USA: Droht Prozess wegen Zarrab zu platzen?

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USA: Droht Prozess wegen Zarrab zu platzen?

05. Dezember 2017 - 14:11
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Anwälte des ehemaligen türkischen Halkbank-Bankiers Mehmet Hakan Atillas behaupten, dass sie offizielle Tonmitschnitte vom Kronzeugen Reza Zarrab über Dialoge im Gefängnis haben. Die Verteidigung Atillas fordert nun mehr Zeit, um die neuen Beweise und die zu spät erhaltenen Dokumente von der Staatsanwaltschaft zu sichten. In einem Brief an den Richter in New York wurde die neue Sachelage erörtert.

Tageszeitung Vatan - USA: Droht Prozess wegen Zarrab zu platzen?

New York / / TP - Die Meldungen der im New Yorker Prozess anwesenden Prozessbeobachter, darunter der US-amerikanische Journalist , die "The Daily Beast" Journalistin ‏ sowie dem türkischen Journalisten lassen in ihren täglich aktuellen Twitter-Posts erkennen, dass der Prozess gegen den ehemaligen Vizechef der türkischen staatlichen Halkbank, Mehmet Hakan Atilla, platzen könnte. Denn, laut einer Erklärung der Anwälte von Mehmet Hakan Atilla, haben sie Tonmitschnitte, aus der hervorgeht, dass der Kronzeuge, der derzeit Atilla und ehemalige türkische Regierungsmitglieder belastet, vermutlich lügt, damit er selbst nicht belangt wird.

Am 15. September 2016 sowie am 26. November 2017, also einen Tag vor Prozessbeginn soll der iranisch-türkische Goldhändler und Unternehmer Reza Zarrab, angegeben haben, zu lügen, um mit einer milderen Strafe davon zu kommen oder aus der Haft entlassen zu werden. Bis kurz vor Prozessbeginn rankten sich Gerüchte darum, ob Zarrab mit der Staatsanwaltschaft und den Gericht geeinigt haben, da er zuvor aus der Untersuchungshaft entlassen wurde und in Sicherungsverfahrung des FBI an einem unbekannten Ort gehalten wurde. 

Wenn das stimmt, was die Anwälte des Bankiers aus den Gefängnisaufzeichnungen herausgehört haben wollen, könnten das Verteidigerteam dies in den kommenden Tagen vor Gericht in New York gegen Zarrab verwenden. Damit würde aber auch der Hauptbelastungszeuge wegfallen, sollte es sich bewahrheiten. Der Prozess würde platzen.

Die Anwälte beschuldigten zudem US-Staatsanwälte, Beweismittel zurückzuhalten, die ihnen helfen könnten, die Unschuld ihres Mandanten zu beweisen, zu denen auch die genannten Telefonaufzeichnungen gehören.

In einem am Montag dem US-Bezirksrichter Richard Berman übergebenen Schreiben beklagten Atillas Anwälte, dass die Staatsanwaltschaft ihnen wichtige Akten erst am Samstagabend übergaben, obwohl sie dieses Material schon am 28.November hätten bekommen sollen. Eine solche Verzögerung mache es für die Verteidigung schwieriger, sich vorzubereiten. Zudem wurde bekannt, dass die elektronische Gerichtsakte im US-weiten Justizsystem in Zusammenhang mit dem Verfahren um diesen einen Eintrag gelöscht wurde. Noch ist nicht bekannt, weshalb die Audiomitschnitte, die aus dem Untersuchungsgefängnis stammen, aus dem System gelöscht wurden.

In den USA müsse man lügen, “um frei zu kommen oder eine reduzierte Strafe zu bekommen” und “etwas zugeben, was man nicht begangen hat”, um aus dem Gefängnis herauszukommen, habe Zarrab laut Atillas Anwälten während des Telefongesprächs im Gefängnis ausgesagt. Das Telefongespräch zwischen Zarrab und einer Person namens “Ahad” habe bereits am 15. September 2016 stattgefunden.

Die verspätete Übergabe dieser Aussagen beeinträchtige die Verteidigung erheblich, sie vor Gericht ordnungsgemäß und effektiv zu nutzen, erklärten die Anwälte in einem Brief an Richter Berman.

Zarrab hatte vor wenigen Tagen in dem Prozess um umstrittene Goldgeschäfte mit dem Iran, u.a. den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan belastet. Der Händler sagte vor Gericht aus, Erdogan habe zwei türkischen Banken die Weisung erteilt, sich an den Geschäften mit den Iran zu beteiligen.

Unterdessen gerät Reza Zarrabs zweifelhafter Ruf auch in der Türkei offensichtlich zu werden. Laut jüngsten türkischen Medienberichten zufolge, wurde Reza Zarrab bereits kurz nach der Verhaftung in der Türkei während des Korruptionsskandals zwischen dem 17. und 25. Dezember 2013 von einem Rechtsanwalt namens Halil Ibrahim Koca im Untersuchungsgefängnis aufgesucht. Im Dialog mit Zarrab habe Koca ihm den Angebot gemacht, den damaligen Ministerpräsident  Erdogan zu belasten, in dem er ihn als Nummer eins des Korruptionsskandals vor Ermittlern und Staatsanwälten nennt. Im Gegenzug würde man ihn dann freibekommen, so u.a. oppositionsnahe und regierungsnahe Medien heute. 

Die türkische Tageszeitung bezeichnete den Anwalt Koca als jemanden, der in allen Fällen in der Türkei eine Schlüsselrolle spiele. Bereits während der Ermittlungen im Hrant Dink-Mord taucht sein Name auf und auch die Videoskandale mit fünf Politikern aus den Reihen der MHP sollen mit ihm in Zusammenhang stehen. Koca war eine zeitlang auch als Rechtsanwalt in Istanbul im Polizeipräsidium tätig, bevor er ins Ausland flüchtete. Er steht im Verdacht, der FETÖ anzugehören. Medienberichten zufolge wurde er mehrmals mit Journalisten der Tageszeitung Zaman gesichtet, darunter dem Chefredakteur Ekrem Dumanli, der ebenfalls flüchtig ist. "Zaman" galt als Fethullah Gülen-nah, als die Zeitung Juli 2016 verboten wurde.

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