitimes Ziel

04. Mai 2018 - 19:02
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Die syrische-kurdische Terrororganisation YPG haben in einem Beitrag im Kurznachrichtendienst Twitter Zivilisten in der nordsyrischen Region Afrin als legitime Ziele erklärt.

Kurdische YPG erklären Zivilisten in Afrin als legitimes Ziel

Gaziantep / TP - Die syrische-kurdische Terrororganisation YPG haben in einem Beitrag im Kurznachrichtendienst Twitter, Flüchtlinge in der nordsyrischen Region Afrin als legitime Hauptziele erklärt. In dem am Freitag veröffentlichten Beitrag der Volksverteidigungseinheiten wird bekräftigt, Familien, die aus Ghuta oder Hama stammen und Zuflucht in Afrin suchen, als "Hauptziel" zu betrachten. Angeblich seien das Terroristen, die sich in Afrin ansiedeln würden. Die YPG hat diesen Tweet inzwischen gelöscht.

Seit die nordsyrische Region Afrin durch türkische Truppen und Milizen der Freien Syrischen Armee (FSA) kontrolliert wird, gilt die Region als sicher. Nur wenige Gebiete in Syrien sind nicht umkämpft, stehen nicht unter der Kontrolle des syrischen Regimes, der Terrormiliz IS oder der Terrororganisation YPG, die bis vor der Militäroperation der türkischen Allianz die Region Afrin kontrollierte. Außerdem erweist sich die humanitäre Hilfe in Syrien als schwierig. Hilfsorganisationen oder die UN erhalten meist nur noch über die türkisch-syrische Grenze umfangreichen Zugang zu Menschen, die in Not sind.

Seither flüchten immer mehr Zivilisten aus den noch umkämpften südlichen Regionen in Ghuta oder Hama in den Norden, der einzigen noch verbliebenen Fluchtrichtung, in der auch humanitäre Hilfe geleistet wird. Manche haben dabei den Weg in die Region al-Bab, die seit März 2017 unter der Kontrolle der FSA steht, gefunden. Zwischen dem 24. August 2016 und 29. März 2017 hatte die türkische Armee in der nordsyrischen Region die Terrormiliz IS bekämpft und zurückgedrängt. Weitere werden derzeit in der Region Afrin in Flüchtlingscamps untergebracht.

Das erste dieser Flüchtlingsnotunterkünfte richtete die Türkei nahe der türkischen Provinz Hatay im syrischen Jindires, nur wenige Kilometer nördlich des Flüchtlingscamps in Atmeh. Hier finden syrische Flüchtlinge aus Aleppo und anderen Landesteilen Zuflucht und erhalten humanitäre Hilfe. Für die syrisch-kurdische Nationalpolitik der YPG ein triftiger Grund, die syrischen Flüchtlinge als Besatzer zu bezeichnen und als Versuch der türkischen Regierung zu bewerten, demografischen Wandel einzuleiten.

Diese Politik wird nicht erst seit der Kontrolle der Region Afrin durch türkische Truppen und FSA-Einheiten verfolgt. Bereits zuvor, als dieses Gebiet unter der Herrschaft der YPG stand, betrieb der syrische Ableger der Terrororganisation PKK eine ethnische Säuberungspolitik voran. Syrische Araber oder Turkmenen wurden aus ihren angestammten Gebieten vertrieben oder durften nach ihrer Flucht vor der Terrormiliz IS nicht mehr zurück. Internationale Hilfsorganisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch warfen der YPG sowie ihrem politischen Gründer PYD vor, ethnische Säuberungen durchzuführen.

Die YPG, die von den USA als Koalitionspartner gegen die Terrormiliz IS hochstilisiert wurde und unter dem neuen Namen SDF (Syrian Defence Force bzw. auf Deutsch: Demokratische Kräfte Syriens (DKS)) fungiert, will die bis dahin durchgesetzten Ziele nicht schwinden sehen, womit der Beitrag von Freitag zu erklären ist.

Seit die FSA mit türkischen Truppen die Region Afrin unter Kontrolle hält, erhält die YPG auch in Europa zunehmend Zustimmung für ihre Politik gegen syrische Flüchtlinge. Namhafte kurdophobile Persönlichkeiten setzen sich dafür ein, dass der syrische Flüchtlingsstrom nach Afrin umgehend gestoppt wird, ohne dabei eine Lösung vorzuschlagen, wohin diese Menschen sich sonst noch in Sicherheit bringen könnten.

In sozialen Netzwerken spricht man daher vielmehr über einen angeblich demografischen Wandel zu Ungunsten einer sogenannten kurdischen Region - doch dabei werden die Flüchtlinge, ihr Leid und Elend vollkommen ausgeblendet. Bis vor der Kontrolle durch die türkische Allianz, galt doch Afrin schlichtweg als Ort der Sicherheit in Syrien. Nun scheint das nicht mehr im Interesse zu liegen - der Grund ist auch einfach zu erklären: Zuvor konnte man noch selbst entscheiden, wer nach Afrin flüchten kann, vornehmlich syrische Kurden. Jetzt, nach dem die Türkei sowie die FSA die Kontrolle übernommen hat und die humanitäre Hilfe anläuft, bestimmen Abstammung oder Religionszugehörigkeit nicht darüber, ob man Sicherheit und Hilfe erhält oder nicht.

In Syrien wird die derzeitige Situation kontrovers betrachtet. In einem Artikel in der "Aleppo24" erklärt man, dass das als "Rache" bzw. "Vergeltung" für die Taten der YPG in Manbidsch, Rakka, Aleppo oder Tall Rifaat zu verstehen sei. Hier habe die YPG bei ihren Vorstößen die meisten Bewohner vertrieben, die noch immer in Flüchtlingslagern rundum die Region Aleppo unter freien Himmel leben würden, so das Online-Nachrichtenportal. 

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