Syrien: Verdachtsfälle von Giftgas-Einwirkung in Sarakeb

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Syrien: Verdachtsfälle von Giftgas-Einwirkung in Sarakeb

05. Februar 2018 - 00:38
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Die syrischen Regierungstruppen haben offenbar seit Anfang des Jahres während ihrer Offensiven auf zwei der letzten Enklaven in Ost-Ghuta bei Damaskus und in der Provinz Idlib im Nordwesten des Landes Giftgas eingesetzt. Nun meldet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte einen erneuten Fall in Sarakeb.

Syrien: Verdachtsfälle von Giftgas-Einwirkung in Sarakeb

London / TP - Mindestens neun Zivilisten, darunter drei Mitarbeiter des Syrischen Zivilschutzes (Weißhelme) sollen in Sarakeb südöstlich der Provinz Idlib durch Chlorgas verletzt worden sein, meldet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London (SOHR). "Übel riechender Geruch" sei von der örtlichen Bevölkerung wahrgenommen worden, nach dem syrische Regime-Hubschrauber über der Stadt gekreist seien, teilte die SOHR weiter mit.

Seit vergangener Woche verdichten sich die Hinweise, wonach syrische Regimekräfte Chlorgas auf die belagerten Rebellen-Hochburgen in den Vororten von Ost-Ghuta in der Provinz Damaskus oder in Städten in der Provinz Idlib abwerfen. Am Donnerstag sollen dabei vier Zivilisten aus Ghuta mit Atemnot und geröteten Augen in umliegende Krankenhäuser eingeliefert worden sein. Drei Boden-Boden-Raketen, die möglicherweise mit Chlorgas befüllt waren, gingen am frühen Donnerstagmorgen in einem Wohngebiet in Douma nieder, sagte Siraj Mahmoud, der Sprecher der lokalen Zivilverteidigung gegenüber Syria Direct.

US-Außenminister Rex Tillerson verurteilte die Luftschläge vom 22. Januar am darauffolgenden Tag während des Gipfeltreffens in Paris. Insgesamt 24 Staaten hatten dabei eine internationale Partnerschaft gegen die Straflosigkeit bei Chemiewaffeneinsätzen gegründet und trafen sich am 23. Januar erstmals in Paris. Ziel sei es, Täter besser identifizieren und bestrafen zu können, heißt es in der Abschlusserklärung. Der Vorschlag stammt von der französischen Regierung, zudem sind unter anderem Deutschland, die USA, die Türkei und Großbritannien beteiligt. 

Tillerson erklärte in Paris, dass "die jüngsten Berichte aus Ost-Ghuta Anlass zur Sorge geben, dass das syrische Regime unter Bashar al-Assad weiterhin chemische Waffen gegen seine eigene Bevölkerung einsetzen könnte". Tillerson beschuldigte auch den syrische Regime-Verbündeten Russland. Russlands UNO-Botschafter Vassily Nebenzia, widersprach dem umgehend und nannte den Vorfall als einen "seltsamen Zufall". Die Meldungen wären einen Tag vor der Veranstaltung in Paris eingetroffen, so der UNO-Botschafter weiter.

Die syrische Delegation bei den Vereinten Nationen bestritt die US-Beschuldigungen ab und nannte sie "grundlos und nicht überraschend", berichtet die syrische Staatsagentur SANA am 25. Januar. US-Verteidigungsminister Jim Mattis erklärte am vergangenem Freitag gegenüber Reportern, dass die US-Regierung besorgt sei, dass Sarin-Gas in letzter Zeit in Syrien eingesetzt werde. Dabei berief sich Mattis auf Berichte von NGOs und Rebellengruppen, unterstrich jedoch, dass die US-Regierung selbst keine Beweise habe, um das zu untermauern.

Laut NGOs und Rebellengruppen wurden im letzten Monat 21 Menschen mit Atemnot und anderen Symptomen die auf Giftgas hindeuten, behandelt, nachdem Raketen auf die Rebellen-Hochburgen in Ost-Ghuta abgefeuert worden waren.

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